Lymphödem oder Lipödem – Unterschiede erkennen

Kurz erklärt

Lymphödem und Lipödem können äußerlich ähnlich wirken, sind jedoch unterschiedliche Erkrankungen.

Bei einem Lymphödem ist der Abtransport von Lymphflüssigkeit beeinträchtigt. Dadurch sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe und verursacht eine Schwellung.

Das Lipödem ist eine chronische, meist symmetrische und schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die überwiegend Frauen betrifft. Typisch sind Schmerzen, Druckempfindlichkeit und eine erhöhte Neigung zu blauen Flecken. Die aktuelle deutsche Leitlinie betont, dass eine reine Fettvermehrung ohne Beschwerden nicht ausreicht, um ein Lipödem zu diagnostizieren. 

Eine sichere Unterscheidung ist nicht allein anhand von Fotos oder einzelnen Symptomen möglich. Dafür ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich.

Arm Bandagierung
Schematischer Vergleich von Lymphödem und Lipödem mit typischer Verteilung an Beinen und Füßen

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Lymphödem entsteht durch einen gestörten Lymphabfluss.
  • Ein Lipödem ist eine schmerzhafte, symmetrische Fettverteilungsstörung.
  • Ein Lymphödem kann einseitig oder beidseitig auftreten.
  • Ein Lipödem betrifft in der Regel beide Körperseiten symmetrisch.
  • Beim Lipödem bleiben Hände und Füße normalerweise ausgespart.
  • Beim Lymphödem können Hände oder Füße mitbetroffen sein.
  • Druck- und Berührungsschmerzen sprechen eher für ein Lipödem.
  • Beide Erkrankungen können gleichzeitig auftreten.

Die wichtigsten Unterschiede

MerkmalLymphödemLipödem
GrundproblemGestörter Abtransport von LymphflüssigkeitSchmerzhafte, disproportionale Fettverteilung
VerteilungEinseitig oder beidseitig möglichMeist beidseitig und symmetrisch
Betroffene RegionenHäufig Arme oder Beine, grundsätzlich auch andere RegionenVor allem Beine, Hüften, Gesäß und teilweise Arme
Hände und FüßeKönnen betroffen seinIn der Regel ausgespart
SchmerzenHäufig Spannungs- oder Schweregefühl, nicht immer schmerzhaftTypischerweise Druck-, Berührungs- oder Spontanschmerzen
Blaue FleckenNicht charakteristischHäufig erhöhte Neigung
SchwellungDurch FlüssigkeitsansammlungSchwellungsgefühl möglich, aber ein nachweisbares Ödem ist kein notwendiges Diagnosemerkmal
HochlagernKann im frühen Stadium helfenVerändert das Fettgewebe nicht wesentlich
GeschlechtBetrifft Frauen und MännerBetrifft fast ausschließlich Frauen
UrsacheAngeborene Veränderungen oder erworbene Schädigung des LymphsystemsUrsachen nicht vollständig geklärt; hormonelle und genetische Faktoren werden diskutiert
BehandlungKomplexe Physikalische Entstauungstherapie und individuelle ZusatzmaßnahmenBeschwerdeorientierte Behandlung, insbesondere Bewegung, Kompression und gegebenenfalls weitere Maßnahmen

Was ist ein Lymphödem?

Ein Lymphödem entsteht, wenn das Lymphsystem die anfallende Gewebsflüssigkeit nicht mehr ausreichend abtransportieren kann. Flüssigkeit und Eiweiße verbleiben im Gewebe. Dadurch entwickelt sich eine meist fortschreitende Schwellung.

Man unterscheidet:

Primäres Lymphödem

Das Lymphsystem ist anlagebedingt verändert. Beschwerden können bereits im Kindesalter, aber auch erst später auftreten.

Sekundäres Lymphödem

Das Lymphsystem wurde im Laufe des Lebens geschädigt oder blockiert. Mögliche Ursachen sind:

  • Operationen
  • Entfernung von Lymphknoten
  • Strahlentherapie
  • Verletzungen
  • Entzündungen
  • Tumorerkrankungen
  • wiederholte Infektionen

Ein Lymphödem gilt als chronische Erkrankung. Die internationale Fachgesellschaft beschreibt eine stufenweise Einteilung von einer noch nicht sichtbaren Funktionsstörung bis zu ausgeprägten Gewebe- und Hautveränderungen. 

Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung, bei der sich das Unterhautfettgewebe an Beinen und gegebenenfalls Armen disproportioniert und symmetrisch vermehrt. Entscheidend für die Diagnose sind körperliche Beschwerden, insbesondere Schmerzen.

Typische Merkmale sind:

  • Druckschmerzen
  • Berührungsempfindlichkeit
  • Spontanschmerzen
  • Schwere- oder Spannungsgefühl
  • schnelle Bildung blauer Flecken
  • symmetrische Umfangszunahme
  • deutlicher Übergang an Hand- oder Fußgelenken

Die aktuelle S2k-Leitlinie richtet Diagnostik und Behandlung stärker an den Beschwerden aus. Das äußere Erscheinungsbild allein erlaubt keine verlässliche Aussage über die Schmerzintensität oder den individuellen Therapiebedarf. 

Woran erkennt man eher ein Lymphödem?

Folgende Merkmale können für ein Lymphödem sprechen:

  • nur ein Arm oder ein Bein ist betroffen,
  • Hand oder Fuß sind mitgeschwollen,
  • die Schwellung ist anfangs weich,
  • Hochlagern reduziert die Schwellung teilweise,
  • die Haut lässt sich an einer Zehe oder einem Finger nicht mehr gut anheben,
  • im Verlauf wird das Gewebe fester,
  • vorausgegangen sind eine Operation, Bestrahlung oder Verletzung.

Das sogenannte Stemmer-Zeichen kann einen Hinweis geben: Dabei wird geprüft, ob sich die Hautfalte an einer Zehe oder einem Finger anheben lässt. Ein positives Zeichen spricht für ein Lymphödem, ein negatives Zeichen schließt es jedoch nicht sicher aus.

Woran erkennt man eher ein Lipödem?

Folgende Merkmale können für ein Lipödem sprechen:

  • beide Beine oder Arme sind ungefähr symmetrisch betroffen,
  • Hände und Füße bleiben ausgespart,
  • das Gewebe ist druck- oder berührungsschmerzhaft,
  • blaue Flecken entstehen leicht,
  • der Unterkörper wirkt im Verhältnis zum Oberkörper deutlich kräftiger,
  • Diäten verändern den Körperstamm stärker als die betroffenen Regionen,
  • Beschwerden haben sich während hormoneller Umstellungsphasen entwickelt oder verstärkt.

Keines dieser Merkmale beweist für sich allein ein Lipödem.

Können Lymphödem und Lipödem gemeinsam auftreten?

Ja. Zusätzlich zu einem Lipödem kann eine lymphatische Abflussstörung bestehen. Dann treten Merkmale beider Erkrankungen auf.

In der Vergangenheit wurde dafür häufig der Begriff Lipo-Lymphödem verwendet. Ob tatsächlich ein zusätzliches Lymphödem vorliegt, sollte durch eine sorgfältige medizinische Untersuchung geklärt werden.

Eine starke Ausprägung des Lipödems bedeutet nicht automatisch, dass auch ein Lymphödem vorhanden ist.

Was unterscheidet Lipödem und Adipositas?

Auch Adipositas und Lipödem können ähnlich aussehen oder gleichzeitig bestehen.

Bei Adipositas verteilt sich das Fettgewebe meist stärker über den gesamten Körper. Beim Lipödem besteht typischerweise eine disproportionale Verteilung an Beinen oder Armen in Verbindung mit Schmerzen.

Wichtig:

  • Übergewicht verursacht kein Lipödem.
  • Ein Lipödem schützt nicht vor zusätzlichem Übergewicht.
  • Gewichtsreduktion kann die allgemeine Gesundheit und Beweglichkeit verbessern.
  • Das für ein Lipödem typische Verteilungsmuster kann trotzdem bestehen bleiben.

Eine Diagnose nur anhand des Körpergewichts ist nicht möglich.

Wie erfolgt die Diagnose?

Die Diagnose beruht vor allem auf:

  • einem ausführlichen Gespräch,
  • Beginn und Verlauf der Beschwerden,
  • der körperlichen Untersuchung,
  • der Verteilung der Veränderungen,
  • Schmerz- und Druckempfindlichkeit,
  • Untersuchung von Händen und Füßen,
  • Ausschluss anderer Ursachen.

Je nach Befund können ergänzende Untersuchungen notwendig sein, beispielsweise Ultraschall oder weitere bildgebende Verfahren. Es gibt jedoch keinen einzelnen Laborwert und kein einzelnes Bildgebungsverfahren, das ein Lipödem oder Lymphödem immer sicher bestätigt.

Welche Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden?

Ähnliche Beschwerden können unter anderem entstehen durch:

  • Adipositas
  • venöse Erkrankungen
  • Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • orthostatische Schwellungen
  • entzündliche Erkrankungen
  • Fettverteilungsvarianten ohne Schmerzen
  • andere seltene Gefäß- oder Fettgewebserkrankungen

Eine plötzlich auftretende, einseitige und schmerzhafte Beinschwellung muss zeitnah medizinisch abgeklärt werden.

Wie unterscheiden sich die Behandlungen?

Behandlung des Lymphödems

Die zentrale konservative Behandlung ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie, kurz KPE. Dazu gehören je nach individuellem Bedarf:

  • Kompressionstherapie
  • Bewegung unter Kompression
  • Hautpflege
  • Schulung und Selbstmanagement
  • manuelle Lymphdrainage, wenn sie medizinisch angezeigt ist

Ziel ist es, Schwellung und Beschwerden zu reduzieren, Komplikationen zu vermeiden und das Behandlungsergebnis langfristig zu erhalten.

Behandlung des Lipödems

Beim Lipödem orientiert sich die Therapie vor allem an den Beschwerden und den Einschränkungen im Alltag.

Mögliche Bestandteile sind:

  • geeignete Kompressionsversorgung
  • regelmäßige Bewegung
  • Physiotherapie
  • Schmerzbehandlung
  • Unterstützung beim Gewichtsmanagement bei zusätzlichem Übergewicht
  • psychosoziale Unterstützung
  • Liposuktion nach sorgfältiger fachärztlicher Prüfung

Kompression kann die Beschwerden lindern, beseitigt aber nicht das vermehrte Fettgewebe.

Wann sollte ich ärztliche Hilfe suchen?

Eine Untersuchung ist sinnvoll, wenn:

  • Arme oder Beine dauerhaft anschwellen,
  • eine Körperseite deutlich stärker betroffen ist,
  • Schmerzen oder Druckempfindlichkeit bestehen,
  • Hände oder Füße anschwellen,
  • die Beweglichkeit eingeschränkt ist,
  • wiederholt Hautentzündungen auftreten,
  • nach einer Krebsbehandlung eine neue Schwellung entsteht,
  • die Ursache der Veränderungen unklar ist.

Sofort abklären lassen

Dringende medizinische Hilfe ist erforderlich bei:

  • plötzlich auftretender einseitiger Beinschwellung,
  • Atemnot oder Brustschmerzen,
  • starker Rötung und Überwärmung,
  • Fieber oder Schüttelfrost,
  • rasch zunehmenden Schmerzen.

Diese Beschwerden können auf eine Thrombose, Lungenembolie oder Wundrose hinweisen.

Häufige Fragen

Ist ein Lipödem eine Form des Lymphödems?

Nein. Es handelt sich um unterschiedliche Erkrankungen. Sie können jedoch gleichzeitig auftreten.

Ist jedes geschwollene Bein ein Lymphödem?

Nein. Schwellungen können viele Ursachen haben, darunter Venen-, Herz-, Nieren- oder Medikamentenprobleme.

Sind Schmerzen typisch für ein Lymphödem?

Ein Lymphödem kann Spannungs-, Druck- und Schweregefühle verursachen. Ausgeprägte Berührungs- und Druckschmerzen sind jedoch typischer für ein Lipödem.

Können Männer ein Lipödem bekommen?

Das Lipödem betrifft nahezu ausschließlich Frauen. Bei Männern mit einem ähnlichen Erscheinungsbild müssen andere Ursachen und gegebenenfalls hormonelle Erkrankungen sorgfältig abgeklärt werden.

Kann ein Lipödem durch Abnehmen verschwinden?

Eine Gewichtsabnahme kann Begleiterkrankungen reduzieren und die Beweglichkeit verbessern. Das typische Fettverteilungsmuster und die Beschwerden können jedoch fortbestehen.

Hilft Hochlagern bei einem Lipödem?

Hochlagern verändert das krankhaft vermehrte Fettgewebe nicht. Ein begleitendes Schwellungs- oder Schweregefühl kann sich individuell dennoch vorübergehend bessern.

Kann ich selbst testen, welche Erkrankung ich habe?

Nein. Selbsttests und Fotos können höchstens Hinweise liefern. Die Diagnose gehört in fachkundige ärztliche Hände.

Welche Fachrichtung ist zuständig?

Geeignete Anlaufstellen können unter anderem Ärztinnen und Ärzte aus Phlebologie, Lymphologie, Gefäßmedizin, Dermatologie sowie Physikalischer und Rehabilitativer Medizin sein. Entscheidend ist praktische Erfahrung mit beiden Krankheitsbildern.

Erfahrungen aus dem LymphNetzwerk

Viele Betroffene berichten, dass sie vor der Diagnose über längere Zeit unterschiedliche Erklärungen für ihre Beschwerden erhielten. Besonders häufig werden Lipödem, Lymphödem, Adipositas und venöse Schwellungen miteinander verwechselt.

Eine verständliche Erklärung der Unterschiede kann bei der Orientierung helfen. Sie ersetzt jedoch keine sorgfältige Untersuchung, weil auch Mischformen und Begleiterkrankungen möglich sind.

Weiterführende Artikel

  • Was ist ein Lymphödem?
  • Was ist ein Lipödem?
  • Das Lymphsystem einfach erklärt
  • Symptome eines Lymphödems
  • Schmerzen beim Lipödem
  • Kompression beim Lymphödem
  • Kompression beim Lipödem
  • Lipödem und Übergewicht
  • Manuelle Lymphdrainage
  • Wundrose erkennen
  • Welche Ärztin oder welcher Arzt ist zuständig?

Redaktioneller und medizinischer Hinweis

Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und kann eine persönliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung nicht ersetzen. Lassen Sie neue, zunehmende oder unklare Schwellungen ärztlich abklären.

Autor: LymphNetzwerk-Redaktion

© Lymphnetzwerk - Alle Rechte vorbehalten.