Pitting beim Lymphödem – Was die Delle im Gewebe wirklich aussagt

„Eine Therapeutin untersucht bei einer Frau mit Lymphödem und hautfarbener medizinischer Kompressionsversorgung vorsichtig das Gewebe am Unterschenkel. Eine Infografik zeigt, wie nach Fingerdruck bei weicherem Lymphödem eine vorübergehende Delle entstehen kann.“

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • 🤏 Pitting bedeutet, dass nach anhaltendem Druck auf geschwollenes Gewebe vorübergehend eine Delle zurückbleibt.
  • 💧 Bei einem frühen beziehungsweise weicheren Lymphödem kann Pitting deutlich ausgeprägt sein.
  • 🧱 Mit zunehmendem fibrotischem und fibroadipösem Gewebeumbau kann die Eindrückbarkeit abnehmen.
  • ⚠️ Kein Pitting bedeutet nicht automatisch: kein Lymphödem.
  • 📏 Die Tiefe einer Delle zeigt nicht zuverlässig, wie viel Flüssigkeit insgesamt im Arm oder Bein vorhanden ist.
  • 🩺 Pitting ist nur ein Baustein der klinischen Untersuchung.
  • 👣 Verteilung der Schwellung, Haut, Stemmer-Zeichen, Gewebekonsistenz, Umfang und Krankengeschichte müssen mitbeurteilt werden.
  • 🚨 Eine plötzlich neue einseitige Schwellung darf nicht durch einen selbst durchgeführten Pitting-Test „diagnostiziert“ werden.

Kurz erklärt

Eine Ärztin oder Therapeutin drückt mit dem Finger auf das geschwollene Gewebe.

Nach einigen Sekunden wird der Finger weggenommen.

Zurück bleibt eine kleine:

Delle.

Diese Eindrückbarkeit nennt man:

Pitting

oder:

Pitting-Ödem.

Bei einem Lymphödem kann Pitting wichtige Informationen über die aktuelle Gewebesituation liefern.

Aber:

Der Test sagt deutlich weniger aus, als viele Menschen vermuten.

💚 Das Wichtigste für Betroffene

Eine Delle nach Fingerdruck kann auf ein weicheres, flüssigkeitsreicheres Gewebe hinweisen. Sie beweist aber weder allein ein Lymphödem noch zeigt ihre Tiefe zuverlässig die gesamte Ödemmenge.

Die Diagnose entsteht aus dem Gesamtbild.

Was bedeutet „pitting“ überhaupt?

Das englische Wort:

pit

bedeutet ungefähr:

Vertiefung oder Mulde.

Beim Pitting-Test wird über eine gewisse Zeit Druck auf das Gewebe ausgeübt.

Wenn das Gewebe nach dem Loslassen nicht sofort in seine ursprüngliche Form zurückkehrt, bleibt kurzzeitig eine sicht- oder tastbare Vertiefung.

Warum entsteht eine Delle?

Bei Flüssigkeitsansammlung im Gewebe kann Druck einen Teil der Flüssigkeit lokal verdrängen.

Nach dem Loslassen braucht das Gewebe Zeit, um wieder seine ursprüngliche Form anzunehmen.

Das kann als Delle sichtbar werden.

Vereinfacht:

Druck

Gewebe wird lokal verdrängt

Finger weg

vorübergehende Vertiefung

Ist Pitting typisch für ein Lymphödem?

Es kann typisch sein – besonders in früheren beziehungsweise weicheren Stadien.

Klassische klinische Beschreibungen zeigen:

Bei einem frühen Lymphödem kann das Gewebe gut eindrückbar sein.

Mit zunehmender Krankheitsdauer können:

  • Fibrose,
  • Fettgewebsvermehrung,
  • Hautveränderungen

dazu führen, dass das Gewebe fester wird und weniger deutlich eindrückbar ist. PubMed Central (PMC)

Pitting und Lymphödemstadien

Der aktuelle Konsensus der International Society of Lymphology unterscheidet verschiedene klinische Stadien des Lymphödems. Dabei spielt unter anderem eine Rolle, wie sich die Schwellung und das Gewebe verhalten. PubMed

Vereinfacht:

Stadium I

Das Ödem ist häufig:

  • relativ weich,
  • teilweise durch Hochlagern rückläufig,
  • oft gut eindrückbar.

Pitting kann deutlich sein.

Stadium II

Die Schwellung bildet sich durch Hochlagern nicht mehr zuverlässig zurück.

Anfangs kann weiterhin Pitting bestehen.

Mit zunehmender:

  • Fibrosierung,
  • Fettgewebsvermehrung

kann die Eindrückbarkeit geringer werden.

Stadium III

Bei ausgeprägten chronischen Gewebe- und Hautveränderungen kann das Gewebe sehr fest sein.

Pitting kann dann deutlich schwächer ausgeprägt oder schwerer festzustellen sein.

Bedeutet eine tiefe Delle ein schweres Lymphödem?

Nein.

Das ist einer der wichtigsten Punkte dieses Artikels.

Eine neuere Untersuchung mit hochauflösendem Ultraschall zeigt, dass Pitting nicht ausschließlich durch die vorhandene Ödemmenge bestimmt wird.

Auch Eigenschaften von:

  • Haut,
  • Unterhaut,
  • Gewebestruktur

beeinflussen, wie tief eine Delle entsteht und wie lange sie sichtbar bleibt. PubMed

Deshalb gilt:

Tiefe Delle ≠ automatisch großes Lymphödem.

Und umgekehrt?

Auch:

kaum Delle ≠ kleines Lymphödem.

Ein stärker fibrotisch verändertes Lymphödem kann erheblich ausgeprägt sein und trotzdem nur wenig Pitting zeigen.

Genau deshalb sollte der Befund niemals isoliert interpretiert werden.

Pitting zeigt nicht einfach „wie viel Wasser drin ist“

Diese Vorstellung ist zu simpel.

Pitting wird beeinflusst durch:

  • Flüssigkeitsanteil,
  • Gewebedichte,
  • Fibrose,
  • Fettgewebe,
  • Haut,
  • Druckstärke,
  • Druckdauer,
  • untersuchte Stelle.

Der gleiche Mensch kann deshalb an verschiedenen Stellen eines Beins unterschiedlich starkes Pitting zeigen.

Ist der Pitting-Test standardisiert?

Noch nicht vollständig.

Eine Untersuchung von Lymphtherapeutinnen und -therapeuten zeigte große Unterschiede bei:

  • Druckdauer,
  • Druckstärke,
  • Größe der Kontaktfläche.

Die Testdauer variierte in dieser kleinen Untersuchung beispielsweise von nur wenigen Sekunden bis deutlich über eine Minute. PubMed

Das bedeutet:

Zwei Fachpersonen können denselben Patienten etwas unterschiedlich testen.

Warum ist das wichtig?

Wenn jemand sagt:

„Bei mir war das Pitting gestern stärker als heute.“

kann das tatsächlich eine Gewebeveränderung darstellen.

Es kann aber auch daran liegen, dass:

  • stärker gedrückt wurde,
  • länger gedrückt wurde,
  • eine andere Stelle getestet wurde.

Deshalb ist Pitting kein perfektes Verlaufsinstrument für zu Hause.

Neuere Forschung zur Standardisierung

Eine 2024 veröffentlichte Untersuchung kombinierte einen Pitting-Test mit hochfrequentem Ultraschall.

Dabei zeigte sich:

  • Lymphödemgewebe pitted häufiger,
  • die Dellen waren im Durchschnitt tiefer,
  • die Erholung dauerte länger

als beim nicht betroffenen Vergleichsarm.

Die Forschenden schlugen für wissenschaftlich besser vergleichbare Untersuchungen einen abgestuften 60-Sekunden-Test vor. PubMed

Für den Alltag bedeutet das aber nicht:

Jeder Betroffene sollte zu Hause 60 Sekunden lang auf sein Bein drücken.

Die Untersuchung dient vor allem der besseren wissenschaftlichen Standardisierung.

Sollte ich selbst einen Pitting-Test machen?

Gelegentliche Beobachtung ist grundsätzlich möglich.

Für eine Selbstdiagnose eignet sich der Test jedoch nicht.

Problematisch wird es besonders, wenn aus einem selbst gefundenen Ergebnis geschlossen wird:

„Delle = sicher Lymphödem.“

oder:

„Keine Delle = alles in Ordnung.“

Beides ist falsch.

Wo wird Pitting untersucht?

Das hängt von der Körperregion und der Schwellungsverteilung ab.

Bei einem Bein können beispielsweise untersucht werden:

  • Fußrücken,
  • Knöchel,
  • Unterschenkel.

Beim Arm:

  • Handrücken,
  • Unterarm,
  • Oberarm.

Entscheidend ist, wo tatsächlich eine auffällige Schwellung besteht.

Warum können verschiedene Stellen unterschiedlich reagieren?

Ein Bein besteht nicht überall aus dem gleichen Gewebe.

Unterschiedlich sind beispielsweise:

  • Fettgewebsdicke,
  • Nähe zum Knochen,
  • Muskelanteil,
  • Hautdicke,
  • Gewebeumbau.

Deshalb kann ein Unterschenkel deutlich eindrückbar sein, während ein anderer Bereich relativ fest erscheint.

Pitting am Fuß

Beim Lymphödem der unteren Extremität ist der Fuß diagnostisch besonders interessant.

Eine Flüssigkeitsschwellung kann dort unter anderem am:

  • Fußrücken,
  • Zehenbereich

auffallen.

Das unterscheidet sich vom klassischen Lipödem, bei dem die Füße normalerweise ausgespart bleiben. Lymphnetzwerk

Aber Pitting am Fuß bedeutet nicht automatisch Lymphödem

Auch andere Ursachen können ein eindrückbares Ödem verursachen.

Zum Beispiel:

  • venöse Erkrankungen,
  • Herzinsuffizienz,
  • Nierenerkrankungen,
  • Medikamente,
  • langes Stehen.

Deshalb muss immer die Ursache der Schwellung geklärt werden.

Einseitig oder beidseitig?

Pitting beantwortet diese Frage nicht.

Ein Lymphödem kann:

  • einseitig,
  • beidseitig

auftreten.

Andere Erkrankungen können ebenfalls ein- oder beidseitige Ödeme verursachen.

Die Verteilung ist deshalb ein wichtiger weiterer diagnostischer Hinweis.

Pitting versus Stemmer-Zeichen

Diese beiden Untersuchungen werden häufig verwechselt.

Pitting-Test

Prüft:

Wie reagiert das Gewebe auf anhaltenden Druck?

Stemmer-Zeichen

Prüft:

Lässt sich eine Hautfalte an Zehe beziehungsweise Finger anheben?

Das sind zwei unterschiedliche Untersuchungen.

Was bedeutet ein positives Stemmer-Zeichen?

Ein positives Stemmer-Zeichen kann einen starken Hinweis auf ein Lymphödem geben.

Ein negatives Stemmer-Zeichen schließt ein Lymphödem jedoch nicht sicher aus. Das beschreibt auch die bestehende LymphNetzwerk-Grundlagenseite. Lymphnetzwerk

Dasselbe Prinzip gilt im Grunde beim Pitting:

Ein einzelner Befund entscheidet nicht die gesamte Diagnose.

Pitting versus Fibrose

Hier knüpft der Artikel direkt an Artikel 100 an.

Weicheres Lymphödem

häufig:

💧 mehr eindrückbare Schwellung

🤏 deutlicheres Pitting.

stärker chronisch umgebautes Gewebe

häufig:

🧱 fester

🤏 weniger eindrückbar.

Fibrose ist aber kein einfacher An/Aus-Schalter.

In einem Bein können gleichzeitig weichere und festere Bereiche vorkommen.

Kann Pitting unter Therapie zunehmen?

Interessanterweise kann sich die Gewebereaktion während einer Behandlung verändern.

Wenn ein sehr festes Gewebe:

  • weicher,
  • beweglicher

wird, kann sich das Eindrückverhalten verändern.

Deshalb bedeutet:

„Jetzt lässt es sich besser eindrücken“

nicht zwangsläufig:

„Mein Lymphödem ist schlimmer geworden.“

Die Interpretation gehört in den Zusammenhang des gesamten Verlaufs.

Kann Pitting unter Therapie abnehmen?

Ja.

Wenn Flüssigkeitsbelastung reduziert wird, kann die Eindrückbarkeit geringer werden.

Aber auch zunehmende Gewebefestigkeit kann Pitting reduzieren.

Deshalb sollte auch hier nicht allein aus der Delle auf Therapieerfolg geschlossen werden.

Wie misst man Therapieerfolg besser?

Eine Kombination aus:

📏 Umfang beziehungsweise Volumen

🤏 Gewebebeschaffenheit

🧴 Haut

🚶 Funktion

🧦 Kompressionspassform

💚 Beschwerden und Lebensqualität

ist wesentlich aussagekräftiger. Das entspricht auch der breiteren diagnostischen Betrachtung moderner Lymphödembeurteilung. PubMed

Ein Beispiel

Vor Therapie:

  • Unterschenkelumfang 46 cm
  • deutliches Pitting
  • starke Spannung
  • Kompression passt schlecht.

Nach einer Entstauungsphase:

  • Umfang 42 cm
  • weniger Pitting
  • weniger Spannung
  • bessere Beweglichkeit.

Hier spricht das Gesamtbild für eine Verbesserung.

Noch ein Beispiel

Vorher:

  • mäßige Schwellung
  • deutliches Pitting.

Jahre später:

  • Bein stärker vergrößert
  • sehr festes Gewebe
  • kaum Pitting.

Es wäre falsch zu sagen:

„Das Lymphödem ist verschwunden, weil keine Delle mehr entsteht.“

Die geringere Eindrückbarkeit kann vielmehr durch chronischen Gewebeumbau erklärt werden.

Warum Hochlagern zusätzlich interessant ist

In früheren Stadien kann sich ein Lymphödem teilweise durch Hochlagern reduzieren.

Bei fortgeschritteneren Veränderungen ist dieser Effekt häufig geringer.

Auch das liefert klinische Informationen – aber ebenfalls keine alleinige Diagnose. International Society of Lymphology

Ist Pitting schmerzhaft?

Der Test sollte normalerweise keine starken Schmerzen verursachen.

Wenn bereits leichter Druck:

  • starke Schmerzen,
  • ausgeprägte Berührungsempfindlichkeit

auslöst, sollte auch an andere beziehungsweise zusätzliche Ursachen gedacht werden.

Starker Druckschmerz ist beispielsweise eher charakteristisch für ein Lipödem als für ein typisches unkompliziertes Lymphödem. Lymphnetzwerk

Nicht ständig auf das Gewebe drücken

Ein häufiger Fehler nach einer Diagnose:

mehrmals täglich testen, ob noch eine Delle entsteht.

Das liefert meist wenig zusätzliche Information.

Außerdem kann ständiges Kontrollieren:

  • Haut reizen,
  • Sorge verstärken,
  • normale Schwankungen überbewerten.

Ein strukturiertes Verlaufskonzept ist sinnvoller.

Pitting nach langem Sitzen

Auch Menschen ohne Lymphödem können unter bestimmten Umständen vorübergehend eindrückbare Schwellungen entwickeln.

Zum Beispiel nach:

  • sehr langem Sitzen,
  • langem Stehen,
  • hohen Temperaturen.

Deshalb sollte auch der zeitliche Zusammenhang betrachtet werden.

Venöses Ödem

Bei einer chronisch-venösen Erkrankung können Unterschenkel und Knöchel ebenfalls:

  • anschwellen,
  • eindrückbar sein.

Weitere Hinweise können sein:

  • Varizen,
  • Hautverfärbungen,
  • Beschwerden nach langem Stehen.

Ein Pitting-Test kann Lymphödem und venöse Erkrankung deshalb nicht zuverlässig voneinander unterscheiden.

Herzbedingte Ödeme

Herzinsuffizienz kann beidseitige Beinödeme verursachen.

Sie können ebenfalls eindrückbar sein.

Besonders wichtig sind zusätzliche Symptome wie:

  • Atemnot,
  • eingeschränkte Belastbarkeit,
  • rasche Gewichtszunahme.

Solche Beschwerden gehören medizinisch abgeklärt.

Nierenbedingte Ödeme

Auch Nierenerkrankungen können Flüssigkeitsansammlungen verursachen.

Die Verteilung kann sich vom typischen Lymphödem unterscheiden.

Auch hier gilt:

Pitting sagt:

„Dieses Gewebe lässt sich eindrücken.“

Nicht:

„Das ist ein Lymphödem.“

Medikamente

Bestimmte Medikamente können Ödeme fördern.

Wenn eine Schwellung nach Beginn oder Änderung einer Medikation deutlich zunimmt, sollte dies mit der behandelnden Praxis besprochen werden.

Medikamente nicht eigenständig absetzen.

Was bedeutet „non-pitting“?

Non-pitting bedeutet:

Nach Druck bleibt keine deutliche beziehungsweise länger sichtbare Delle zurück.

Das kann beispielsweise bei stärker:

  • fibrotischem,
  • fibroadipösem

Lymphödemgewebe vorkommen. PubMed

Aber auch non-pitting ist kein alleiniger Diagnosebeweis.

Lymphödem ist mehr als Pitting

Zur Beurteilung gehören beispielsweise:

  • Anamnese,
  • Beginn und Verlauf,
  • Symmetrie,
  • Hand- beziehungsweise Fußbeteiligung,
  • Umfang,
  • Gewebe,
  • Haut,
  • Stemmer-Zeichen,
  • Beschwerden.

In unklaren Situationen können zusätzliche bildgebende beziehungsweise lymphologische Untersuchungsverfahren nötig sein. PubMed

Welche Bildgebung gibt es?

Je nach Fragestellung und Verfügbarkeit beispielsweise:

  • Lymphszintigraphie,
  • Indocyaningrün-Lymphographie,
  • Ultraschall,
  • MR-Lymphographie.

Nicht jede Person mit einem klinisch eindeutigen Lymphödem braucht automatisch alle diese Untersuchungen.

Kann Ultraschall Pitting erklären?

Neuere Forschung nutzt hochfrequenten Ultraschall, um zu untersuchen, was während des Pitting-Tests in:

  • Haut,
  • Unterhaut

passiert.

Die Forschung zeigt gerade, dass die Delle eine komplexe Reaktion verschiedener Gewebeschichten darstellt und nicht nur ein einfacher Flüssigkeitstest ist. PubMed

Pitting bei Armlymphödem

Nach Brustkrebsbehandlung können manche Betroffene ein Armlymphödem entwickeln.

Pitting kann besonders in früheren Stadien vorkommen.

Aber auch:

  • Umfangsunterschied,
  • Schweregefühl,
  • Spannungsgefühl,
  • Handbeteiligung

sind relevant.

Pitting bei Beinlymphödem

Hier können unter anderem untersucht werden:

  • Fußrücken,
  • Knöchel,
  • Unterschenkel.

Gerade beim Bein müssen venöse und andere systemische Ursachen mitberücksichtigt werden.

Primäres Lymphödem

Auch bei einem primären Lymphödem kann das Gewebe in frühen Stadien eindrückbar sein.

Die Erkrankung kann:

  • im Kindesalter,
  • in Jugend oder Erwachsenenalter

sichtbar werden.

Pitting verrät nicht, ob die Ursache primär oder sekundär ist.

Sekundäres Lymphödem

Bei einem sekundären Lymphödem können Hinweise aus der Vorgeschichte besonders wichtig sein.

Zum Beispiel:

  • Lymphknotenoperation,
  • Strahlentherapie,
  • Verletzung,
  • Tumorerkrankung.

Auch hier ist Pitting nur ein Teil der klinischen Beurteilung.

Kann meine Kompression Pitting beeinflussen?

Ja, der Gewebezustand kann sich unter einer wirksamen Kompressionsbehandlung verändern.

Kompression soll beim Lymphödem die Ödemkontrolle unterstützen und das Behandlungsergebnis stabilisieren. PubMed

Der Therapieerfolg sollte jedoch nicht anhand eines täglichen Fingerdrucktests beurteilt werden.

Sollte ich vor dem Anmessen auf Pitting achten?

Die Fachperson, die eine Kompressionsversorgung plant, beurteilt idealerweise nicht nur Maße.

Auch:

  • Gewebe,
  • Form,
  • Hautfalten,
  • Festigkeit

können für die Auswahl der Versorgung relevant sein.

Das erklärt, warum zwei Menschen mit gleichem Knöchelumfang nicht unbedingt dieselbe Kompressionsversorgung benötigen.

Wann ist Pitting eher beruhigend?

Eigentlich sollte ein einzelnes Pitting-Ergebnis weder beruhigen noch beunruhigen.

Entscheidend ist:

Ist das die bekannte Situation oder hat sich etwas deutlich verändert?

Ein stabiler, ärztlich bekannter Befund ist etwas anderes als eine plötzlich neue Schwellung.

Wann muss ich trotz Pitting dringend reagieren?

Bei:

🚨 plötzlich neuer einseitiger Beinschwellung

🚨 starken neuen Schmerzen

🚨 Rötung und Überwärmung

🚨 Fieber oder Schüttelfrost

🚨 Atemnot

🚨 Brustschmerz.

Hier sollte kein Selbsttest die medizinische Abklärung verzögern.

Pitting bei einer Thrombose?

Auch bei einer venösen Thrombose kann eine Schwellung entstehen.

Ob diese eindrückbar ist oder nicht, erlaubt zu Hause keinen sicheren Ausschluss einer Thrombose.

Bei plötzlich neuem einseitigem Befund ist medizinische Diagnostik notwendig.

Pitting bei Erysipel?

Ein Erysipel kann bei Lymphödem zu:

  • Rötung,
  • Wärme,
  • Schwellungszunahme,
  • Schmerzen,
  • Fieber

führen.

Ob gleichzeitig eine Delle vorhanden ist, ist für die Akutentscheidung wesentlich weniger wichtig als diese Warnzeichen.

Was sollte ich meinem Behandlungsteam sagen?

Zum Beispiel:

„Seit letzter Woche fühlt sich mein Unterschenkel deutlich weicher und stärker geschwollen an.“

oder:

„Früher war die Stelle eindrückbar, inzwischen ist sie deutlich fester geworden.“

Solche Verlaufshinweise sind hilfreicher als:

„Mein Pitting ist heute Stärke 3.“

wenn kein standardisiertes Testverfahren verwendet wurde.

Gibt es Pitting-Stufen von 1+ bis 4+?

In verschiedenen medizinischen Bereichen werden Skalen wie:

  • 1+
  • 2+
  • 3+
  • 4+

verwendet.

Sie versuchen Tiefe beziehungsweise Erholungszeit der Delle einzuschätzen.

Für das Lymphödem sind solche Skalen jedoch nicht überall einheitlich standardisiert.

Die wissenschaftliche Literatur weist gerade auf erhebliche Unterschiede in der Durchführung hin. PubMed

Deshalb Vorsicht bei Tabellen aus dem Internet

Online findet man Tabellen wie:

2 mm = Grad 1

4 mm = Grad 2

6 mm = Grad 3

Solche vereinfachten Tabellen sollten nicht als exakter Selbstdiagnosetest für Lymphödem verwendet werden.

Die Gewebeantwort ist komplexer.

Pitting und Therapieentscheidung

Ein Fachteam kann Pitting nutzen, um zusammen mit anderen Befunden einzuschätzen:

  • wie weich das Gewebe ist,
  • wie ausgeprägt der Flüssigkeitsanteil erscheint,
  • wie sich der Befund im Verlauf verändert.

Die Therapieentscheidung basiert aber auf dem Gesamtbefund.

Checkliste: Was sagt mein Gewebe?

  • sichtbare Schwellung?
  • Delle nach Druck?
  • Gewebe weich oder fest?
  • Fuß oder Hand beteiligt?
  • Haut verändert?
  • Umfang verändert?
  • Spannungsgefühl?
  • Beweglichkeit verändert?
  • Befund ein- oder beidseitig?
  • plötzlich oder langsam entstanden?

Checkliste für den Arzt- oder Therapietermin

  • Seit wann besteht die Schwellung?
  • Hat sich die Eindrückbarkeit verändert?
  • Welche Körperregion ist betroffen?
  • Wie entwickelt sich der Umfang?
  • Bestehen Schmerzen?
  • Gibt es Hautveränderungen?
  • Passt die Kompression?
  • Gab es Operationen oder Bestrahlung?
  • Gibt es Herz-, Nieren- oder Venenerkrankungen?
  • Welche Medikamente werden eingenommen?

Häufige Fragen

Was bedeutet Pitting beim Lymphödem?

Nach anhaltendem Fingerdruck bleibt vorübergehend eine Delle im Gewebe zurück. Das spricht für eine gewisse Eindrückbarkeit des geschwollenen Gewebes.

Ist Pitting typisch für ein frühes Lymphödem?

Es kann besonders bei frühem beziehungsweise weicherem Lymphödem auftreten. Mit zunehmender Fibrose kann es geringer werden. PubMed Central (PMC)

Beweist eine Delle ein Lymphödem?

Nein. Auch andere Ödemursachen können Pitting verursachen.

Schließt fehlendes Pitting ein Lymphödem aus?

Nein. Chronisch fibrotisch oder fibroadipös verändertes Lymphödemgewebe kann nur wenig eindrückbar sein.

Zeigt eine tiefe Delle viel Flüssigkeit?

Nicht zuverlässig. Neuere Untersuchungen zeigen, dass auch strukturelle Eigenschaften von Haut und Unterhaut die Pitting-Reaktion beeinflussen. PubMed

Wie lange muss ich drücken?

Es gibt bislang keinen weltweit einheitlich standardisierten klinischen Pitting-Test. Gerade deshalb sollte zu Hause kein exakter Sekundenwert zur Selbstdiagnose verwendet werden. PubMed

Kann Pitting durch Therapie verschwinden?

Es kann sich verändern. Das kann sowohl mit weniger Flüssigkeit als auch mit Veränderungen der Gewebestruktur zusammenhängen. Der gesamte Verlauf muss betrachtet werden.

Ist Pitting das gleiche wie das Stemmer-Zeichen?

Nein. Beim Pitting wird die Eindrückbarkeit geprüft. Beim Stemmer-Zeichen geht es darum, ob sich eine Hautfalte an Zehe oder Finger anheben lässt.

Kann Lipödem Pitting verursachen?

Ein klassisches reines Lipödem benötigt kein nachweisbares Ödem als Diagnosemerkmal. Deutliches Pitting sollte deshalb Anlass sein, zusätzliche Ursachen zu prüfen. Lymphnetzwerk

Muss ich täglich testen?

Nein. Für die Verlaufskontrolle sind standardisierte Messungen und die klinische Gesamtbeurteilung sinnvoller.

Erfahrungen aus dem LymphNetzwerk

Viele Betroffene lernen früh:

„Drück mal auf das Bein – wenn eine Delle bleibt, ist es Lymphödem.“

So einfach funktioniert Diagnostik leider nicht.

Die bessere Aussage lautet:

„Pitting beschreibt das Verhalten des Gewebes – nicht die Ursache allein.“

Eine Delle kann ein wichtiges Puzzleteil sein.

Aber erst zusammen mit:

  • Verteilung,
  • Haut,
  • Gewebe,
  • Umfang,
  • Hand- beziehungsweise Fußbeteiligung,
  • Krankengeschichte

entsteht ein medizinisch sinnvolles Bild.

Weiterführende Artikel

➡ Fibrose beim Lymphödem

➡ Schweregefühl und Spannungsgefühl beim Lymphödem

➡ Was ist ein Lymphödem?

Lymphödem oder Lipödem – Unterschiede

➡ Arztberichte und Befunde verstehen

➡ Therapieerfolg beim Lymphödem messen

➡ Kompressionsversorgung richtig messen

➡ Stemmer-Zeichen und klinische Untersuchung


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