Eine Ärztin oder Therapeutin drückt mit dem Finger auf das geschwollene Gewebe.
Nach einigen Sekunden wird der Finger weggenommen.
Zurück bleibt eine kleine:
Diese Eindrückbarkeit nennt man:
oder:
Bei einem Lymphödem kann Pitting wichtige Informationen über die aktuelle Gewebesituation liefern.
Aber:
Der Test sagt deutlich weniger aus, als viele Menschen vermuten.
Eine Delle nach Fingerdruck kann auf ein weicheres, flüssigkeitsreicheres Gewebe hinweisen. Sie beweist aber weder allein ein Lymphödem noch zeigt ihre Tiefe zuverlässig die gesamte Ödemmenge.
Die Diagnose entsteht aus dem Gesamtbild.
Das englische Wort:
pit
bedeutet ungefähr:
Vertiefung oder Mulde.
Beim Pitting-Test wird über eine gewisse Zeit Druck auf das Gewebe ausgeübt.
Wenn das Gewebe nach dem Loslassen nicht sofort in seine ursprüngliche Form zurückkehrt, bleibt kurzzeitig eine sicht- oder tastbare Vertiefung.
Bei Flüssigkeitsansammlung im Gewebe kann Druck einen Teil der Flüssigkeit lokal verdrängen.
Nach dem Loslassen braucht das Gewebe Zeit, um wieder seine ursprüngliche Form anzunehmen.
Das kann als Delle sichtbar werden.
Vereinfacht:
Druck
↓
Gewebe wird lokal verdrängt
↓
Finger weg
↓
vorübergehende Vertiefung
Es kann typisch sein – besonders in früheren beziehungsweise weicheren Stadien.
Klassische klinische Beschreibungen zeigen:
Bei einem frühen Lymphödem kann das Gewebe gut eindrückbar sein.
Mit zunehmender Krankheitsdauer können:
dazu führen, dass das Gewebe fester wird und weniger deutlich eindrückbar ist. PubMed Central (PMC)
Der aktuelle Konsensus der International Society of Lymphology unterscheidet verschiedene klinische Stadien des Lymphödems. Dabei spielt unter anderem eine Rolle, wie sich die Schwellung und das Gewebe verhalten. PubMed
Vereinfacht:
Das Ödem ist häufig:
Pitting kann deutlich sein.
Die Schwellung bildet sich durch Hochlagern nicht mehr zuverlässig zurück.
Anfangs kann weiterhin Pitting bestehen.
Mit zunehmender:
kann die Eindrückbarkeit geringer werden.
Bei ausgeprägten chronischen Gewebe- und Hautveränderungen kann das Gewebe sehr fest sein.
Pitting kann dann deutlich schwächer ausgeprägt oder schwerer festzustellen sein.
Nein.
Das ist einer der wichtigsten Punkte dieses Artikels.
Eine neuere Untersuchung mit hochauflösendem Ultraschall zeigt, dass Pitting nicht ausschließlich durch die vorhandene Ödemmenge bestimmt wird.
Auch Eigenschaften von:
beeinflussen, wie tief eine Delle entsteht und wie lange sie sichtbar bleibt. PubMed
Deshalb gilt:
Auch:
Ein stärker fibrotisch verändertes Lymphödem kann erheblich ausgeprägt sein und trotzdem nur wenig Pitting zeigen.
Genau deshalb sollte der Befund niemals isoliert interpretiert werden.
Diese Vorstellung ist zu simpel.
Pitting wird beeinflusst durch:
Der gleiche Mensch kann deshalb an verschiedenen Stellen eines Beins unterschiedlich starkes Pitting zeigen.
Noch nicht vollständig.
Eine Untersuchung von Lymphtherapeutinnen und -therapeuten zeigte große Unterschiede bei:
Die Testdauer variierte in dieser kleinen Untersuchung beispielsweise von nur wenigen Sekunden bis deutlich über eine Minute. PubMed
Das bedeutet:
Zwei Fachpersonen können denselben Patienten etwas unterschiedlich testen.
Wenn jemand sagt:
„Bei mir war das Pitting gestern stärker als heute.“
kann das tatsächlich eine Gewebeveränderung darstellen.
Es kann aber auch daran liegen, dass:
Deshalb ist Pitting kein perfektes Verlaufsinstrument für zu Hause.
Eine 2024 veröffentlichte Untersuchung kombinierte einen Pitting-Test mit hochfrequentem Ultraschall.
Dabei zeigte sich:
als beim nicht betroffenen Vergleichsarm.
Die Forschenden schlugen für wissenschaftlich besser vergleichbare Untersuchungen einen abgestuften 60-Sekunden-Test vor. PubMed
Für den Alltag bedeutet das aber nicht:
Die Untersuchung dient vor allem der besseren wissenschaftlichen Standardisierung.
Gelegentliche Beobachtung ist grundsätzlich möglich.
Für eine Selbstdiagnose eignet sich der Test jedoch nicht.
Problematisch wird es besonders, wenn aus einem selbst gefundenen Ergebnis geschlossen wird:
„Delle = sicher Lymphödem.“
oder:
„Keine Delle = alles in Ordnung.“
Beides ist falsch.
Das hängt von der Körperregion und der Schwellungsverteilung ab.
Bei einem Bein können beispielsweise untersucht werden:
Beim Arm:
Entscheidend ist, wo tatsächlich eine auffällige Schwellung besteht.
Ein Bein besteht nicht überall aus dem gleichen Gewebe.
Unterschiedlich sind beispielsweise:
Deshalb kann ein Unterschenkel deutlich eindrückbar sein, während ein anderer Bereich relativ fest erscheint.
Beim Lymphödem der unteren Extremität ist der Fuß diagnostisch besonders interessant.
Eine Flüssigkeitsschwellung kann dort unter anderem am:
auffallen.
Das unterscheidet sich vom klassischen Lipödem, bei dem die Füße normalerweise ausgespart bleiben. Lymphnetzwerk
Auch andere Ursachen können ein eindrückbares Ödem verursachen.
Zum Beispiel:
Deshalb muss immer die Ursache der Schwellung geklärt werden.
Pitting beantwortet diese Frage nicht.
Ein Lymphödem kann:
auftreten.
Andere Erkrankungen können ebenfalls ein- oder beidseitige Ödeme verursachen.
Die Verteilung ist deshalb ein wichtiger weiterer diagnostischer Hinweis.
Diese beiden Untersuchungen werden häufig verwechselt.
Prüft:
Wie reagiert das Gewebe auf anhaltenden Druck?
Prüft:
Lässt sich eine Hautfalte an Zehe beziehungsweise Finger anheben?
Das sind zwei unterschiedliche Untersuchungen.
Ein positives Stemmer-Zeichen kann einen starken Hinweis auf ein Lymphödem geben.
Ein negatives Stemmer-Zeichen schließt ein Lymphödem jedoch nicht sicher aus. Das beschreibt auch die bestehende LymphNetzwerk-Grundlagenseite. Lymphnetzwerk
Dasselbe Prinzip gilt im Grunde beim Pitting:
Hier knüpft der Artikel direkt an Artikel 100 an.
häufig:
💧 mehr eindrückbare Schwellung
🤏 deutlicheres Pitting.
häufig:
🧱 fester
🤏 weniger eindrückbar.
Fibrose ist aber kein einfacher An/Aus-Schalter.
In einem Bein können gleichzeitig weichere und festere Bereiche vorkommen.
Interessanterweise kann sich die Gewebereaktion während einer Behandlung verändern.
Wenn ein sehr festes Gewebe:
wird, kann sich das Eindrückverhalten verändern.
Deshalb bedeutet:
„Jetzt lässt es sich besser eindrücken“
nicht zwangsläufig:
„Mein Lymphödem ist schlimmer geworden.“
Die Interpretation gehört in den Zusammenhang des gesamten Verlaufs.
Ja.
Wenn Flüssigkeitsbelastung reduziert wird, kann die Eindrückbarkeit geringer werden.
Aber auch zunehmende Gewebefestigkeit kann Pitting reduzieren.
Deshalb sollte auch hier nicht allein aus der Delle auf Therapieerfolg geschlossen werden.
Eine Kombination aus:
ist wesentlich aussagekräftiger. Das entspricht auch der breiteren diagnostischen Betrachtung moderner Lymphödembeurteilung. PubMed
Vor Therapie:
Nach einer Entstauungsphase:
Hier spricht das Gesamtbild für eine Verbesserung.
Vorher:
Jahre später:
Es wäre falsch zu sagen:
„Das Lymphödem ist verschwunden, weil keine Delle mehr entsteht.“
Die geringere Eindrückbarkeit kann vielmehr durch chronischen Gewebeumbau erklärt werden.
In früheren Stadien kann sich ein Lymphödem teilweise durch Hochlagern reduzieren.
Bei fortgeschritteneren Veränderungen ist dieser Effekt häufig geringer.
Auch das liefert klinische Informationen – aber ebenfalls keine alleinige Diagnose. International Society of Lymphology
Der Test sollte normalerweise keine starken Schmerzen verursachen.
Wenn bereits leichter Druck:
auslöst, sollte auch an andere beziehungsweise zusätzliche Ursachen gedacht werden.
Starker Druckschmerz ist beispielsweise eher charakteristisch für ein Lipödem als für ein typisches unkompliziertes Lymphödem. Lymphnetzwerk
Ein häufiger Fehler nach einer Diagnose:
mehrmals täglich testen, ob noch eine Delle entsteht.
Das liefert meist wenig zusätzliche Information.
Außerdem kann ständiges Kontrollieren:
Ein strukturiertes Verlaufskonzept ist sinnvoller.
Auch Menschen ohne Lymphödem können unter bestimmten Umständen vorübergehend eindrückbare Schwellungen entwickeln.
Zum Beispiel nach:
Deshalb sollte auch der zeitliche Zusammenhang betrachtet werden.
Bei einer chronisch-venösen Erkrankung können Unterschenkel und Knöchel ebenfalls:
Weitere Hinweise können sein:
Ein Pitting-Test kann Lymphödem und venöse Erkrankung deshalb nicht zuverlässig voneinander unterscheiden.
Herzinsuffizienz kann beidseitige Beinödeme verursachen.
Sie können ebenfalls eindrückbar sein.
Besonders wichtig sind zusätzliche Symptome wie:
Solche Beschwerden gehören medizinisch abgeklärt.
Auch Nierenerkrankungen können Flüssigkeitsansammlungen verursachen.
Die Verteilung kann sich vom typischen Lymphödem unterscheiden.
Auch hier gilt:
Pitting sagt:
„Dieses Gewebe lässt sich eindrücken.“
Nicht:
„Das ist ein Lymphödem.“
Bestimmte Medikamente können Ödeme fördern.
Wenn eine Schwellung nach Beginn oder Änderung einer Medikation deutlich zunimmt, sollte dies mit der behandelnden Praxis besprochen werden.
Medikamente nicht eigenständig absetzen.
Non-pitting bedeutet:
Nach Druck bleibt keine deutliche beziehungsweise länger sichtbare Delle zurück.
Das kann beispielsweise bei stärker:
Lymphödemgewebe vorkommen. PubMed
Aber auch non-pitting ist kein alleiniger Diagnosebeweis.
Zur Beurteilung gehören beispielsweise:
In unklaren Situationen können zusätzliche bildgebende beziehungsweise lymphologische Untersuchungsverfahren nötig sein. PubMed
Je nach Fragestellung und Verfügbarkeit beispielsweise:
Nicht jede Person mit einem klinisch eindeutigen Lymphödem braucht automatisch alle diese Untersuchungen.
Neuere Forschung nutzt hochfrequenten Ultraschall, um zu untersuchen, was während des Pitting-Tests in:
passiert.
Die Forschung zeigt gerade, dass die Delle eine komplexe Reaktion verschiedener Gewebeschichten darstellt und nicht nur ein einfacher Flüssigkeitstest ist. PubMed
Nach Brustkrebsbehandlung können manche Betroffene ein Armlymphödem entwickeln.
Pitting kann besonders in früheren Stadien vorkommen.
Aber auch:
sind relevant.
Hier können unter anderem untersucht werden:
Gerade beim Bein müssen venöse und andere systemische Ursachen mitberücksichtigt werden.
Auch bei einem primären Lymphödem kann das Gewebe in frühen Stadien eindrückbar sein.
Die Erkrankung kann:
sichtbar werden.
Pitting verrät nicht, ob die Ursache primär oder sekundär ist.
Bei einem sekundären Lymphödem können Hinweise aus der Vorgeschichte besonders wichtig sein.
Zum Beispiel:
Auch hier ist Pitting nur ein Teil der klinischen Beurteilung.
Ja, der Gewebezustand kann sich unter einer wirksamen Kompressionsbehandlung verändern.
Kompression soll beim Lymphödem die Ödemkontrolle unterstützen und das Behandlungsergebnis stabilisieren. PubMed
Der Therapieerfolg sollte jedoch nicht anhand eines täglichen Fingerdrucktests beurteilt werden.
Die Fachperson, die eine Kompressionsversorgung plant, beurteilt idealerweise nicht nur Maße.
Auch:
können für die Auswahl der Versorgung relevant sein.
Das erklärt, warum zwei Menschen mit gleichem Knöchelumfang nicht unbedingt dieselbe Kompressionsversorgung benötigen.
Eigentlich sollte ein einzelnes Pitting-Ergebnis weder beruhigen noch beunruhigen.
Entscheidend ist:
Ist das die bekannte Situation oder hat sich etwas deutlich verändert?
Ein stabiler, ärztlich bekannter Befund ist etwas anderes als eine plötzlich neue Schwellung.
Bei:
🚨 plötzlich neuer einseitiger Beinschwellung
🚨 starken neuen Schmerzen
🚨 Rötung und Überwärmung
🚨 Fieber oder Schüttelfrost
🚨 Atemnot
🚨 Brustschmerz.
Hier sollte kein Selbsttest die medizinische Abklärung verzögern.
Auch bei einer venösen Thrombose kann eine Schwellung entstehen.
Ob diese eindrückbar ist oder nicht, erlaubt zu Hause keinen sicheren Ausschluss einer Thrombose.
Bei plötzlich neuem einseitigem Befund ist medizinische Diagnostik notwendig.
Ein Erysipel kann bei Lymphödem zu:
führen.
Ob gleichzeitig eine Delle vorhanden ist, ist für die Akutentscheidung wesentlich weniger wichtig als diese Warnzeichen.
Zum Beispiel:
„Seit letzter Woche fühlt sich mein Unterschenkel deutlich weicher und stärker geschwollen an.“
oder:
„Früher war die Stelle eindrückbar, inzwischen ist sie deutlich fester geworden.“
Solche Verlaufshinweise sind hilfreicher als:
„Mein Pitting ist heute Stärke 3.“
wenn kein standardisiertes Testverfahren verwendet wurde.
In verschiedenen medizinischen Bereichen werden Skalen wie:
verwendet.
Sie versuchen Tiefe beziehungsweise Erholungszeit der Delle einzuschätzen.
Für das Lymphödem sind solche Skalen jedoch nicht überall einheitlich standardisiert.
Die wissenschaftliche Literatur weist gerade auf erhebliche Unterschiede in der Durchführung hin. PubMed
Online findet man Tabellen wie:
2 mm = Grad 1
4 mm = Grad 2
6 mm = Grad 3
Solche vereinfachten Tabellen sollten nicht als exakter Selbstdiagnosetest für Lymphödem verwendet werden.
Die Gewebeantwort ist komplexer.
Ein Fachteam kann Pitting nutzen, um zusammen mit anderen Befunden einzuschätzen:
Die Therapieentscheidung basiert aber auf dem Gesamtbefund.
Nach anhaltendem Fingerdruck bleibt vorübergehend eine Delle im Gewebe zurück. Das spricht für eine gewisse Eindrückbarkeit des geschwollenen Gewebes.
Es kann besonders bei frühem beziehungsweise weicherem Lymphödem auftreten. Mit zunehmender Fibrose kann es geringer werden. PubMed Central (PMC)
Nein. Auch andere Ödemursachen können Pitting verursachen.
Nein. Chronisch fibrotisch oder fibroadipös verändertes Lymphödemgewebe kann nur wenig eindrückbar sein.
Nicht zuverlässig. Neuere Untersuchungen zeigen, dass auch strukturelle Eigenschaften von Haut und Unterhaut die Pitting-Reaktion beeinflussen. PubMed
Es gibt bislang keinen weltweit einheitlich standardisierten klinischen Pitting-Test. Gerade deshalb sollte zu Hause kein exakter Sekundenwert zur Selbstdiagnose verwendet werden. PubMed
Es kann sich verändern. Das kann sowohl mit weniger Flüssigkeit als auch mit Veränderungen der Gewebestruktur zusammenhängen. Der gesamte Verlauf muss betrachtet werden.
Nein. Beim Pitting wird die Eindrückbarkeit geprüft. Beim Stemmer-Zeichen geht es darum, ob sich eine Hautfalte an Zehe oder Finger anheben lässt.
Ein klassisches reines Lipödem benötigt kein nachweisbares Ödem als Diagnosemerkmal. Deutliches Pitting sollte deshalb Anlass sein, zusätzliche Ursachen zu prüfen. Lymphnetzwerk
Nein. Für die Verlaufskontrolle sind standardisierte Messungen und die klinische Gesamtbeurteilung sinnvoller.
Viele Betroffene lernen früh:
„Drück mal auf das Bein – wenn eine Delle bleibt, ist es Lymphödem.“
So einfach funktioniert Diagnostik leider nicht.
Die bessere Aussage lautet:
Eine Delle kann ein wichtiges Puzzleteil sein.
Aber erst zusammen mit:
entsteht ein medizinisch sinnvolles Bild.
➡ Fibrose beim Lymphödem
➡ Schweregefühl und Spannungsgefühl beim Lymphödem
➡ Was ist ein Lymphödem?
➡ Lymphödem oder Lipödem – Unterschiede
➡ Arztberichte und Befunde verstehen
➡ Therapieerfolg beim Lymphödem messen
➡ Kompressionsversorgung richtig messen
➡ Stemmer-Zeichen und klinische Untersuchung
Kräftige symmetrische Beine ohne Schmerzen: Ist das trotzdem ein Lipödem? Erfahren Sie den Unterschied zwischen Lipohypertrophie und Lipödem und warum das Aussehen allein keine Diagnose erlaubt.
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