Das Lymphsystem erfüllt wichtige Aufgaben im Körper: Es nimmt überschüssige Flüssigkeit aus dem Gewebe auf, transportiert sie zurück in den Blutkreislauf und ist an der Immunabwehr beteiligt. Ist der Lymphabfluss gestört, kann sich Flüssigkeit im Gewebe ansammeln. Eine mögliche Folge ist ein Lymphödem.
Auch das Lipödem kann mit sichtbaren Veränderungen und Beschwerden an Armen oder Beinen verbunden sein. Es handelt sich jedoch um ein eigenständiges Krankheitsbild. Weil sich manche Anzeichen ähneln können, werden Lipödem und Lymphödem im Alltag häufig verwechselt. Eine verlässliche Einordnung gehört deshalb in fachkundige medizinische Hände.
Auf dieser Übersichtsseite finden Sie einen verständlichen Einstieg in das Lymphsystem sowie in die Krankheitsbilder Lymphödem und Lipödem. Die verlinkten Artikel vertiefen die einzelnen Themen Schritt für Schritt.
> **Wichtiger Hinweis:** Diese Informationen dienen der Orientierung. Sie ersetzen weder eine ärztliche Untersuchung noch eine persönliche Diagnose oder Therapieempfehlung. Lassen Sie neue, zunehmende, einseitige oder schmerzhafte Schwellungen zeitnah medizinisch abklären. Plötzlich auftretende Schwellungen können auch andere Ursachen haben und sollten rasch beurteilt werden.
Das Lymphsystem besteht unter anderem aus Lymphgefäßen, Lymphknoten und lymphatischen Organen. Die Lymphgefäße bilden ein Netzwerk, das nahezu den ganzen Körper durchzieht. Sie nehmen Gewebeflüssigkeit auf und befördern sie als Lymphe weiter. Lymphknoten wirken dabei als Filterstationen und sind Teil der körpereigenen Abwehr.
Wenn Sie zunächst verstehen möchten, wie dieses System aufgebaut ist und wie der Lymphtransport funktioniert, beginnen Sie mit dem Grundlagenartikel.
[Das Lymphsystem – Aufbau, Aufgaben und Funktionsweise](Das Lymphsystem kennenlernen)
Ein Lymphödem ist eine Schwellung, die durch eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Gewebe entsteht. Häufig sind Arme oder Beine betroffen; grundsätzlich kann ein Lymphödem jedoch auch an anderen Körperregionen auftreten.
Medizinisch wird zwischen primären und sekundären Lymphödemen unterschieden. Ein primäres Lymphödem beruht auf einer angeborenen oder genetisch bedingten Fehlentwicklung des Lymphsystems. Ein sekundäres Lymphödem entsteht durch eine Schädigung oder Beeinträchtigung zuvor angelegter Lymphbahnen, beispielsweise im Zusammenhang mit einer Erkrankung, Verletzung, Operation oder Bestrahlung.
Mögliche Beschwerden sind eine anhaltende oder zunehmende Schwellung, ein Spannungs- oder Schweregefühl, Schmerzen, Hautveränderungen und Einschränkungen der Beweglichkeit. Welche Ursache tatsächlich vorliegt, lässt sich nicht allein anhand einzelner Symptome feststellen.
[Was ist ein Lymphödem? Ursachen, Anzeichen und Behandlung](Mehr über Lymphödeme erfahren)
Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung des Unterhautfettgewebes, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Typisch ist eine symmetrische, disproportionale Fettgewebsvermehrung an den Beinen und teilweise an den Armen. Hinzukommen können Druck- und Berührungsschmerzen, ein Schweregefühl und eine Neigung zu Blutergüssen.
Das Körpergewicht oder das äußere Erscheinungsbild allein erlauben keine Diagnose. Auch eine Gewichtsabnahme beseitigt die krankheitstypische Fettverteilung nicht, kann aber bei zusätzlichem Übergewicht die allgemeine Gesundheit und die Beschwerden positiv beeinflussen. Für die Diagnose müssen die Krankengeschichte, die Beschwerden und der klinische Befund gemeinsam betrachtet werden.
[Was ist ein Lipödem? Symptome und Diagnose](Mehr über das Lipödem erfahren)
Lipödem und Lymphödem sind unterschiedliche Erkrankungen. Beim Lymphödem steht eine Störung des Lymphabflusses mit einer Flüssigkeitsansammlung im Gewebe im Mittelpunkt. Das Lipödem betrifft vor allem das Unterhautfettgewebe und ist typischerweise mit Schmerzen verbunden.
Bestimmte Merkmale können bei der medizinischen Einordnung helfen. Sie sind jedoch kein sicherer Selbsttest. Zudem können Mischformen und weitere Ursachen von Schwellungen vorliegen. Eine Untersuchung durch entsprechend qualifizierte Ärztinnen oder Ärzte ist deshalb wichtig.
[Lipödem oder Lymphödem – Unterschiede erkennen](Unterschiede verständlich erklärt)
Schwellungen, Schmerzen oder Veränderungen der Körperproportionen können viele Ursachen haben. Der erste Schritt ist daher eine medizinische Untersuchung. Je nach Beschwerdebild können hausärztliche, gefäßmedizinische, dermatologische oder lymphologische Fachstellen einbezogen werden.
Hilfreich für den Termin ist es, Beginn und Verlauf der Beschwerden festzuhalten: Wann treten Schwellungen oder Schmerzen auf? Sind beide Seiten betroffen? Verändern sich die Beschwerden im Tagesverlauf? Gab es zuvor Operationen, Verletzungen, Infektionen oder andere Erkrankungen? Fotos und frühere Befunde können die Anamnese ergänzen.
Die Behandlung richtet sich nach der gesicherten Diagnose, der Ausprägung der Beschwerden und der persönlichen Situation. Beim Lymphödem ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) eine zentrale konservative Behandlung. Sie kann unter anderem Kompression, Bewegung, Hautpflege, Schulung und – abhängig vom individuellen Befund – manuelle Lymphdrainage umfassen.
Beim Lipödem orientiert sich die Behandlung insbesondere an den Beschwerden und den individuellen Zielen. Zu den möglichen Bestandteilen gehören Bewegung, Kompression, Unterstützung beim Selbstmanagement, die Behandlung von Begleiterkrankungen und in ausgewählten Fällen operative Verfahren. Welche Maßnahmen geeignet sind, sollte gemeinsam mit qualifizierten Behandelnden entschieden werden.
Eine chronische Erkrankung betrifft nicht nur den Körper. Unsicherheit, ein langer Weg bis zur Diagnose oder die Anforderungen der Behandlung können den Alltag und das seelische Wohlbefinden belasten. Fundierte Informationen, ein erfahrenes Behandlungsteam und der Austausch mit anderen Betroffenen können Orientierung geben.
Im LymphNetzwerk finden Sie weiterführende Informationen, persönliche Erfahrungen, Adressen aus dem Versorgungsbereich und ein Forum für den Austausch rund um Lymphödem, Lipödem und verwandte Themen.
**Empfohlene weiterführende Links:**
Häufige Fragen
Sind Lipödem und Lymphödem dasselbe?
Nein. Es handelt sich um unterschiedliche Erkrankungen. Beim Lymphödem ist der Abtransport von Lymphflüssigkeit beeinträchtigt. Beim Lipödem liegt eine schmerzhafte, disproportionale Veränderung des Unterhautfettgewebes vor. Beide Erkrankungen können im Einzelfall gleichzeitig bestehen.
Kann ich anhand von Bildern selbst erkennen, welche Erkrankung ich habe?
Nein. Bilder und Symptomlisten können lediglich eine erste Orientierung bieten. Für eine Diagnose sind die Krankengeschichte und eine fachkundige körperliche Untersuchung erforderlich; bei Bedarf kommen weitere Untersuchungen hinzu.
Welche Körperregionen kann ein Lymphödem betreffen?
Häufig sind Arme oder Beine betroffen. Ein Lymphödem kann jedoch grundsätzlich auch in anderen Körperregionen auftreten.
Ist ein Lymphödem behandelbar?
Ein Lymphödem ist eine chronische Erkrankung. Mit einer individuell abgestimmten Behandlung lassen sich Schwellungen und Beschwerden häufig verringern und Komplikationen vorbeugen. Ein wichtiger konservativer Ansatz ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie.
An wen kann ich mich bei einem Verdacht wenden?
Eine hausärztliche Praxis kann eine erste Einschätzung vornehmen und bei Bedarf an eine geeignete Fachrichtung überweisen. Je nach Situation kommen insbesondere lymphologisch erfahrene Fachleute aus Gefäßmedizin, Dermatologie oder weiteren medizinischen Bereichen infrage.
Wer die Funktion des Lymphsystems versteht, kann Beschwerden und medizinische Erklärungen leichter einordnen. Nutzen Sie die weiterführenden Artikel, um sich über Lymphödem, Lipödem, Unterschiede, Diagnose und Behandlung zu informieren. Bei eigenen Beschwerden ist eine fachkundige Untersuchung der entscheidende nächste Schritt.
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