Lymphödem und Lipödem können äußerlich ähnlich wirken, sind jedoch unterschiedliche Erkrankungen.
Bei einem Lymphödem ist der Abtransport von Lymphflüssigkeit beeinträchtigt. Dadurch sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe und verursacht eine Schwellung.
Das Lipödem ist eine chronische, meist symmetrische und schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die überwiegend Frauen betrifft. Typisch sind Schmerzen, Druckempfindlichkeit und eine erhöhte Neigung zu blauen Flecken. Die aktuelle deutsche Leitlinie betont, dass eine reine Fettvermehrung ohne Beschwerden nicht ausreicht, um ein Lipödem zu diagnostizieren.
Eine sichere Unterscheidung ist nicht allein anhand von Fotos oder einzelnen Symptomen möglich. Dafür ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich.
| Merkmal | Lymphödem | Lipödem |
|---|---|---|
| Grundproblem | Gestörter Abtransport von Lymphflüssigkeit | Schmerzhafte, disproportionale Fettverteilung |
| Verteilung | Einseitig oder beidseitig möglich | Meist beidseitig und symmetrisch |
| Betroffene Regionen | Häufig Arme oder Beine, grundsätzlich auch andere Regionen | Vor allem Beine, Hüften, Gesäß und teilweise Arme |
| Hände und Füße | Können betroffen sein | In der Regel ausgespart |
| Schmerzen | Häufig Spannungs- oder Schweregefühl, nicht immer schmerzhaft | Typischerweise Druck-, Berührungs- oder Spontanschmerzen |
| Blaue Flecken | Nicht charakteristisch | Häufig erhöhte Neigung |
| Schwellung | Durch Flüssigkeitsansammlung | Schwellungsgefühl möglich, aber ein nachweisbares Ödem ist kein notwendiges Diagnosemerkmal |
| Hochlagern | Kann im frühen Stadium helfen | Verändert das Fettgewebe nicht wesentlich |
| Geschlecht | Betrifft Frauen und Männer | Betrifft fast ausschließlich Frauen |
| Ursache | Angeborene Veränderungen oder erworbene Schädigung des Lymphsystems | Ursachen nicht vollständig geklärt; hormonelle und genetische Faktoren werden diskutiert |
| Behandlung | Komplexe Physikalische Entstauungstherapie und individuelle Zusatzmaßnahmen | Beschwerdeorientierte Behandlung, insbesondere Bewegung, Kompression und gegebenenfalls weitere Maßnahmen |
Ein Lymphödem entsteht, wenn das Lymphsystem die anfallende Gewebsflüssigkeit nicht mehr ausreichend abtransportieren kann. Flüssigkeit und Eiweiße verbleiben im Gewebe. Dadurch entwickelt sich eine meist fortschreitende Schwellung.
Man unterscheidet:
Das Lymphsystem ist anlagebedingt verändert. Beschwerden können bereits im Kindesalter, aber auch erst später auftreten.
Das Lymphsystem wurde im Laufe des Lebens geschädigt oder blockiert. Mögliche Ursachen sind:
Ein Lymphödem gilt als chronische Erkrankung. Die internationale Fachgesellschaft beschreibt eine stufenweise Einteilung von einer noch nicht sichtbaren Funktionsstörung bis zu ausgeprägten Gewebe- und Hautveränderungen.
Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung, bei der sich das Unterhautfettgewebe an Beinen und gegebenenfalls Armen disproportioniert und symmetrisch vermehrt. Entscheidend für die Diagnose sind körperliche Beschwerden, insbesondere Schmerzen.
Typische Merkmale sind:
Die aktuelle S2k-Leitlinie richtet Diagnostik und Behandlung stärker an den Beschwerden aus. Das äußere Erscheinungsbild allein erlaubt keine verlässliche Aussage über die Schmerzintensität oder den individuellen Therapiebedarf.
Folgende Merkmale können für ein Lymphödem sprechen:
Das sogenannte Stemmer-Zeichen kann einen Hinweis geben: Dabei wird geprüft, ob sich die Hautfalte an einer Zehe oder einem Finger anheben lässt. Ein positives Zeichen spricht für ein Lymphödem, ein negatives Zeichen schließt es jedoch nicht sicher aus.
Folgende Merkmale können für ein Lipödem sprechen:
Keines dieser Merkmale beweist für sich allein ein Lipödem.
Ja. Zusätzlich zu einem Lipödem kann eine lymphatische Abflussstörung bestehen. Dann treten Merkmale beider Erkrankungen auf.
In der Vergangenheit wurde dafür häufig der Begriff Lipo-Lymphödem verwendet. Ob tatsächlich ein zusätzliches Lymphödem vorliegt, sollte durch eine sorgfältige medizinische Untersuchung geklärt werden.
Eine starke Ausprägung des Lipödems bedeutet nicht automatisch, dass auch ein Lymphödem vorhanden ist.
Auch Adipositas und Lipödem können ähnlich aussehen oder gleichzeitig bestehen.
Bei Adipositas verteilt sich das Fettgewebe meist stärker über den gesamten Körper. Beim Lipödem besteht typischerweise eine disproportionale Verteilung an Beinen oder Armen in Verbindung mit Schmerzen.
Wichtig:
Eine Diagnose nur anhand des Körpergewichts ist nicht möglich.
Die Diagnose beruht vor allem auf:
Je nach Befund können ergänzende Untersuchungen notwendig sein, beispielsweise Ultraschall oder weitere bildgebende Verfahren. Es gibt jedoch keinen einzelnen Laborwert und kein einzelnes Bildgebungsverfahren, das ein Lipödem oder Lymphödem immer sicher bestätigt.
Ähnliche Beschwerden können unter anderem entstehen durch:
Eine plötzlich auftretende, einseitige und schmerzhafte Beinschwellung muss zeitnah medizinisch abgeklärt werden.
Die zentrale konservative Behandlung ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie, kurz KPE. Dazu gehören je nach individuellem Bedarf:
Ziel ist es, Schwellung und Beschwerden zu reduzieren, Komplikationen zu vermeiden und das Behandlungsergebnis langfristig zu erhalten.
Beim Lipödem orientiert sich die Therapie vor allem an den Beschwerden und den Einschränkungen im Alltag.
Mögliche Bestandteile sind:
Kompression kann die Beschwerden lindern, beseitigt aber nicht das vermehrte Fettgewebe.
Eine Untersuchung ist sinnvoll, wenn:
Dringende medizinische Hilfe ist erforderlich bei:
Diese Beschwerden können auf eine Thrombose, Lungenembolie oder Wundrose hinweisen.
Nein. Es handelt sich um unterschiedliche Erkrankungen. Sie können jedoch gleichzeitig auftreten.
Nein. Schwellungen können viele Ursachen haben, darunter Venen-, Herz-, Nieren- oder Medikamentenprobleme.
Ein Lymphödem kann Spannungs-, Druck- und Schweregefühle verursachen. Ausgeprägte Berührungs- und Druckschmerzen sind jedoch typischer für ein Lipödem.
Das Lipödem betrifft nahezu ausschließlich Frauen. Bei Männern mit einem ähnlichen Erscheinungsbild müssen andere Ursachen und gegebenenfalls hormonelle Erkrankungen sorgfältig abgeklärt werden.
Eine Gewichtsabnahme kann Begleiterkrankungen reduzieren und die Beweglichkeit verbessern. Das typische Fettverteilungsmuster und die Beschwerden können jedoch fortbestehen.
Hochlagern verändert das krankhaft vermehrte Fettgewebe nicht. Ein begleitendes Schwellungs- oder Schweregefühl kann sich individuell dennoch vorübergehend bessern.
Nein. Selbsttests und Fotos können höchstens Hinweise liefern. Die Diagnose gehört in fachkundige ärztliche Hände.
Geeignete Anlaufstellen können unter anderem Ärztinnen und Ärzte aus Phlebologie, Lymphologie, Gefäßmedizin, Dermatologie sowie Physikalischer und Rehabilitativer Medizin sein. Entscheidend ist praktische Erfahrung mit beiden Krankheitsbildern.
Viele Betroffene berichten, dass sie vor der Diagnose über längere Zeit unterschiedliche Erklärungen für ihre Beschwerden erhielten. Besonders häufig werden Lipödem, Lymphödem, Adipositas und venöse Schwellungen miteinander verwechselt.
Eine verständliche Erklärung der Unterschiede kann bei der Orientierung helfen. Sie ersetzt jedoch keine sorgfältige Untersuchung, weil auch Mischformen und Begleiterkrankungen möglich sind.
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und kann eine persönliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung nicht ersetzen. Lassen Sie neue, zunehmende oder unklare Schwellungen ärztlich abklären.
Autor: LymphNetzwerk-Redaktion
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