Aquafitness und Wassergymnastik verbinden Bewegung mit besonderen physikalischen Eigenschaften des Wassers. Der Auftrieb reduziert die Belastung durch das eigene Körpergewicht, während der Wasserdruck von außen auf Arme, Beine und Rumpf wirkt.
Der aktuelle Konsensus der International Society of Lymphology (ISL) nennt Wassertraining ausdrücklich als mögliche Bewegungsform bei Lymphödem. Er beschreibt Erfolge von wasserbasierten Trainingsprogrammen unter anderem im Zusammenhang mit der natürlichen Kompressionswirkung des Wassers, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass nicht alle Menschen – insbesondere bei Wunden oder bestimmten Hautproblemen – dafür geeignet sind.
Auch die deutsche S2k-Leitlinie Lipödem hebt Bewegung in Kompression hervor und nennt Aquafitness ausdrücklich als besonders wirkungsvolle Möglichkeit zur Aktivierung von Muskel- und Gelenkpumpe.
Wasser kann Bewegung leichter und angenehmer machen. Entscheidend ist jedoch nicht möglichst intensives Training, sondern regelmäßige Bewegung in einer Belastung, die zu Ihrem Körper passt.
Im Wasser wirken mehrere Faktoren gleichzeitig.
Mit zunehmender Wassertiefe steigt der hydrostatische Druck. Dadurch entsteht von außen ein gleichmäßiger Druck auf den Körper.
Die ISL beschreibt diesen Effekt ausdrücklich als „natural compression of water“ und nennt ihn als einen möglichen Grund für positive Effekte wasserbasierter Bewegungsprogramme bei Lymphödem.
Das Wasser trägt einen Teil des Körpergewichts. Dadurch werden Bewegungen häufig als leichter empfunden und die Gelenke werden weniger durch das eigene Gewicht belastet.
Jede Bewegung muss gegen den Widerstand des Wassers ausgeführt werden. Dadurch kann bereits eine vergleichsweise langsame Bewegung die Muskulatur beanspruchen.
Die wissenschaftliche Datenlage zu Bewegung bei Lymphödem ist inzwischen deutlich günstiger als früher. Der ISL-Konsensus berücksichtigt unter anderem Gehen, Wassertraining, Ergometertraining, Widerstandstraining, Yoga und Tai-Chi und beschreibt insgesamt konsistente Trends zugunsten körperlicher Aktivität hinsichtlich Funktion, Fitness und Lebensqualität.
Für Aquatherapie speziell ist die Evidenz allerdings kleiner und heterogener. Eine randomisierte Studie mit 50 Frauen mit postmastektomiebedingtem Armlymphödem verglich acht Wochen Aquatherapie mit Übungen an Land. Die Wassergruppe zeigte in dieser Studie günstigere Ergebnisse bei Armvolumen, Schmerzen und Schulterbeweglichkeit. Diese Ergebnisse beziehen sich jedoch auf eine klar definierte Patientengruppe und dürfen nicht automatisch auf alle Lymphödeme übertragen werden.
Aktuelle Evidenzübersichten bewerten Wassertraining deshalb weiterhin vorsichtig: Es gibt Hinweise auf Verbesserungen beispielsweise der Beweglichkeit, die Sicherheit und der Einfluss auf das Lymphödemvolumen sind aber noch nicht für alle Patientengruppen eindeutig geklärt.
Für Lipödem gibt es deutlich weniger spezifische Studien zum Wassertraining als für brustkrebsbedingtes Lymphödem.
Die aktuelle deutsche S2k-Leitlinie empfiehlt Bewegung als Bestandteil des Behandlungskonzepts und beschreibt Bewegung in Kompression als wichtigen Ansatz. Aquafitness wird dabei ausdrücklich als besonders wirksame Möglichkeit zur Aktivierung der Muskel- und Gelenkpumpe genannt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Aquafitness das Lipödem beseitigt oder das krankheitsbedingte Fettgewebe „wegtrainiert“.
Je nach individueller Situation kann das Training dazu beitragen,
✔ regelmäßig in Bewegung zu kommen,
✔ Kraft und Ausdauer zu trainieren,
✔ Gelenke weniger stark zu belasten,
✔ Beweglichkeit und Koordination zu fördern,
✔ Muskel- und Gelenkpumpen zu aktivieren,
✔ Bewegung als angenehm und motivierend zu erleben.
Die persönlichen Effekte können sehr unterschiedlich sein.
Die Begriffe werden häufig ähnlich verwendet, trotzdem gibt es Unterschiede.
Meist ruhiger und stärker auf:
ausgerichtet.
Kann sportlicher sein und beispielsweise enthalten:
Für Einsteiger ist ein ruhiger Kurs häufig sinnvoller als eine sehr intensive Aqua-Einheit.
Eine einfache Einheit könnte beispielsweise so aussehen:
Langsames Gehen durch das Wasser.
Abwechselnd Knie anheben und wieder absetzen.
Langsames Heben und Senken der Fersen.
Arme kontrolliert durch das Wasser führen.
Mehrere Minuten in angenehmem Tempo gehen.
Tempo reduzieren und einige Minuten locker bewegen.
Das ist lediglich ein Orientierungsbeispiel, kein individueller Therapieplan.
Gerade beim ersten Training kann der Wasserwiderstand unterschätzt werden.
Beginnen Sie deshalb lieber mit:
Steigern Sie zunächst die Regelmäßigkeit und erst danach Dauer oder Intensität.
Hier ist eine differenzierte Antwort wichtig.
Der ISL-Konsensus empfiehlt, die Notwendigkeit einer medizinischen Kompressionsversorgung während körperlicher Aktivität individuell zu entscheiden. Die bisherigen Studien zeigen weder einen generellen Nutzen noch einen generellen Schaden des Kompressionstragens während des Trainings.
Zusätzlich erzeugt das Wasser selbst hydrostatischen Druck. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Ihre verordnete Kompression grundsätzlich weggelassen werden darf.
Besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam:
Prüfen Sie kurz:
Menschen mit Lymphödem sollten die Hautbarriere sorgfältig schützen.
Nach dem Schwimmbad:
✔ abduschen,
✔ Haut sanft und gründlich trocknen,
✔ besonders Hautfalten und Zehenzwischenräume beachten,
✔ geeignete Hautpflege verwenden,
✔ Haut auf kleine Verletzungen kontrollieren.
Der ISL-Konsensus weist ausdrücklich darauf hin, dass Menschen mit bestimmten Wunden oder Hautproblemen nicht immer geeignete Kandidaten für Aquatherapie sind.
Eine Pause oder vorherige medizinische Rücksprache ist insbesondere sinnvoll bei:
Ob Wassertraining bei anderen Begleiterkrankungen geeignet ist, sollte individuell beurteilt werden.
Nach einer Operation sollten Sie nicht eigenständig wieder mit Aquafitness beginnen.
Die Operationswunde muss ausreichend verheilt sein und Ihr Behandlungsteam sollte den Aufenthalt im Schwimmbad freigeben.
Das gilt insbesondere nach:
Viele Betroffene empfinden angenehm temperiertes Wasser als wohltuend. Sehr warmes Wasser kann dagegen subjektiv unangenehm sein.
Orientieren Sie sich an:
Wenn Sie nach einem Aufenthalt in sehr warmem Wasser deutlich stärkere Beschwerden bemerken, kann eine niedrigere Wassertemperatur angenehmer sein.
Auch beim Sport im Wasser kann der Körper Flüssigkeit verlieren – obwohl man das Schwitzen weniger deutlich bemerkt.
Deshalb:
💧 vor dem Training trinken,
💧 eine Flasche am Beckenrand bereithalten,
💧 nach dem Training Flüssigkeit aufnehmen.
Bei Erkrankungen mit ärztlich festgelegter Trinkmengenbegrenzung gelten selbstverständlich die individuellen Vorgaben.
Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit.
Achten Sie auf:
Wenn Sie neu mit Aquafitness beginnen, kann es hilfreich sein, Ihre Reaktion nach den ersten Einheiten kurz zu dokumentieren.
Unterbrechen Sie das Training und lassen Sie Beschwerden gegebenenfalls abklären bei:
🚨 plötzlich zunehmender Schwellung,
🚨 starken oder neuen Schmerzen,
🚨 deutlicher Rötung oder Überwärmung,
🚨 Hautverletzungen,
🚨 Schwindel oder Kreislaufproblemen,
🚨 Fieber oder starkem Krankheitsgefühl.
Wasserbasierte Bewegungsprogramme werden im aktuellen ISL-Konsensus ausdrücklich als mögliche Trainingsform genannt. Es gibt Hinweise auf positive Effekte, die spezifische Evidenz für Aquatherapie ist jedoch noch begrenzt und betrifft häufig Menschen mit brustkrebsbedingtem Lymphödem.
Der hydrostatische Druck erzeugt eine äußere Druckwirkung, die von der ISL als natürliche Kompression des Wassers beschrieben wird. Ob und wie stark sich dadurch ein bestehendes Lymphödem langfristig verändert, ist wissenschaftlich jedoch nicht für alle Formen eindeutig geklärt.
Die deutsche S2k-Leitlinie nennt Bewegung in Kompression als wichtigen Ansatz und führt Aquafitness ausdrücklich als besonders wirkungsvoll zur Aktivierung von Muskel- und Gelenkpumpe auf. Die direkte wissenschaftliche Datenlage speziell zu Aquafitness bei Lipödem bleibt dennoch begrenzt.
Nicht pauschal. Beim Lymphödem empfiehlt die ISL eine individuelle Entscheidung über Kompression während sportlicher Aktivität. Besprechen Sie dies mit Ihrem Behandlungsteam.
Nicht grundsätzlich. Beide Bewegungsformen können unterschiedliche Vorteile bieten. Beim Aquafitness lassen sich Übungen gezielter variieren und in einem Kurs anpassen, während Schwimmen kontinuierlichere Bewegungsabläufe ermöglicht.
Bei offenen Wunden oder relevanten Hautproblemen ist Aquatherapie nicht für jeden geeignet. Lassen Sie die Situation vorab medizinisch beurteilen und beachten Sie zusätzlich die Hygieneregeln des Schwimmbads.
Viele Betroffene beschreiben Bewegung im Wasser als besonders angenehm, weil sie sich dort leichter und beweglicher fühlen. Aquafitness bietet zusätzlich den Vorteil, dass die Übungen häufig in einer Gruppe und unter Anleitung stattfinden.
Erfahrungsberichte können wertvolle Anregungen liefern, ersetzen jedoch nicht die individuelle therapeutische oder medizinische Einschätzung.
➡ Schwimmen mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Pilates mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Krafttraining mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Radfahren mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Sommer und Hitze bei Lymphödem oder Lipödem
➡ Hautpflege bei Lymphödem
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