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Verhalten

Was soll ich als Patient beachten

Prof. Dr. Curt Diehm; Beim Lipödem handelt es sich um eine anlagebedingte fast ausschließlich bei Frauen vorkommende beiderseits auftretende Fettverteilungsstörung mit einer oft reithosenartigen Schwellung der Beine. Meist tritt die Erkrankung schon nach der Pubertät auf. Sowohl normalgewichtige als auch übergewichtige Frauen sind betroffen. Die betroffenen Patientinnen leiden meist unter erheblichen seelischen Problemen. Es ist wichtig, dass das Krankheitsbild frühzeitig erkannt wird, da sich sonst aus dem noch „weichen Lipödem" ein ausgeprägtes Lymphödem (Lymphabflussstörung) und eine sog. Liposklerose (Verdickung und Verhärtung des Unterhautfettgewebes) entwickeln kann.

Wichtig ist, dass Sie sich rechtzeitig in die Hände einer Spezialistin/eines Spezialisten begeben. Wichtig ist auch eine gründliche Untersuchung, bei der alle möglichen Ursachen von Ödembildungen und Schwellneigungen abgeklärt werden. Geben Sie sich niemals zufrieden mit Aussagen wie: „das ist eine Fettgewebswucherung, da kann man nichts machen, das ist aussichtslos!".

Körperpflege / Hygiene

• Achten Sie auf Sauberkeit und gründliche Hautpflege.
• Die Haut darf nicht trocken und rissig sein. Zur Erhaltung des Säureschutzfilms keine alkalische Seife, sondern Seife mit saurem pH verwenden. Auch keine reizenden und allergiesierenden Kosmetika verwenden.
• Während der Nachtruhe und wenn möglich in mehreren Pausen auch tagsüber Beine hochlegen.
• Vorsicht vor Fuß- und Nagelpilz: Suchen Sie bei ersten Anzeichen (juckende Rötung, gelbe brüchige Nägel, Einrisse zwischen den Zehen) sofort den Arzt auf.
• Keine knetenden Massagen im Ödembereich (außer Lymphdrainagen), keine festen Hautbürsten.
• Keine Wärmebehandlung (z. B. wärmende Salben, Fango, Solarien, Infrarotbestrahlung, Bäder an der betreffenden Extremität).
• Vorsicht vor Frostschäden (bei kalter Witterung).
• Vorsicht vor Verletzungen, Kratzern, Bissen, Insektenstichen, Quetschungen, Blutergüsse (schützende Kleidung tragen). Im Zweifelsfall den Arzt aufsuchen.
• Den Arbeitsplatz auf Verletzungsgefahr überprüfen.
• Rauchen und Alkohol sind in jedem Fall gesundheitsschädlich und sollten vermieden werden.

Hautpflege

Hautpflege für die tägliche Anwendung bei Lipödemen. Zur Pflege von strapazierter, trockener und schuppender Haut nach dem Tragen von Kompressionsbekleidung.

Die Lotion spendet wohltuende Feuchtigkeit und schützt die Haut vor dem Austrocknen.Trockene, rissige Haut an den Füßen ist für viele ein Tabu-Thema. Ödempatienten sind oft betroffen, weil das natürliche Gleichgewicht ihrer Haut beeinträchtigt ist. Von der sorgfältigen Haut- und Fußpflege profitiert das gesamte Wohlbefinden. Mit der neuen entsprechenden Pflege ist es ganz einfach, die Füße wieder schön und geschmeidig zu pflegen. Ohne Schwielen, Hornhaut oder Risse an den Füßen läuft man wieder leichter und schmerzfreier, wenn Druckstellen stören. Ein gutes Hautbild mindert auch die Gefahr von Entzündungen. Und nicht zuletzt schonen gepflegte Füße auch das Gestrick der Kompressionsstrümpfe. 

Die Auswahl der Präparate ist eingeschränkt, weil unter einem Kompressionsverband nur Präparate verwendet werden sollten, die schnell genug einziehen, nicht zu fett Der Patient zusätzlich zur Abdichtung durch den Verband keine Okklusion durch die Fettanwendung haben sollte, denn wo zuviel Fett ist, wird es rutschig.

Kleidung

• Tragen Sie keine einengende Kleidung. Kleidungsstücke dürfen keinen Druck auf die Haut ausüben und nicht einschneiden.
• Achten Sie darauf, dass Ihre Bewegungsfähigkeit erhalten bleibt und der Venen- und Lymphabfluss nicht behindert wird.

Ernährung und Sport

• Das Lipödem ist nicht Ausdruck von Fettsucht/Übergewicht. Es macht keinen Sinn eine Abmagerungskur zu empfehlen. Dennoch sollten Sie versuchen, Ihr Normalgewicht zu halten bzw. zu erreichen. Eine ausgewogene Ernährung (Mischkost mit viel Obst und Gemüse und mäßigem Salzgehalt). Spezielle Diäten sind sinnlos.
• Trinkmenge je nach Durstgefühl (mind. 2 Liter/Tag).
• Generell fördert Bewegung und Gymnastik den Rückfluss in Venen und Lymphgefäßen aber keine schweren Lasten tragen, keine zerrenden Bewegungen.
• Schwimmen, spazieren gehen, Radfahren sind empfehlenswert. Tip: Lieber L + L (Laufen und Liegen) als S + S (Sitzen und Stehen).

Reisen

• Meiden Sie Urlaubsgebiete mit feuchtwarmem Klima und starkem Insektenvorkommen. Für den Bedarfsfall Antibiotika mitnehmen (Dosierung legt Ihr Arzt fest).

Spezielle Therapiemaßnahmen

• Am wichtigsten ist die frühzeitige und konsequente Kompressionstherapie. Nur so kann der Übergang des Lipödems in ein Lymphödem und eine sog. Liposklerose verhindert werden.
• Die Therapie der Wahl besteht in der komplexen Entstauungstherapie. Anfangs empfehlen sich manuelle Lymphdrainagen, später kann auch eine apparative intermittierende Kompressionstherapie eingesetzt werden.
• Wenn die Lymphdrainagen anfangs schmerzhaft sein sollten – lassen Sie sich nicht entmutigen, die Schmerzen lassen in der Regel nach einer Woche wieder nach.
• Der Strumpf soll erst dann angepasst werden, wenn durch intensive manuelle Lymphdrainagen bzw. Kompressionsbandagierung die Ödeme weitgehend mobilisiert sind.
• Wenn die Beine/Arme wieder „in Form" sind muss langfristig ein Kompressionsstrumpf getragen werden.
• Bei einer sehr starken Fettgewebsvermehrung im Hüftbereich kann auch eine Liposuktion (Fettabsaugung) durchgeführt werden. Vorraussetzung ist allerdings, dass die Lymphgefäße sekundär noch nicht miterkrankt sind.

Prof. Dr. Curt Diehm, Chefarzt Innere Medizin, Klinikum Karlsbad

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