Pilates mit Lymphödem oder Lipödem – Körpermitte stärken und Beweglichkeit fördern

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Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • 🤸 Pilates kombiniert kontrollierte Bewegungen mit bewusster Atmung und Körperkontrolle.
  • 💪 Viele Übungen lassen sich an die individuelle Belastbarkeit anpassen.
  • 📈 Beginnen Sie langsam und steigern Sie Intensität und Schwierigkeit schrittweise.
  • 🧦 Ob Kompression während des Trainings sinnvoll ist, sollte individuell abgestimmt werden.
  • ❤️ Schmerzen, deutliche Schwellungszunahmen oder Hautveränderungen sind Gründe, das Training anzupassen und gegebenenfalls medizinischen Rat einzuholen.

Kurz erklärt

Pilates trainiert vor allem die Körpermitte, Haltung, Bewegungssteuerung und Beweglichkeit. Viele Übungen werden langsam und kontrolliert ausgeführt und können deshalb an unterschiedliche Fitness- und Beweglichkeitsniveaus angepasst werden.

Für Menschen mit Lymphödem unterstützt der internationale Konsensus grundsätzlich regelmäßige körperliche Aktivität und einen schrittweisen Trainingsaufbau. Die Entscheidung, ob dabei Kompression getragen wird, soll individuell getroffen werden.

Speziell zu Pilates ist die Forschung noch überschaubar. Eine randomisierte Studie mit 60 Frauen mit brustkrebsbedingtem Lymphödem untersuchte acht Wochen lang Clinical Pilates. In dieser begrenzten Patientengruppe verbesserten sich unter anderem Lymphödem-Symptome, Armfunktion und Lebensqualität. Die Ergebnisse können jedoch nicht ohne Weiteres auf alle Formen von Lymphödem oder auf Lipödem übertragen werden.

💚 Das Wichtigste für Betroffene

Pilates muss weder spektakulär noch anstrengend aussehen. Entscheidend sind kontrollierte Bewegungen, eine gute Technik und eine Belastung, die zu Ihrem Körper passt.

Was zeichnet Pilates aus?

Typische Bestandteile sind:

  • kontrollierte Bewegungen
  • bewusste Atmung
  • Stabilisation der Körpermitte
  • Mobilisation der Wirbelsäule
  • Gleichgewicht
  • Koordination
  • langsame und präzise Übungsausführung

Dadurch lässt sich das Training gut an unterschiedliche körperliche Voraussetzungen anpassen.

Was sagt die Forschung?

Für körperliche Aktivität bei Lymphödem insgesamt ist die Datenlage deutlich umfangreicher als speziell für Pilates. Der aktuelle Konsensus der International Society of Lymphology beschreibt positive Trends für verschiedene Trainingsformen hinsichtlich Funktion, Fitness und Lebensqualität und empfiehlt Menschen mit Lymphödem, körperlich aktiv zu bleiben.

Eine kleinere randomisierte Studie untersuchte Clinical Pilates bei Frauen mit brustkrebsbedingtem Armlymphödem. Nach acht Wochen waren die Ergebnisse in mehreren untersuchten Bereichen günstiger als bei klassischen Lymphödemübungen. Das ist ermutigend, reicht aber nicht aus, um Pilates als spezielle Therapie für sämtliche Lymphödeme zu empfehlen.

Für Lipödem gibt es keine vergleichbar belastbare Pilates-spezifische Evidenz. Die aktuelle deutsche S2k-Leitlinie empfiehlt jedoch Bewegung beziehungsweise Trainingsprogramme als Bestandteil des therapeutischen Gesamtkonzepts und betont insbesondere Bewegung in Kombination mit Kompression.

Welche Vorteile kann Pilates haben?

Als allgemeine Bewegungsform kann Pilates beispielsweise dabei helfen,

✔ die Rumpfmuskulatur zu kräftigen,

✔ Bewegungen bewusster auszuführen,

✔ Koordination und Gleichgewicht zu trainieren,

✔ die Beweglichkeit zu erhalten oder zu verbessern,

Bewegung wieder sicherer in den Alltag zu integrieren.

Wichtig: Pilates behandelt ein Lymphödem oder Lipödem nicht allein und ersetzt keine individuell verordnete Therapie.

Pilates auf der Matte oder am Reformer?

Matten-Pilates

Hier wird hauptsächlich mit dem eigenen Körpergewicht gearbeitet.

Für Einsteiger sind beispielsweise möglich:

  • Beckenkippen
  • kontrollierte Beinbewegungen
  • Schulterbrücke
  • leichte Rumpfstabilisation
  • Übungen in Seitenlage
  • Mobilisation im Vierfüßlerstand

Reformer-Pilates

Beim Reformer-Pilates wird an einem speziellen Gerät mit Federn und beweglicher Plattform trainiert.

Der Widerstand lässt sich verändern, gleichzeitig können die Übungen koordinativ anspruchsvoller sein.

Wenn Sie noch keine Erfahrung haben, empfiehlt sich eine fachkundige Einweisung und zunächst eine geringe Belastung.

So starten Sie sinnvoll

✔ Informieren Sie die Trainerin oder den Trainer über relevante gesundheitliche Einschränkungen.

✔ Beginnen Sie mit einfachen Übungen.

✔ Lernen Sie die Bewegungsabläufe zunächst ohne hohe Belastung.

✔ Steigern Sie Wiederholungen und Widerstand langsam.

✔ Planen Sie Pausen ein.

✔ Beobachten Sie, wie Ihr Körper in den Stunden nach dem Training reagiert.

Atmung nicht anhalten

Pilates arbeitet bewusst mit der Atmung.

Versuchen Sie:

  • ruhig weiterzuatmen,
  • nicht dauerhaft die Luft anzuhalten,
  • Bewegungen kontrolliert mit Ein- und Ausatmung zu verbinden.

Wenn eine Übung nur mit starkem Pressen oder Luftanhalten möglich ist, sollte die Belastung reduziert oder die Übung angepasst werden.

Kompression beim Pilates

Hier gibt es keine pauschale Regel für alle Menschen mit Lymphödem.

Der internationale Lymphödem-Konsensus stellt fest, dass die Notwendigkeit von Kompression während sportlicher Aktivität individuell entschieden werden sollte; bislang wurde weder ein genereller Vorteil noch ein genereller Schaden des Tragens während des Trainings nachgewiesen.

Beim Lipödem empfiehlt die deutsche Leitlinie Bewegung beziehungsweise Trainingsprogramme als Bestandteil des Gesamtkonzepts und hebt Bewegung in Kompression hervor. Besprechen Sie daher Ihre persönliche Situation mit Ihrem Behandlungsteam.

Hilfsmittel machen Übungen leichter

Pilates lässt sich mit einfachen Hilfsmitteln anpassen:

  • Kissen
  • Pilatesball
  • Widerstandsband
  • Rolle
  • Handtuch
  • stabile Unterlage

Sie können beispielsweise Bewegungswege verkürzen oder eine bequemere Ausgangsposition ermöglichen.

Übungen individuell anpassen

Nicht jede klassische Pilatesübung muss durchgeführt werden.

Eine Anpassung kann sinnvoll sein bei:

  • eingeschränkter Beweglichkeit,
  • Knieproblemen,
  • Rückenbeschwerden,
  • Schmerzen,
  • Gleichgewichtsproblemen,
  • ausgeprägten Schwellungen.

Eine gute Trainerin oder ein guter Trainer sollte Übungen verändern können, statt darauf zu bestehen, dass alle Teilnehmenden exakt dieselbe Variante ausführen.

Wie lange trainieren?

Für den Einstieg können bereits kurze, überschaubare Einheiten sinnvoll sein.

Beispielsweise:

Einstieg

15–20 Minuten mit wenigen einfachen Übungen.

Aufbau

Dauer und Übungsumfang langsam steigern.

Regelmäßigkeit

Lieber regelmäßig und moderat als selten und sehr intensiv.

Die optimale Trainingsmenge hängt von Fitness, Erkrankung, Begleiterkrankungen und persönlichen Zielen ab.

Vor dem Training

☐ Haut kontrollieren

☐ Bequeme Kleidung wählen

☐ Wasser bereitstellen

☐ Kompressionsversorgung nach persönlicher Empfehlung nutzen

☐ Hilfsmittel bereitlegen

☐ Belastung der Tagesform anpassen

Nach dem Training

Achten Sie darauf:

  • ausreichend zu trinken,
  • Haut und Kompressionsversorgung zu kontrollieren,
  • Ihrem Körper Zeit zur Erholung zu geben,
  • auffällige Veränderungen zu beobachten.

Ein Trainingstagebuch kann helfen, Belastung und Beschwerden über mehrere Wochen miteinander zu vergleichen.

Wann sollte ich pausieren?

Unterbrechen oder reduzieren Sie das Training bei:

  • plötzlich zunehmenden Schmerzen,
  • deutlich stärkerer Schwellung,
  • neu auftretender Rötung oder Überwärmung,
  • offenen Hautstellen,
  • Schwindel oder Kreislaufproblemen,
  • deutlichem Unwohlsein.

Bei Fieber, einer stark geröteten oder überwärmten Extremität oder rasch zunehmenden Beschwerden sollte medizinischer Rat eingeholt werden.

Checkliste fürs Pilates

  • Ruhigen Trainingsplatz gewählt
  • Übungen passend zum eigenen Niveau ausgewählt
  • Kompression individuell abgestimmt
  • Wasser bereitgestellt
  • Ruhige Atmung beibehalten
  • Bewegungen langsam und kontrolliert ausgeführt
  • Pausen eingeplant
  • Körper nach dem Training beobachtet

Häufige Fragen

Ist Pilates bei Lymphödem erlaubt?

Für viele Menschen kann Pilates eine mögliche Bewegungsform sein. Bewegung wird bei Lymphödem grundsätzlich unterstützt, sollte aber schrittweise aufgebaut und an die individuelle Situation angepasst werden.

Kann Pilates ein Lymphödem reduzieren?

Eine kleine randomisierte Studie bei Frauen mit brustkrebsbedingtem Lymphödem zeigte günstige Ergebnisse. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Pilates generell ein Lymphödem reduziert oder behandelt.

Gibt es Studien zu Pilates bei Lipödem?

Die spezifische Studienlage ist derzeit sehr begrenzt. Die deutsche Lipödem-Leitlinie unterstützt Bewegung beziehungsweise Trainingsprogramme grundsätzlich, gibt aber keine spezielle Empfehlung für Pilates als bevorzugte Sportart.

Ist Reformer-Pilates besser als Matten-Pilates?

Dafür gibt es bei Lymphödem oder Lipödem keine belastbare allgemeine Empfehlung. Entscheidend sind individuelle Verträglichkeit, gute Anleitung und eine angemessene Belastung.

Muss ich Kompressionsstrümpfe tragen?

Beim Lymphödem sollte dies individuell entschieden werden. Beim Lipödem spielt Bewegung in Kombination mit Kompression im leitliniengerechten Behandlungskonzept eine wichtige Rolle.

Erfahrungen aus dem LymphNetzwerk

Viele Betroffene schätzen an Pilates die ruhigen Bewegungsabläufe und die Möglichkeit, Übungen an die persönliche Tagesform anzupassen. Gerade für Einsteiger kann ein Kurs mit kleiner Teilnehmerzahl oder eine persönliche Einführung hilfreich sein, damit Bewegungen sauber erlernt und bei Bedarf verändert werden können.

Erfahrungen anderer Menschen können Anregungen geben – ersetzen aber nicht die individuelle medizinische oder therapeutische Einschätzung.

Weiterführende Artikel

➡ Yoga mit Lymphödem oder Lipödem

➡ Krafttraining mit Lymphödem oder Lipödem

➡ Fitnessstudio mit Lymphödem oder Lipödem

➡ Schwimmen mit Lymphödem oder Lipödem

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Bewegung bei Lymphödem

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