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Ödeminfos

Dr. Schingale; Wer an Lymphödemen leidet, steht mit seinem Leid häufig auf einsamer Flur. Die meisten Ärzte sind mit diesem Krankheitsbild überfordert, da Lymphologie an den Universitäten nicht gelehrt wird, und nicht alle Therapeuten beherrschen – trotz entsprechender Ausbildung – die Regeln der Kunst. Welche Möglichkeiten bleiben also den Betroffenen? Die Zauberformel heißt Komplexe Physikalische Entstauung

Seit vielen Jahren hat sich die 2-Phasen-Therapie nach Prof. Dr. Földi als die wirksamste Form der Behandlung von Lymphödemen bewährt. Sie besteht aus einer Entstauungs-Phase und einer Erhaltungs-Phase, die sich abwechseln. Während der relativ kurzen Entstauungs-Phase wird das Lymphödem in einer intensiven Therapie – der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) – so weit wie möglich entstaut und auf ein erträgliches Maß reduziert. Dies kann etwa in einer lymphologischen Fachklinik oder in anderen geeigneten Einrichtungen geschehen.

Im Anschluss daran folgt die Erhaltungs-Phase, die den in der Entstauungs-Phase erreichten guten Zustand so lange wie möglich erhalten soll. Dies geschieht am Wohnort der Lymphödem-Patienten und basiert ebenfalls auf der KPE, die folgende Elemente enthält:

1. Hautpflege
2. Manuelle Lymphdrainage
3. Kompression
4. Bewegung

Diese „vier Säulen der Lymphödem-Therapie" kann man um zwei weitere ergänzen:

5. Richtige Ernährung und
6. Eigenmotivation

Maßnahmen, die (fast) jeder Lymphödem-Patient erhalten sollte

Nach dem heutigen Stand des Wissens ist die KPE die wirksamste Behandlungsform für Lymphödeme. Richtig angewandt ist sie so gut wie frei von unerwünschten Nebenwirkungen. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen, bei denen die KPE nicht oder nur eingeschränkt angewandt werden darf. Dazu gehören u. a. akute Herzinsuffizienz, manche Herz-Kreislauf-Probleme, Herzrhythmus-Störungen, Überempfindlichkeit des „Sinuscaroticus" (Ausbuchtung  einer Arterie  im Kopf-Hals-Bereich, die für die Steuerung des Blutdrucks und der Herzfrequenz mitverantwortlich ist), akute Venenthrombose, Schilddrüsen-Überfunktion und durch Krankheitserreger hervorgerufene entzündliche Ödeme, wie z. B. ein akutes Erysipel (Wundrose). In manchen Fällen – etwa bei einer Schwangerschaft oder während der Menstruation – darf die Tiefdrainage des Bauchraumes nicht angewandt werden.

Generell gilt in der Medizin: Jede Therapie muss dem allgemeinen Zustand des Patienten angepasst sein und in vernünftiger Weise ausgeübt werden. Ist das der Fall, wird die KPE – sofern die Therapeuten ihre Kunst beherrschen und die Patienten aktiv mitarbeiten – in aller Regel hervorragende Ergebnisse erzielen. Die (erweiterte) KPE besteht – wie bereits erwähnt – aus:

1. Hautpflege

Die Haut ist das größte Organ unseres Körpers und spielt eine tragende Rolle in unserem Immunsystem. Zwangsläufig erfährt sie durch die KPE eine gewisse Belastung und bedarf darum einer intensiven Pflege. Besonders in den ödematösen Bereichen beobachtet man häufig Probleme wie Austrocknen der Haut, Jucken und eine erhöhte Infektions-Neigung. Durch das notwendige Tragen der Kompressions-Bestrumpfung werden diese Phänomene oft noch verstärkt.

Um den Säureschutzmantel der Haut nicht zu zerstören, sollen Lymphödem-Patienten keinesfalls Seife verwenden, sondern eine milde Waschlotion mit einem pH-Wert von etwa 5. Nach dem Abnehmen der Bestrumpfung kann man die Haut z. B. mit Melkfett sanft einreiben. Melkfett ist in Drogerien und Apotheken erhältlich und wird auch mit Beimischungen (Ringelblume etc.) angeboten. Achten Sie dabei stets auf allergische Reaktionen! Wichtig: Fetten Sie die Haut niemals vor dem Anlegen der Kompressions-Bestrumpfung ein, denn diese kann durch Fett in Mitleidenschaft gezogen werden.

2. Manuelle Lymphdrainage

Diese sanfte (nicht knetende!) Massage mit speziellen Griff-techniken ist das A und O in der KPE. Die MLD beginnt an der Schulter-Hals-Partie und bewegt sich dann langsam in Richtung auf das Lymphödem zu. Ausnahmen sind Manuelle Lymphdrainagen von vorübergehenden Lymphödemen, die nach kleineren Verletzungen oder kleineren chirurgischen Eingriffen entstanden sind. Hier kann die Extremität alleine behandelt werden. Sollte Ihr(e) Physiotherapeut(in)  bei einer „normalen" MLD anders verfahren, wechseln Sie ihn (sie) sobald wie möglich! Begründung: Die Lymphe wird durch die Lymphbahnen zum „Venenwinkel" am Herz transportiert und fließt dort in das Blut. Um das Abfließen der Lymphe zu ermöglichen, muss die Drainage an der Abflussstelle beginnen und erst dann den Weg zum Lymphödem hin systematisch freimachen. MLD kann Ihr Hausarzt bei Notwendigkeit verordnen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür, die Patienten müssen jedoch einen Eigenanteil daran aufbringen.

3. Kompression/Bandagierung

Um das Rückfließen der Lymphe und eine erneute Ödementstehung zu vermindern, muss nach der MLD unbedingt eine Kompression angelegt werden. Während der Entstauungs-Phase geschieht dies mittels spezieller Binden und Polstermaterial. In der Erhaltungs-Phase kommt eine genau abgemessene in der Flachstrick-Technik hergestellte Bestrumpfung zum Einsatz. Die Kompression muss regelmäßig getragen werden, allerdings nur tagsüber. An neuartigen Alternativen in Rundstrick-Technik wird derzeit gearbeitet. Mit allem Nachdruck betonen wir hier nochmals: Ohne Kompression ist die MLD absolut sinn

4. Bewegung

Nachdem das Ödem durch die MLD weitgehend entleert und die Kompression angelegt wurde, sollen Sie sich viel bewegen. Die flachgestrickte Bestrumpfung ist unelastisch, das von ihr umschlossene Volumen ist also nur wenig veränderlich. Da sich die Muskeln während der Bewegung abwechselnd zusammenziehen und wieder lockern, wird eine sehr gute Pumpwirkung erzeugt. Als besonders vorteilhaft hat sich das Gehen mit langen Stöcken – „Venenwalking", – herausgestellt. Durch die Armhaltung und die Bewegung der Arme wird das Herausfließen der Lymphe aus den Armen stark begünstigt. Außerdem werden beim Gehen mit den Stöcken mehr Muskeln beansprucht als beim Gehen ohne Stöcke.

5. Richtige Ernährung

Eine spezifische Lymph-Diät gibt es nicht. Wer an Lymph-ödemen leidet, sollte aber Übergewicht vermeiden. Essen Sie abwechslungsreich, viel frisches Obst, Salate und Gemüse. Fleisch und tierische Fette sind innerhalb gewisser Grenzen unbedenklich, pflanzliche Fette sind jedoch vorzuziehen

Achten Sie darauf, Ihre Nahrung nicht „totzukochen" und garen Sie vorzugsweise in Dampf statt in Wasser. Ersetzen Sie Fleisch öfters mal durch Fisch, insbesondere durch Seefisch. Essen Sie bei den Mahlzeiten so oft es geht gemischte Salate. Dadurch werden Sie satt, ohne viele Kalorien aufgenommen zu haben; außerdem nehmen Sie dabei Vitamine und andere wichtige Pflanzenstoffe auf.

6. Eigenmotivation

„Ich lebe mit der Krankheit, lasse aber nicht zu, dass meine Krankheit mit mir lebt!" Wenn Sie diese Einstellung verinnerlicht haben, werden Sie Ihr Leben spürbar verbessern. Lymphödeme sind unangenehm, hinderlich und wer davon betroffen ist, kriegt sie meist niemals mehr los. Wir kennen aber viele Lymphödem-Patientinnen und -Patienten aller Altersstufen, die selbstbewusst und diszipliniert gegen das Übel ankämpfen. Ihnen gelingt es sehr wohl, ein weitestgehend normales Leben zu führen. Wer dagegen „die Flinte ins Korn wirft", kommt in einen Teufelskreis von körperlichen und seelischen Leiden, die sich gegenseitig bedingen und verstärken.

Denken Sie positiv, selbstbewusst und ruhig auch mit einem kräftigen Schuss Aufsässigkeit! Seien Sie mutig, eroberungslustig und nehmen Sie nicht einfach alles hin. Lebensfreude kann man lernen. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gelingt das sehr gut.

Dr. Schingale
www.lympho-opt.de

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