Arztbriefe wirken manchmal wie eine eigene Sprache.
Dort steht beispielsweise:
„Klinisch imponiert ein symmetrisches disproportionales Fettverteilungsmuster bei negativem Stemmer-Zeichen.“
Oder:
„Sekundäres Lymphödem Stadium II mit beginnender Fibrosierung und eingeschränkter Dellbarkeit.“
Wer diese Fachbegriffe nicht täglich verwendet, muss solche Sätze nicht automatisch verstehen.
Ein Arztbrief ist in erster Linie ein medizinisches Kommunikationsmittel zwischen Behandelnden. Trotzdem betrifft der Inhalt Ihre Gesundheit – und Sie dürfen wissen, was dort steht.
Ein medizinischer Fachbegriff ist keine Prüfung. Wenn Sie etwas in Ihrem Befund nicht verstehen, ist Nachfragen ein sinnvoller Teil Ihrer Behandlung.
Ein Arztbrief beziehungsweise Befundbericht fasst wichtige Informationen zu einer Behandlung oder Untersuchung zusammen.
Dazu können gehören:
Ärztinnen und Ärzte müssen wesentliche medizinische Maßnahmen und Ergebnisse in der Patientenakte dokumentieren. Patientinnen und Patienten dürfen diese Unterlagen grundsätzlich einsehen und Kopien verlangen. Gesundheitsportal
Diese beiden Begriffe werden im Alltag oft verwechselt.
Ein Befund beschreibt etwas, das festgestellt wurde.
Zum Beispiel:
„Der linke Unterschenkel weist einen größeren Umfang auf als der rechte.“
Das ist zunächst eine Beobachtung.
Eine Diagnose ist die medizinische Einordnung der gesamten Befunde.
Zum Beispiel:
„Sekundäres Lymphödem des linken Beines.“
Für die Diagnose eines Lymphödems werden unter anderem Krankengeschichte, körperliche Untersuchung und – je nach Situation – weitere Untersuchungen zusammengeführt. Journals der Bibliotheksverlag
Anamnese bedeutet Krankengeschichte.
Die Ärztin oder der Arzt fragt beispielsweise:
Gerade beim Lymphödem und Lipödem ist diese Vorgeschichte wichtig, weil verschiedene Erkrankungen sehr ähnliche äußerliche Veränderungen verursachen können. Lymphnetzwerk
Wenn im Arztbericht steht:
„klinisch zeigt sich …“
bedeutet das meistens:
Die Ärztin oder der Arzt hat den Befund anhand des Gesprächs und der körperlichen Untersuchung festgestellt.
Das unterscheidet sich beispielsweise von:
Ein Ödem bezeichnet eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung im Gewebe.
Ein Ödem ist zunächst eine Beschreibung, nicht automatisch eine bestimmte Erkrankung.
Schwellungen können unterschiedliche Ursachen haben, unter anderem:
Deshalb bedeutet der Satz:
„Es besteht ein Ödem.“
noch nicht automatisch:
„Es besteht ein Lymphödem.“ Lymphnetzwerk
Ein Lymphödem entsteht, wenn der Transport über das Lymphsystem gestört beziehungsweise überlastet ist und sich Flüssigkeit sowie weitere Bestandteile im Gewebe ansammeln.
Typische Merkmale können sein:
Die Diagnose beruht vor allem auf Anamnese und klinischer Untersuchung; je nach Fragestellung können ergänzende Untersuchungen eingesetzt werden. PubMed
Diese Begriffe beschreiben die Ursache.
Die Anlage oder Funktion des Lymphsystems ist von Geburt an beziehungsweise aufgrund einer Entwicklungsstörung verändert.
Die Beschwerden können trotzdem erst später auftreten.
Das Lymphsystem wurde im Laufe des Lebens geschädigt.
Mögliche Ursachen sind beispielsweise:
Diese Unterscheidung ist für Diagnostik und Behandlung relevant. Lymphnetzwerk
Die International Society of Lymphology verwendet eine Stadieneinteilung, die beschreibt, wie ausgeprägt die Gewebeveränderungen sind. Journals der Bibliotheksverlag
Das Lymphsystem ist bereits beeinträchtigt, äußerlich besteht aber noch keine sichtbare Schwellung.
Die Schwellung ist meist noch weich und kann sich durch Hochlagern teilweise zurückbilden.
Die Schwellung bildet sich nicht mehr vollständig zurück. Das Gewebe kann zunehmend fester werden.
Es bestehen ausgeprägte Schwellungen sowie deutliche Haut- und Gewebeveränderungen.
Wichtig:
Ein Stadium beschreibt die Gewebesituation. Es sagt nicht automatisch aus, wie stark ein Mensch Schmerzen hat oder wie groß seine persönliche Alltagsbelastung ist. Journals der Bibliotheksverlag
Bei der Untersuchung kann die Ärztin oder der Arzt mit einem Finger mehrere Sekunden auf die geschwollene Region drücken.
Bleibt anschließend eine Delle zurück, wird dies als:
Pitting
oder
dellbares Ödem
bezeichnet.
Bei einem frühen Lymphödem kann eine solche Dellbarkeit vorhanden sein. Bei länger bestehenden Gewebeveränderungen und zunehmender Fibrose kann sie geringer werden. Journals der Bibliotheksverlag
Wenn nach Druck keine sichtbare Delle zurückbleibt, wird der Befund als nicht dellbar beschrieben.
Das bedeutet aber nicht automatisch:
„Es liegt kein Ödem vor.“
Bei länger bestehendem Lymphödem kann das Gewebe durch Umbauvorgänge fester werden. Auch die gesamte Untersuchungssituation muss berücksichtigt werden. Journals der Bibliotheksverlag
Beim Stemmer-Zeichen versucht die untersuchende Person, eine Hautfalte – meist an einer Zehe oder einem Finger – anzuheben.
Die Haut lässt sich kaum oder nicht anheben.
Das kann deutlich für ein Lymphödem sprechen.
Die Haut lässt sich anheben.
Wichtig:
Ein negatives Stemmer-Zeichen schließt ein Lymphödem nicht sicher aus, insbesondere nicht in frühen Stadien. Lymphnetzwerk
Beim klassischen Lipödem bleiben Hände und Füße typischerweise ausgespart.
Deshalb ist das Stemmer-Zeichen häufig negativ.
Das negative Stemmer-Zeichen beweist jedoch kein Lipödem.
Die Diagnose stützt sich auf das gesamte Beschwerdebild, insbesondere auf:
Die aktuelle S2k-Leitlinie richtet die Lipödemdiagnostik stärker an Beschwerden und klinischer Untersuchung aus. AWMF Leitlinienregister
Fibrose bezeichnet eine zunehmende Vermehrung beziehungsweise Verhärtung von Bindegewebe.
Bei länger bestehendem Lymphödem kann sich das Gewebe dadurch:
anfühlen.
Die internationale Lymphödem-Klassifikation berücksichtigt solche Gewebeveränderungen insbesondere in fortgeschritteneren Stadien. Journals der Bibliotheksverlag
Wenn ein Bericht Begriffe wie:
„fibrotisch“
oder
„fibrosiert“
verwendet, beschreibt er zunächst die Gewebestruktur.
Wie gut Beschwerden und Schwellung behandelbar sind, lässt sich nicht allein aus diesem einzelnen Wort ableiten.
Entscheidend sind:
Symmetrisch bedeutet:
Beide Körperseiten sind in vergleichbarer Weise betroffen.
Beim Lipödem ist eine symmetrische beziehungsweise beidseitige disproportionale Fettverteilung typisch. AWMF Leitlinienregister
Asymmetrisch bedeutet:
Eine Körperseite unterscheidet sich deutlich von der anderen.
Ein Lymphödem kann beispielsweise nur:
betreffen.
Aber:
Asymmetrie allein beweist kein Lymphödem.
Andere Ursachen müssen je nach Situation ebenfalls berücksichtigt werden. Lymphnetzwerk
Dieser Begriff taucht häufig in Lipödem-Befunden auf.
Disproportional bedeutet:
Bestimmte Körperregionen sind im Verhältnis zum übrigen Körper deutlich stärker ausgeprägt.
Beispielsweise:
schmalerer Oberkörper
bei
deutlich kräftigeren Beinen.
Die aktuelle Lipödem-Leitlinie beschreibt die disproportionale, symmetrische Fettgewebsvermehrung als charakteristisches Merkmal – entscheidend für die Krankheitsdiagnose sind jedoch zusätzlich die Beschwerden, insbesondere Schmerzen. AWMF Leitlinienregister
Dolenz bedeutet Schmerzhaftigkeit.
Druckdolenz bedeutet:
Eine Körperregion reagiert bei Druck schmerzhaft.
Beim Lipödem kann Druck- beziehungsweise Berührungsschmerz ein wichtiger Teil des klinischen Beschwerdebildes sein. AWMF Leitlinienregister
Spontanschmerz bedeutet:
Schmerzen treten auf, obwohl die betroffene Region gerade nicht gedrückt oder belastet wird.
Auch solche Beschwerden können beim Lipödem vorkommen. AWMF Leitlinienregister
Hämatom bedeutet Bluterguss.
Eine erhöhte Hämatomneigung heißt:
Blaue Flecken entstehen vergleichsweise leicht.
Dies wird häufig bei Lipödem beschrieben, ist aber ebenfalls kein alleiniger Beweis für die Diagnose. Lymphnetzwerk
Einer der wichtigsten Begriffe überhaupt.
Differenzialdiagnosen sind andere Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden verursachen können und deshalb berücksichtigt werden müssen.
Bei Beinschwellungen können beispielsweise infrage kommen:
Eine sorgfältige Diagnostik versucht deshalb nicht nur zu beantworten:
„Was könnte es sein?“
sondern auch:
„Welche anderen Ursachen müssen ausgeschlossen werden?“ Lymphnetzwerk
Der Begriff wird manchmal ungenau verwendet.
Er bedeutet grundsätzlich:
Eine Diagnose wird erst gestellt, nachdem andere naheliegende Ursachen ausgeschlossen wurden.
Beim Lipödem gibt es keinen einzelnen Laborwert oder einzelnen bildgebenden Test, der die Erkrankung zweifelsfrei bestätigt. Die Diagnose basiert auf Anamnese, Beschwerden, klinischer Untersuchung und der Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen. AWMF Leitlinienregister
Sonografie bedeutet Ultraschall.
Eine Duplexsonografie wird insbesondere genutzt, um Blutgefäße und Blutfluss zu untersuchen.
Bei einer unklaren Beinschwellung kann sie beispielsweise helfen, venöse Ursachen zu beurteilen.
Sie „beweist“ jedoch nicht automatisch ein Lipödem. Lymphnetzwerk
Die Lymphszintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, mit der der Transport über das Lymphsystem sichtbar gemacht werden kann.
Sie kann bei bestimmten unklaren Fragestellungen eingesetzt werden.
Sie ist jedoch nicht bei jedem Menschen mit einem typischen Lymphödem notwendig. Der internationale Konsensus nennt bildgebende Verfahren vor allem als Ergänzung, wenn die Diagnose unklar ist oder zusätzliche Informationen benötigt werden. Journals der Bibliotheksverlag
ICG steht für Indocyaningrün.
Bei der ICG-Lymphografie wird ein fluoreszierender Farbstoff verwendet, um oberflächliche Lymphgefäße beziehungsweise Lymphabflussmuster sichtbar zu machen.
Das Verfahren wird unter anderem in spezialisierten Zentren eingesetzt und kann beispielsweise bei speziellen diagnostischen oder lymphchirurgischen Fragestellungen relevant sein. Lymphnetzwerk
MRT und CT sind bildgebende Untersuchungen.
Sie können beispielsweise eingesetzt werden, wenn:
Nicht jede Person mit Lymphödem oder Lipödem benötigt automatisch ein MRT oder CT. Lymphnetzwerk
Dabei wird der Umfang eines Armes oder Beines an definierten Stellen gemessen.
Beispielsweise:
Wiederholte Messungen können helfen, Veränderungen im Verlauf zu dokumentieren. Entscheidend ist, möglichst vergleichbare Messpunkte und Bedingungen zu verwenden. Lymphnetzwerk
Ein einzelner Umfangswert beschreibt nur eine bestimmte Stelle.
Das Volumen beschreibt dagegen die gesamte Größe eines Abschnittes beziehungsweise einer Extremität.
Aus mehreren Umfangsmessungen können Volumenwerte näherungsweise berechnet werden.
In spezialisierten Einrichtungen können auch andere Verfahren zur Volumenmessung eingesetzt werden. Journals der Bibliotheksverlag
Ein Befund wie:
„Umfangsdifferenz 2 cm“
muss immer im Zusammenhang betrachtet werden.
Wichtig sind beispielsweise:
Eine einzelne Zahl allein stellt deshalb nicht automatisch eine Diagnose dar.
Progredient bedeutet:
fortschreitend beziehungsweise zunehmend.
Beispiel:
„Progrediente Schwellung seit sechs Monaten.“
Das bedeutet:
Die Schwellung hat im genannten Zeitraum zugenommen.
Regredient bedeutet:
rückläufig.
Beispiel:
„Unter Kompression regrediente Schwellung.“
Das bedeutet:
Die Schwellung ist unter der Behandlung zurückgegangen.
Rezidivierend bedeutet:
wiederkehrend.
Zum Beispiel:
„rezidivierende Erysipele“
heißt:
wiederholt auftretende Wundrosen.
Wiederkehrende Hautinfektionen sind beim Lymphödem eine relevante mögliche Komplikation. Lymphnetzwerk
Ein Erysipel – umgangssprachlich häufig Wundrose – ist eine bakterielle Hautinfektion.
Bei Menschen mit Lymphödem kann das Risiko für wiederkehrende Infektionen erhöht sein. Stark gerötete und überwärmte Haut zusammen mit Schmerzen, Fieber oder deutlichem Krankheitsgefühl sollte medizinisch beurteilt werden. Lymphnetzwerk
KPE steht für:
Sie ist die zentrale konservative Behandlung des Lymphödems.
Dazu gehören je nach individueller Situation:
Der internationale Konsensus beschreibt diese kombinierte Behandlung als zentralen Bestandteil der konservativen Lymphödemtherapie. Journals der Bibliotheksverlag
MLD steht für:
Manuelle Lymphdrainage
Dabei handelt es sich um eine spezielle physiotherapeutische Behandlungstechnik.
Sie ist nicht identisch mit:
Ob MLD sinnvoll und notwendig ist, hängt vom individuellen Befund und Therapieziel ab. Journals der Bibliotheksverlag
Kompressionsversorgungen können unterschiedliche Druckklassen beziehungsweise Produkteigenschaften haben.
Aus einer einzelnen Zahl lässt sich jedoch nicht beurteilen, welche Versorgung für eine bestimmte Person geeignet ist.
Relevant sind unter anderem:
Deshalb sollte die Versorgung fachlich angepasst werden.
Flachgestrickte Kompressionsversorgungen werden aus einem flach produzierten Gestrick anschließend zusammengenäht.
Sie werden häufig bei komplexeren Extremitätenformen beziehungsweise lymphologischen Versorgungen eingesetzt.
Der Begriff im Arztbericht bedeutet zunächst nur, welche Art von Kompressionsprodukt empfohlen wurde.
Rundgestrickte Versorgung wird nahtlos rund gestrickt.
Welche Strickart sinnvoll ist, hängt von Diagnose, Körperform und therapeutischen Anforderungen ab.
Es sollte deshalb nicht pauschal gelten:
„Lymphödem = immer Produkt X“
oder
„Lipödem = immer Produkt Y“.
Eine konservative Therapie ist eine Behandlung ohne Operation.
Dazu können beispielsweise gehören:
Operativ bedeutet:
Eine Behandlung erfolgt durch einen chirurgischen Eingriff.
Bei Lipödem kann beispielsweise in geeigneten Fällen eine Liposuktion diskutiert werden.
Beim Lymphödem existieren in spezialisierten Zentren unterschiedliche lymphchirurgische Verfahren.
Die Indikation muss individuell gestellt werden; ein Arztbrief mit dem Wort „Operationsoption“ bedeutet noch nicht automatisch, dass eine Operation notwendig ist. AWMF Leitlinienregister
Indikation bedeutet:
medizinischer Grund beziehungsweise medizinische Begründung für eine Untersuchung oder Behandlung.
Beispiel:
„Indikation zur Kompressionstherapie gegeben.“
Das bedeutet:
Aus medizinischer Sicht gibt es einen Grund für diese Behandlung.
Eine Kontraindikation ist ein Umstand, der gegen eine bestimmte Behandlung spricht oder besondere Vorsicht erforderlich macht.
Dabei kann unterschieden werden zwischen:
Ob eine Maßnahme trotz bestimmter Begleiterkrankungen möglich ist, muss individuell medizinisch bewertet werden.
Dieser Begriff wird zunehmend anstelle von „Compliance“ verwendet.
Er beschreibt, wie gut eine gemeinsam vereinbarte Behandlung im Alltag umgesetzt werden kann.
Dazu können gehören:
Eine schwierige Therapieadhärenz bedeutet nicht automatisch mangelnden Willen.
Manchmal passt eine Versorgung schlicht schlecht zum Alltag und sollte gemeinsam angepasst werden.
Ein Wort, das im Befund häufig sehr beruhigend ist.
„Unauffällig“ bedeutet:
Bei dieser Untersuchung wurde keine relevante krankhafte Veränderung festgestellt.
Beispiel:
„Venöser Duplex unauffällig.“
Das bedeutet:
In der untersuchten Fragestellung zeigte der Gefäßultraschall keinen auffälligen Befund.
Es bedeutet nicht zwingend, dass alle denkbaren Erkrankungen ausgeschlossen sind.
Die Abkürzung:
o. B.
bedeutet häufig:
ohne Befund
beziehungsweise
ohne pathologischen Befund.
Also:
In diesem untersuchten Bereich wurde nichts Auffälliges gefunden.
V. a. bedeutet:
Verdacht auf
Zum Beispiel:
„V. a. sekundäres Lymphödem.“
Das ist noch keine endgültig gesicherte Diagnose.
Z. n. bedeutet:
Zustand nach
Beispiel:
„Z. n. Lymphknotenentfernung 2023.“
Das bedeutet:
Die entsprechende Behandlung beziehungsweise Erkrankung liegt in der Vergangenheit.
DD steht häufig für:
Differenzialdiagnose
Beispiel:
„DD chronisch-venöse Insuffizienz.“
Das bedeutet:
Diese Erkrankung wird als alternative oder zusätzliche Erklärung in Betracht gezogen.
bds.
bedeutet:
beidseits
Beispiel:
„Unterschenkelödem bds.“
= beide Unterschenkel sind betroffen.
Sehr häufig:
li. = links
re. = rechts
Beispiel:
„Umfang li. > re.“
bedeutet:
Der Umfang links ist größer als rechts.
Im Arztbrief steht:
„Sekundäres Lymphödem li. UE Stadium II, Stemmer positiv, Gewebe zunehmend fibrotisch.“
In Alltagssprache:
Es besteht ein erworbenes Lymphödem an der linken unteren Extremität. Die Schwellung bildet sich nicht vollständig zurück, das Gewebe ist bereits fester geworden und das Stemmer-Zeichen spricht ebenfalls für ein Lymphödem.
Die Stadieneinteilung und das Stemmer-Zeichen entsprechen den international verwendeten klinischen Kriterien. Journals der Bibliotheksverlag
Im Arztbrief steht:
„Symmetrische disproportionale Fettvermehrung beider unterer Extremitäten bei deutlicher Druckdolenz und negativem Stemmer-Zeichen.“
In Alltagssprache:
Beide Beine zeigen eine im Verhältnis zum Rumpf überproportionale Fettgewebsvermehrung. Das Gewebe ist druckschmerzhaft. Das Stemmer-Zeichen spricht nicht für ein ausgeprägtes Lymphödem. Der gesamte Befund kann zu einem Lipödem passen, muss aber im Zusammenhang mit Krankengeschichte und weiteren Befunden beurteilt werden. AWMF Leitlinienregister
Im Bericht steht:
„Unklare Beinschwellung, DD lymphatisch versus venös.“
Das bedeutet:
Die Ursache der Schwellung ist noch nicht abschließend geklärt. Sowohl eine lymphatische als auch eine venöse Ursache wird geprüft.
Das ist kein schlechter Arztbericht.
Im Gegenteil:
Manchmal ist es medizinisch korrekt, zunächst noch keine endgültige Diagnose zu stellen.
Menschen können gleichzeitig mehrere Erkrankungen haben.
Beispielsweise:
oder:
oder:
Lymphödem + venöse Erkrankung
Die Kombination von Lipödem und Lymphödem ist möglich und muss differenziert beurteilt werden. Eine stärkere Lipödemausprägung bedeutet nicht automatisch, dass zwangsläufig auch ein Lymphödem vorhanden ist. Lymphnetzwerk
Auf Arztbriefen und Abrechnungsunterlagen können Diagnosen zusätzlich als ICD-Code angegeben sein.
ICD ist ein internationales Klassifikationssystem für Krankheiten und Gesundheitsprobleme.
Der Code dient unter anderem der standardisierten Dokumentation.
Er ersetzt jedoch nicht die ausführliche medizinische Beschreibung Ihrer individuellen Situation.
Für das Verständnis Ihres individuellen Befundes ist meist der gesamte Text wichtiger.
Zwei Menschen können denselben Diagnosecode haben und trotzdem sehr unterschiedliche:
aufweisen.
Ja.
Patientinnen und Patienten haben grundsätzlich ein Recht auf Einsicht in ihre Behandlungsunterlagen und können Kopien verlangen. Gesundheitsportal
Das bedeutet nicht, dass Sie jeden Fachbegriff selbst interpretieren müssen.
Der sinnvollste Weg ist häufig:
lesen → Fragen markieren → beim nächsten Gespräch klären.
Auch über die elektronische Patientenakte können medizinische Dokumente wie:
digital verfügbar sein. Seit Einführung der ePA für alle wurden diese Möglichkeiten in Deutschland weiter ausgebaut. Gesundheitsportal
Wenn Sie einen Bericht bekommen:
Verstanden.
Unklar.
Macht mir Sorgen.
Nehmen Sie die markierten Punkte zum nächsten Arztgespräch mit.
Ein einzelner medizinischer Begriff aus dem Internet kann leicht missverstanden werden, wenn der Zusammenhang des individuellen Befundes fehlt.
Damit lässt sich ein komplexer Bericht oft auf die wirklich relevanten Informationen reduzieren.
Auch medizinische Dokumentationen können versehentlich:
enthalten.
Wenn Ihnen etwas eindeutig falsch erscheint:
sprechen Sie die Praxis darauf an.
Insbesondere relevante medizinische Angaben sollten korrekt dokumentiert sein.
Ein Bericht kann beispielsweise schreiben:
„chronisch“
oder
„fibrotisch“
oder
„Stadium II“.
Solche Begriffe beschreiben medizinische Eigenschaften.
Sie sagen nicht automatisch voraus:
Ein Befund beschreibt eine medizinische Beobachtung beziehungsweise ein Untersuchungsergebnis. Die Diagnose ist die ärztliche Einordnung dieser Informationen zu einem Krankheitsbild.
Ein positives Stemmer-Zeichen ist ein starker klinischer Hinweis auf ein Lymphödem. Die Diagnose wird trotzdem aus dem gesamten klinischen Bild gestellt. Ein negatives Stemmer-Zeichen schließt ein frühes Lymphödem nicht sicher aus. Lymphnetzwerk
Nein. Es ist bei Lipödem häufig negativ, beweist die Erkrankung aber nicht. Die Lipödemdiagnose berücksichtigt insbesondere Schmerz, disproportionale symmetrische Fettverteilung, Anamnese und Differenzialdiagnosen. AWMF Leitlinienregister
Damit wird eine zunehmende Verhärtung beziehungsweise Veränderung des Bindegewebes beschrieben. Solche Veränderungen können im Verlauf eines länger bestehenden Lymphödems auftreten. Journals der Bibliotheksverlag
Nein. Die Diagnose ist häufig klinisch möglich. Bildgebende Verfahren können bei unklaren oder speziellen Fragestellungen ergänzend eingesetzt werden. Journals der Bibliotheksverlag
Nein. Nach der aktuellen S2k-Leitlinie wird die Diagnose klinisch gestellt; ein einzelner Laborwert bestätigt ein Lipödem nicht. AWMF Leitlinienregister
Ja. Patientinnen und Patienten haben grundsätzlich Anspruch auf Einsicht in ihre Behandlungsunterlagen und können Kopien verlangen. Gesundheitsportal
Sie können und dürfen Ihre Unterlagen lesen. Bei medizinisch relevanten oder unklaren Aussagen ist es jedoch sinnvoll, die Bedeutung im persönlichen Kontext mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu klären.
Viele medizinische Berichte wirken beim ersten Lesen komplizierter, als sie tatsächlich sind.
Oft wiederholen sich dieselben Begriffe:
Anamnese. Befund. Stemmer. Fibrose. Pitting. Differenzialdiagnose. Therapieempfehlung.
Wer diese Grundbegriffe einmal verstanden hat, kann neue Arztberichte wesentlich leichter einordnen.
Dabei muss niemand zum eigenen Arzt werden.
Das Ziel lautet vielmehr:
Den eigenen Befund verstehen, bessere Fragen stellen und gemeinsam informierte Entscheidungen treffen.
➡ Arzttermine mit Lymphödem oder Lipödem – Gut vorbereitet ins Gespräch
➡ Lymphödem oder Lipödem – Unterschiede erkennen
➡ Lipödem und Lymphödem gleichzeitig
➡ Was ist ein Lymphödem?
➡ Was ist ein Lipödem?
➡ Kompressionstherapie verständlich erklärt
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