Home » Venen » Behandlung

Therapie

Am Anfang steht immer eine unzureichende Funktion der Venenklappen, sei es, dass im Laufe der Jahre z.B. durch eine Bindesgewebsschwäche die Venenklappen zunehmend degenerieren und nicht mehr genügend Blut zurück zum Herzen transportieren( häufigste Ursache), sei es, weil bereits von Geburt keine oder unvollständig schließende Venenklappen vorhanden sind.

Durch die schlechte Rücktransportfunktion der Venen kommt es im Bereich der Unterschenkelvenen zu einem Blutrückstau, was zunächst zu einer Erweiterung der Venen führt (beginnende Krampfaderbildung). Am Unterschenkel zeigen sich diese Phänomene am ehesten, weil hier der Druck der Blutsäule am höchsten ist (übrigens oft nicht direkt im Fußbereich, da hier die Hautdicke (Fußsohle!) Gefäßerweiterungen und Geschwürbildungen verhindern). Der weitere lokale Anstieg des Blutdrucks führt nachfolgend zu einer weiteren Schädigung der Venenklappen, bis auch die erweiterten Gefäßwände den erhöhten Druck nicht mehr standhalten können. Es kommt dann im Bereich der kleinsten Gefäße (Kapillaren und Venolen) zum einem Gewebsumbau, sogenannte Fibrinauflagerungen werden gebildet, die zweierlei bewirken können: Zum einen verschlechtern sie die lokale Durchblutung und führen zum Zelltod, zum anderen führt der lokale Bluthochdruck zu einer Ansammlung weißer Blutkörperchen, die wiederum die Bildung bestimmter Sauerstoffradikale (chemisch gesehen unvollständige und sehr reaktionsfreudige Atome bzw. Moleküle) in Gang setzen. Nachfolgend wird die weitere Freisetzung eiweißauflösender Bindegewebsenzyme initiiert, die die Kapillarschädigung vorantreiben und so zur Geschürbildung beitragen

Besonders wichtig ist der Hinweis, dass ohne Kompressionstherpaie der Heilungsprozess nicht in Gang kommt, was nach dem oben Erwähnten logisch ist: Kompression, also Druck, führt zu einer Veneneinengung; also kann die Kompressions-therapie die Funktion der schadhaften Venen zumindest teilweise wieder ersetzen, wenngleich die Venenklappen selbst natürlich nicht mehr rekonstruiert werden können.

In welcher Höhe dieser Druck angewendet wird, hängt vom Schweregrad der venösen Erkankung ab und u.a. davon, ob nur das venöse oder auch das arterielle System mit betroffen ist. Bei schlechter arterieller Durchblutung muß der maximale Anpressdruck zwecks Vermeidung weiterer Schäden erniedrigt werden.

Fachinformationen von Lohmann & Rauscher
www.lohmann-rauscher.de

AIK / IPK

Die "apparative intermittierende Kompression (AIK) / intermittierende pneumatische Kompression" (IPK) gehört neben der Anwendung von Bandagen, Kompressionsstrümpfen und manueller Lymphdrainage seit Jahren zum Standard der physikalischen Behandlung venöser und lymphatischer Erkrankungen. Durch zahlreiche Studien, in denen die nachhaltige Effizienz der IPK nachgewiesen wurde, konnte sie ihren Stellenwert in den vergan genen Jahren immer mehr vergrößern. Auch das Indikationsgebiet dieser Therapieform hat sich enorm erweitert.

Wirkungsweise

Das Funktionsprinzip der intermittierenden pneumatischen Kompression zielt nicht nur auf pure Reabsorbtion von Ultrafiltrat in das venöse System, sondern leitet resorbierte Proteine im Lymphsystem weiter. Durch den Druckaufbau kommt es zur Weiterleitung im Interstitium (Zwischenzellraum) von distal in proximale Regionen (Anastomosenbildung), in welchen gesunde Gefäße zur Aufnahme vorhanden sind. Der venöse und lymphatische Abfluss wird wesentlich verbessert. Am Bein wird die Wadenmuskelpumpe passiv simuliert. Die Steigerung der Fließgeschwindigkeit des venösen Blutes wirkt zudem antithrombotisch. Auch eine Erhöhung der fibrinolytischen Aktivität im Blut und in der Venenwand, eine Erniedrigung des Hämato krits und ein Anstieg des Gerinnungsfaktors VIII sowie des antikoagulatorisch wirksamen Protein C wurde nach Anwendung der IPK nachgewiesen. Bei chronischer Veneninsuffizienz kommt es zu einer verbesserten kutanen Mikozirkulation.

Indikationen

für die IPK ist die ausgeprägte, chronisch venöse Insuffizienz, das Ulcus cruris und das Lymph- bzw. Lipödem. Aber auch die peri- und postoperative Thromboseprophylaxe stellen ein wichtiges Einsatzgebiet dieser Therapieform dar. Verschiedene andere Erkrankungen, die mit einer ödematösen Schwellung von Extremitäten einhergehen, können mit der IPK ebenfalls gut behandelt werden. Die pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) ist ein weiteres Indikationsgebiet. Sie ist mit einer Variante der Geräte gut zu therapieren, nämlich mit den so genannten Impulskompressions-Geräten.

Kontraindikationen

bilden akute oberflächliche und tiefe Thrombophlebitiden, entzündliche Hautveränderungen (mit Ausnahme des Ulcus cruris) sowie die dekompensierte Herzinsuffizienz wegen der zusätzlichen Volumenbelastung des Herzens durch die Mobilisierung von Ödemflüssigkeit.

Die Systeme zur IPK bestehen aus einem Kompressor und den Behandlungsmanschetten. Für venöse Indikationen genügen einfache 3- bis 6-Kammersysteme, für lymphatische Ödeme sind 12-Kammersysteme erforderlich. Die Manschetten müssen für die Behandlung von Lymph-und Lipödemen überlappende Luftkammern haben und dem Krankheitsbild entsprechen (Bein-, Hosen-, Arm-, Jackenmanschetten). Am Kompressor werden die Therapiedauer und der gewünschte Behandlungsdruck eingegeben. Wichtig ist ein möglichst kurzer Druckzyklus, damit die Therapie einerseits effektiv ist und andererseits die peripheren Gefäße nicht zu lange druckbelastet werden. Therapiert wird nach den individuellen Bedürfnissen der Patienten, mehrmals pro Woche, am besten täglich. Begonnen wird oft mit einem niedrigen Behandlungsdruck, der langsam, je nach Verträglichkeit gesteigert werden kann. Eine verordnete Heimtherapie macht den Patienten unabhängig und ermöglicht auch die Therapie am Wochenende, Urlaub etc.

Die Geräte sind anerkannte Hilfsmittel, verschreibungsfähig und in der Praxis nach EMB 30401 / GOÄ 526 abrechenbar.

Zum Seitenanfang

Übersetzung

Spezialisten-Suche

Datenbank aufsuchen »