Viele Frauen kennen das:
Einige Tage vor der Menstruation fühlen sich:
Bei Lymphödem oder Lipödem können solche Veränderungen besonders auffallen.
Dann entsteht schnell die Frage:
Die Antwort lautet:
Nicht jede zyklusabhängige Veränderung bedeutet, dass Ihre Erkrankung fortschreitet. Entscheidend ist, welche Beschwerden auftreten, wie lange sie bestehen und ob sie nach der Menstruation wieder zurückgehen.
Im Verlauf des Menstruationszyklus verändern sich unter anderem die Konzentrationen verschiedener Hormone.
Diese hormonellen Veränderungen können beispielsweise Einfluss haben auf:
Deshalb können sich manche Körperregionen vorübergehend voller oder gespannter anfühlen.
Das ist zunächst ein allgemeines Phänomen und nicht automatisch ein Zeichen für eine lymphologische Erkrankung.
Beim Lymphödem ist die Transportkapazität des Lymphsystems beeinträchtigt.
Dadurch kann sich eiweißreiche Flüssigkeit im Gewebe ansammeln.
Typisch können sein:
Beim Lipödem handelt es sich dagegen um eine chronische, meist symmetrische und schmerzhafte Erkrankung des Unterhautfettgewebes.
Typisch sind insbesondere:
Das Lipödem ist nicht einfach ein Lymphödem und nicht primär eine Störung des Lymphabflusses.
Das Lipödem tritt nahezu ausschließlich bei Frauen auf.
Außerdem wird häufig beobachtet, dass:
in Phasen hormoneller Veränderungen auftreten.
Dazu gehören beispielsweise:
Die aktuelle deutsche S2k-Leitlinie diskutiert deshalb hormonelle Einflüsse als möglichen Faktor.
Nein.
So weit reicht die wissenschaftliche Evidenz derzeit nicht.
Zwar werden Zusammenhänge mit:
diskutiert.
Die Leitlinie weist aber ausdrücklich darauf hin, dass belastbare Daten über den Hormonstatus von Lipödem-Patientinnen und den Einfluss einer Hormongabe fehlen.
Deshalb wäre die Aussage:
„Zu viel Östrogen verursacht Lipödem“
wissenschaftlich zu vereinfachend.
Einige Betroffene berichten über Veränderungen wie:
in bestimmten Zyklusphasen.
Das ist plausibel, bedeutet jedoch nicht, dass bei jeder Patientin exakt dasselbe Muster besteht.
Gerade hier ist unsere Differenzierung wichtig.
Beim Lipödem ist ein größerer Beinumfang vor der Periode nicht automatisch ein Hinweis darauf, dass das Lipödem „fortschreitet“.
Für den persönlichen Verlauf können wichtiger sein:
Sind die Beine berührungsempfindlicher?
Fällt Gehen oder Treppensteigen schwerer?
Fühlt sich die Versorgung unangenehmer an?
Verschlechtert sich der Schlaf?
Wie stark beeinflussen die Beschwerden den Alltag?
Beim Lymphödem besteht bereits eine eingeschränkte lymphatische Transportkapazität.
Wenn sich zusätzlich vorübergehend der allgemeine Flüssigkeitshaushalt verändert, kann es sein, dass Betroffene:
wahrnehmen.
Aber:
Zum Beispiel wenn:
Ein solches Muster spricht eher für eine wiederkehrende Schwankung als für eine dauerhafte Progression.
Wenn:
Dann sollte nicht nur der Zyklus als Erklärung angenommen werden.
Das ist ein besonders wichtiger Punkt.
Viele gesunde Frauen erleben vor der Periode ein gewisses Gefühl von:
Das bedeutet nicht automatisch:
„Mein Lymphsystem funktioniert nicht.“
Ein Lymphödem ist eine eigenständige chronische Erkrankung.
Auch beim Lipödem können zusätzlich allgemeine zyklusbedingte Flüssigkeitsschwankungen auftreten.
Die Lipödem-Leitlinie weist darauf hin, dass ein sogenanntes idiopathisches Flüssigkeitsretentionssyndrom zusätzlich vorkommen kann.
Das darf nicht automatisch mit dem Lipödem selbst gleichgesetzt werden.
Eine Frau mit Lipödem bemerkt:
Schmerzen 3 von 10.
Schmerzen 6 von 10.
innerhalb weniger Tage wieder Rückgang.
Dann ist nicht automatisch das Lipödem strukturell schlimmer geworden.
Es kann vielmehr ein persönliches zyklusabhängiges Beschwerdemuster bestehen.
Eine Frau mit sekundärem Lymphödem bemerkt regelmäßig vor der Menstruation:
Nach einigen Tagen kehrt sie zu ihrem üblichen Ausgangswert zurück.
Auch hier wäre eine einzelne Messung kein Beweis für eine dauerhafte Verschlechterung.
Körperumfang kann unter anderem beeinflusst werden durch:
Deshalb sollte ein Verlauf möglichst unter vergleichbaren Bedingungen bewertet werden.
Wenn Sie Veränderungen dokumentieren möchten:
Nicht sinnvoll ist es, mehrfach täglich aus Sorge nachzumessen.
Es geht um den Verlauf – nicht um jede kleine Schwankung.
Hier kann eine einfache Skala hilfreicher sein.
Zum Beispiel:
0–10
0–10
0–10
leicht / mittel / schwer
angenehm / tolerierbar / belastend
Damit entsteht über mehrere Zyklen ein aussagekräftigeres Bild.
Aus einem einzigen Monat lässt sich kaum ein verlässliches Muster ableiten.
Hilfreicher können sein:
unter vergleichbaren Bedingungen.
Dann lässt sich erkennen:
Tritt dieselbe Veränderung tatsächlich wiederholt auf?
Notieren Sie beispielsweise:
| Tag | Zyklusphase | Schmerz | Schwere | Schwellung | Kompression | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 5 | Menstruation | 4/10 | 4/10 | normal | gut | müde |
| 14 | Zyklusmitte | 2/10 | 2/10 | normal | gut | viel Bewegung |
| 25 | prämenstruell | 6/10 | 6/10 | etwas mehr | enger | wenig Schlaf |
So können Zusammenhänge sichtbarer werden.
Ein Symptomtagebuch soll helfen:
Muster zu verstehen.
Es sollte nicht dazu führen, dass der gesamte Alltag nur noch aus:
besteht.
Wenn die Dokumentation zunehmend Angst erzeugt, kann weniger oft mehr sein.
Wenn die Kompressionsversorgung Teil der regelmäßigen Therapie ist, sollte sie wegen einer normalen zyklusbedingten Schwankung nicht eigenständig abgesetzt werden.
Wenn sie plötzlich:
sollte die Versorgung überprüft werden.
Kompression wird insbesondere zur Reduktion von Schmerzen und subjektiven Beschwerden eingesetzt.
Manche Betroffene empfinden sie gerade in stärker schmerzhaften Zyklusphasen als hilfreich.
Andere erleben eine erhöhte Berührungsempfindlichkeit.
Dann sollte die Versorgung angepasst werden – nicht einfach möglichst viel Druck gewählt werden.
Besonders beim Lipödem gilt:
Eine Kompression, die starke Schmerzen erzeugt, erfüllt ihr Therapieziel möglicherweise nicht.
Die Versorgung sollte wirksam und tragbar sein.
Beim Lymphödem muss wiederum ausreichend Druck beziehungsweise Materialstabilität vorhanden sein, um das Ödem sinnvoll zu kontrollieren.
Auch hier zeigen sich die unterschiedlichen Therapieziele.
Regelmäßige Bewegung kann bei beiden Erkrankungen sinnvoll sein.
Aber aus unterschiedlichen Perspektiven.
Muskelaktivität unterstützt gemeinsam mit der Kompression den Flüssigkeitstransport.
Bewegung kann:
Die Intensität sollte an Tagesform und Beschwerden angepasst werden.
Eine normale ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist sinnvoll.
Es gibt jedoch keinen guten Grund, pauschal extrem große Mengen Wasser zu trinken, um ein Lymphödem „durchzuspülen“.
Das Lymphsystem lässt sich nicht einfach durch mehrere Liter zusätzliches Wasser reinigen.
Bei Herz-, Nieren- oder anderen Erkrankungen sollten individuelle Trinkempfehlungen beachtet werden.
Auch hier gilt:
Extreme Regeln sind meist nicht notwendig.
Eine ausgewogene Ernährung ist sinnvoll.
Wenn Sie persönlich feststellen, dass sehr salzreiche Mahlzeiten mit stärkerem Spannungsgefühl einhergehen, können Sie dies beobachten.
Daraus sollte aber keine unnötig restriktive Ernährung entstehen.
Menstruationsbeschwerden können unabhängig von Lymphödem oder Lipödem auftreten.
Wenn regelmäßig Schmerzmittel benötigt werden, sollte insbesondere bei:
eine gynäkologische Abklärung erfolgen.
Nicht jeder Beckenschmerz gehört zum Lipödem.
Frauen mit Lipödem können selbstverständlich zusätzlich andere gynäkologische Erkrankungen haben.
Beschwerden wie:
sollten deshalb nicht automatisch dem Lipödem zugeschrieben werden.
Eine häufige Frage lautet:
Die aktuelle Datenlage erlaubt keine einfache allgemeingültige Antwort.
Die Lipödem-Leitlinie weist ausdrücklich darauf hin, dass belastbare Daten zum Zusammenhang zwischen Lipödem und Hormongaben fehlen.
Deshalb sollte eine hormonelle Verhütung nicht allein aufgrund einer Lipödemdiagnose selbstständig begonnen oder abgesetzt werden.
Wenn Sie einen zeitlichen Zusammenhang vermuten:
So lässt sich individueller entscheiden.
Für das Lymphödem gilt ebenfalls:
Es ist nicht sinnvoll, pauschal zu behaupten:
„Hormone verursachen mein Lymphödem.“
Beim primären Lymphödem können Beschwerden zwar erstmals in bestimmten Lebensphasen sichtbar werden.
Das zugrunde liegende Problem betrifft jedoch das Lymphsystem selbst.
Bei sekundären Lymphödemen liegen andere Ursachen wie beispielsweise:
zugrunde.
Schwangerschaft verändert:
Deshalb sollte Schwangerschaft bei bestehendem Lymphödem oder Lipödem gesondert betrachtet werden.
Eine normale zyklusbedingte Schwankung lässt sich nicht einfach auf eine Schwangerschaft übertragen.
Die Lipödem-Leitlinie nennt das Klimakterium ausdrücklich als eine Phase, in der eine Beschwerdezunahme beobachtet werden kann.
Gleichzeitig können in den Wechseljahren viele andere Faktoren zusammenkommen:
Nicht jede Veränderung ist deshalb ausschließlich auf das Lipödem zurückzuführen.
Eine Untersuchung ist sinnvoll, wenn:
Dringend medizinisch abgeklärt werden sollten insbesondere:
🚨 plötzlich auftretende einseitige Beinschwellung
🚨 starke neue Schmerzen
🚨 deutliche Rötung und Überwärmung
🚨 Fieber oder Schüttelfrost
🚨 Atemnot
🚨 Brustschmerzen
Diese Symptome können unter anderem auf:
hinweisen und gehören nicht einfach zum normalen Menstruationszyklus.
| Frage | Lymphödem | Lipödem |
| Grundproblem | gestörter Lymphtransport | chronische schmerzhafte Fettgewebserkrankung |
| Können Zyklusschwankungen auffallen? | ja | ja |
| Bedeutet mehr Umfang automatisch Progression? | nein | nein |
| Wichtigster Verlaufsparameter | Ödem, Gewebe, Funktion, Haut | Schmerz, Beschwerden, Funktion, Lebensqualität |
| Hormonelle Einflüsse auf Erkrankung diskutiert? | nicht als zentrale Erklärung | ja, deutlich diskutiert |
| Datenlage zu Hormonen eindeutig? | nein | ebenfalls nein |
| Therapie bei Beschwerden | Ödemkontrolle und KPE individuell anpassen | symptomorientierte Behandlung |
Nein.
Manche Betroffene nehmen vorübergehende Veränderungen wahr, andere überhaupt nicht.
Eine kurzfristige Schwankung ist außerdem nicht automatisch eine dauerhafte Verschlechterung.
Manche Patientinnen berichten über stärkere Beschwerden in bestimmten Zyklusphasen.
Wie häufig und wie stark dies auftritt, ist wissenschaftlich bislang nicht ausreichend geklärt.
Ein hormoneller Einfluss wird vermutet und intensiv untersucht.
Eine einzelne hormonelle Ursache ist jedoch bislang nicht nachgewiesen.
Nicht eigenständig.
Es fehlen belastbare Daten für eine pauschale Empfehlung.
Besprechen Sie individuelle Beschwerden und Risiken mit Ihrer gynäkologischen Praxis.
Nein.
Vorübergehende Flüssigkeitsschwankungen können auch ohne Erkrankung des Lymphsystems auftreten.
Meist nicht.
Wenn eine Verlaufskontrolle sinnvoll ist, reichen standardisierte Messungen zu vereinbarten Zeitpunkten häufig aus.
Grundsätzlich ja, wenn sie medizinisch empfohlen wurde und gut sitzt.
Bei neuen Druckstellen, Schmerzen oder deutlicher Passformveränderung sollte die Versorgung überprüft werden.
Ja.
Dann müssen beide Erkrankungen getrennt beurteilt und gemeinsam therapeutisch berücksichtigt werden.
Viele Betroffene beschreiben:
„Kurz vor meiner Periode fühlen sich meine Beine komplett anders an.“
Diese Wahrnehmung sollte ernst genommen werden.
Gleichzeitig hilft eine medizinisch saubere Einordnung:
Beim Lymphödem fragen wir vor allem:
Beim Lipödem fragen wir eher:
Damit vermeiden wir, zwei verschiedene Erkrankungen unter dem Begriff „Wassereinlagerung“ zusammenzufassen.
➡ Lipödem oder Lymphödem – Unterschiede erkennen
➡ Lipödem und Lymphödem gleichzeitig
➡ Therapieerfolg bei Lymphödem oder Lipödem messen
➡ Kompression im Sommer
➡ Schmerzen beim Lipödem
➡ Körperbild und Selbstwert
➡ Fatigue und Erschöpfung
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