Pilates trainiert vor allem die Körpermitte, Haltung, Bewegungssteuerung und Beweglichkeit. Viele Übungen werden langsam und kontrolliert ausgeführt und können deshalb an unterschiedliche Fitness- und Beweglichkeitsniveaus angepasst werden.
Für Menschen mit Lymphödem unterstützt der internationale Konsensus grundsätzlich regelmäßige körperliche Aktivität und einen schrittweisen Trainingsaufbau. Die Entscheidung, ob dabei Kompression getragen wird, soll individuell getroffen werden.
Speziell zu Pilates ist die Forschung noch überschaubar. Eine randomisierte Studie mit 60 Frauen mit brustkrebsbedingtem Lymphödem untersuchte acht Wochen lang Clinical Pilates. In dieser begrenzten Patientengruppe verbesserten sich unter anderem Lymphödem-Symptome, Armfunktion und Lebensqualität. Die Ergebnisse können jedoch nicht ohne Weiteres auf alle Formen von Lymphödem oder auf Lipödem übertragen werden.
Pilates muss weder spektakulär noch anstrengend aussehen. Entscheidend sind kontrollierte Bewegungen, eine gute Technik und eine Belastung, die zu Ihrem Körper passt.
Typische Bestandteile sind:
Dadurch lässt sich das Training gut an unterschiedliche körperliche Voraussetzungen anpassen.
Für körperliche Aktivität bei Lymphödem insgesamt ist die Datenlage deutlich umfangreicher als speziell für Pilates. Der aktuelle Konsensus der International Society of Lymphology beschreibt positive Trends für verschiedene Trainingsformen hinsichtlich Funktion, Fitness und Lebensqualität und empfiehlt Menschen mit Lymphödem, körperlich aktiv zu bleiben.
Eine kleinere randomisierte Studie untersuchte Clinical Pilates bei Frauen mit brustkrebsbedingtem Armlymphödem. Nach acht Wochen waren die Ergebnisse in mehreren untersuchten Bereichen günstiger als bei klassischen Lymphödemübungen. Das ist ermutigend, reicht aber nicht aus, um Pilates als spezielle Therapie für sämtliche Lymphödeme zu empfehlen.
Für Lipödem gibt es keine vergleichbar belastbare Pilates-spezifische Evidenz. Die aktuelle deutsche S2k-Leitlinie empfiehlt jedoch Bewegung beziehungsweise Trainingsprogramme als Bestandteil des therapeutischen Gesamtkonzepts und betont insbesondere Bewegung in Kombination mit Kompression.
Als allgemeine Bewegungsform kann Pilates beispielsweise dabei helfen,
✔ die Rumpfmuskulatur zu kräftigen,
✔ Bewegungen bewusster auszuführen,
✔ Koordination und Gleichgewicht zu trainieren,
✔ die Beweglichkeit zu erhalten oder zu verbessern,
✔ Bewegung wieder sicherer in den Alltag zu integrieren.
Wichtig: Pilates behandelt ein Lymphödem oder Lipödem nicht allein und ersetzt keine individuell verordnete Therapie.
Hier wird hauptsächlich mit dem eigenen Körpergewicht gearbeitet.
Für Einsteiger sind beispielsweise möglich:
Beim Reformer-Pilates wird an einem speziellen Gerät mit Federn und beweglicher Plattform trainiert.
Der Widerstand lässt sich verändern, gleichzeitig können die Übungen koordinativ anspruchsvoller sein.
Wenn Sie noch keine Erfahrung haben, empfiehlt sich eine fachkundige Einweisung und zunächst eine geringe Belastung.
✔ Informieren Sie die Trainerin oder den Trainer über relevante gesundheitliche Einschränkungen.
✔ Beginnen Sie mit einfachen Übungen.
✔ Lernen Sie die Bewegungsabläufe zunächst ohne hohe Belastung.
✔ Steigern Sie Wiederholungen und Widerstand langsam.
✔ Planen Sie Pausen ein.
✔ Beobachten Sie, wie Ihr Körper in den Stunden nach dem Training reagiert.
Pilates arbeitet bewusst mit der Atmung.
Versuchen Sie:
Wenn eine Übung nur mit starkem Pressen oder Luftanhalten möglich ist, sollte die Belastung reduziert oder die Übung angepasst werden.
Hier gibt es keine pauschale Regel für alle Menschen mit Lymphödem.
Der internationale Lymphödem-Konsensus stellt fest, dass die Notwendigkeit von Kompression während sportlicher Aktivität individuell entschieden werden sollte; bislang wurde weder ein genereller Vorteil noch ein genereller Schaden des Tragens während des Trainings nachgewiesen.
Beim Lipödem empfiehlt die deutsche Leitlinie Bewegung beziehungsweise Trainingsprogramme als Bestandteil des Gesamtkonzepts und hebt Bewegung in Kompression hervor. Besprechen Sie daher Ihre persönliche Situation mit Ihrem Behandlungsteam.
Pilates lässt sich mit einfachen Hilfsmitteln anpassen:
Sie können beispielsweise Bewegungswege verkürzen oder eine bequemere Ausgangsposition ermöglichen.
Nicht jede klassische Pilatesübung muss durchgeführt werden.
Eine Anpassung kann sinnvoll sein bei:
Eine gute Trainerin oder ein guter Trainer sollte Übungen verändern können, statt darauf zu bestehen, dass alle Teilnehmenden exakt dieselbe Variante ausführen.
Für den Einstieg können bereits kurze, überschaubare Einheiten sinnvoll sein.
Beispielsweise:
15–20 Minuten mit wenigen einfachen Übungen.
Dauer und Übungsumfang langsam steigern.
Lieber regelmäßig und moderat als selten und sehr intensiv.
Die optimale Trainingsmenge hängt von Fitness, Erkrankung, Begleiterkrankungen und persönlichen Zielen ab.
☐ Haut kontrollieren
☐ Bequeme Kleidung wählen
☐ Wasser bereitstellen
☐ Kompressionsversorgung nach persönlicher Empfehlung nutzen
☐ Hilfsmittel bereitlegen
☐ Belastung der Tagesform anpassen
Achten Sie darauf:
Ein Trainingstagebuch kann helfen, Belastung und Beschwerden über mehrere Wochen miteinander zu vergleichen.
Unterbrechen oder reduzieren Sie das Training bei:
Bei Fieber, einer stark geröteten oder überwärmten Extremität oder rasch zunehmenden Beschwerden sollte medizinischer Rat eingeholt werden.
Für viele Menschen kann Pilates eine mögliche Bewegungsform sein. Bewegung wird bei Lymphödem grundsätzlich unterstützt, sollte aber schrittweise aufgebaut und an die individuelle Situation angepasst werden.
Eine kleine randomisierte Studie bei Frauen mit brustkrebsbedingtem Lymphödem zeigte günstige Ergebnisse. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Pilates generell ein Lymphödem reduziert oder behandelt.
Die spezifische Studienlage ist derzeit sehr begrenzt. Die deutsche Lipödem-Leitlinie unterstützt Bewegung beziehungsweise Trainingsprogramme grundsätzlich, gibt aber keine spezielle Empfehlung für Pilates als bevorzugte Sportart.
Dafür gibt es bei Lymphödem oder Lipödem keine belastbare allgemeine Empfehlung. Entscheidend sind individuelle Verträglichkeit, gute Anleitung und eine angemessene Belastung.
Beim Lymphödem sollte dies individuell entschieden werden. Beim Lipödem spielt Bewegung in Kombination mit Kompression im leitliniengerechten Behandlungskonzept eine wichtige Rolle.
Viele Betroffene schätzen an Pilates die ruhigen Bewegungsabläufe und die Möglichkeit, Übungen an die persönliche Tagesform anzupassen. Gerade für Einsteiger kann ein Kurs mit kleiner Teilnehmerzahl oder eine persönliche Einführung hilfreich sein, damit Bewegungen sauber erlernt und bei Bedarf verändert werden können.
Erfahrungen anderer Menschen können Anregungen geben – ersetzen aber nicht die individuelle medizinische oder therapeutische Einschätzung.
➡ Yoga mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Krafttraining mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Fitnessstudio mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Schwimmen mit Lymphödem oder Lipödem
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