Viele Betroffene sagen:
„Meine Beine fühlen sich abends total geschwollen an.“
oder:
„Es fühlt sich an, als wäre überall Wasser drin.“
Gerade beim Lipödem ist diese Wahrnehmung verständlich.
Das Gewebe kann sich:
anfühlen.
Trotzdem ist eine wichtige medizinische Unterscheidung notwendig:
Sie dürfen Ihrem Körpergefühl vertrauen – aber das Gefühl „geschwollen“ sagt noch nicht, was die Ursache dieses Gefühls ist.
Beim Lipödem können Beschwerden deutlich sein, obwohl keine relevante lymphatische Flüssigkeitsansammlung nachgewiesen wird.
Im Alltag wird fast jede Umfangszunahme als:
Schwellung
bezeichnet.
Medizinisch kann dahinter jedoch Unterschiedliches stecken.
Zum Beispiel:
Deshalb ist die Frage:
„Ist mein Bein dicker?“
nicht dasselbe wie:
„Liegt ein Ödem vor?“
Ein Ödem bedeutet, dass sich vermehrt Flüssigkeit im Gewebe befindet.
Je nach Ursache kann dies entstehen bei:
Ein Ödem ist also zunächst ein Befund – keine einzelne Diagnose.
Beim Lymphödem ist die Transportkapazität des lymphatischen Systems vermindert.
Dadurch kann sich eiweißreiche Flüssigkeit im Gewebe ansammeln.
Typische Merkmale können sein:
Die bestehende LymphNetzwerk-Wiki erklärt diese Unterschiede bereits grundsätzlich. Lymphnetzwerk
Beim Lipödem steht eine andere Erkrankung im Mittelpunkt.
Die aktuelle deutsche Leitlinie beschreibt das Lipödem ausdrücklich als:
Erkrankung mit disproportionaler Fettgewebsverteilung.
Sie stellt zugleich klar, dass es primär keine Ödemerkrankung und keine lymphatische Funktionsstörung ist. Lymphologen.de
Das ist für das Verständnis enorm wichtig.
Der Name ist historisch gewachsen.
Er kann den Eindruck vermitteln:
„Lip = Fett, Ödem = Wasser – also Fett plus Lymphstau.“
Genau diese Vorstellung ist heute zu einfach.
Die moderne Lipödem-Leitlinie betont deshalb stärker:
Das ist wahrscheinlich nicht bei jeder Betroffenen durch denselben Mechanismus erklärbar.
Das Gefühl kann beeinflusst werden durch:
Ein subjektives Gefühl von:
„mehr Fülle“
kann also vorhanden sein, ohne dass eine klassische lymphatische Flüssigkeitsansammlung nachgewiesen ist.
Wichtig:
Nur weil nicht automatisch ein Lymphödem dahintersteht, bedeutet das nicht:
„Das Gefühl ist eingebildet.“
Das Schwellungsgefühl ist eine reale Wahrnehmung.
Die medizinische Aufgabe besteht lediglich darin, seine Ursache korrekt einzuordnen.
kann sich das Gewebe geschwollen anfühlen.
besteht tatsächlich eine Störung des lymphatischen Flüssigkeitstransports.
Diese beiden Situationen dürfen sprachlich nicht gleichgesetzt werden.
Weil sonst das Therapieziel falsch formuliert wird.
Bei einem Lymphödem kann das Ziel sein:
Beim Lipödem dagegen:
Genau deshalb empfiehlt die Lipödem-Leitlinie Kompression primär zur Beschwerde- und Schmerzreduktion. Lymphologen.de
Das kann verschiedene Ursachen haben.
Möglicherweise verändern sich über den Tag:
Eine kleine tageszeitliche Umfangsschwankung beweist deshalb nicht automatisch ein Lymphödem.
Dieser Satz ist zentral:
Beim Lipödem kann der Umfang wesentlich durch das veränderte Unterhautfettgewebe bestimmt sein.
Auch bei zusätzlicher Adipositas kann das Beinvolumen steigen.
Deshalb kann aus einem Maßbandwert allein nicht abgeleitet werden:
„Hier steckt Lymphflüssigkeit.“
Bei einem frühen Lymphödem kann Hochlagern manchmal einen Teil der Schwellung reduzieren.
Beim Lipödem verändert Hochlagern das krankhaft vermehrte Fettgewebe dagegen nicht wesentlich. Auch die bestehende Wiki nutzt diesen Unterschied zur diagnostischen Orientierung. Lymphnetzwerk
Wenn sich Beine nach Hochlagern angenehmer anfühlen, bedeutet das deshalb noch nicht automatisch:
„Dann war es Lymphstau.“
Ja.
Ein Mensch mit Lipödem kann selbstverständlich zusätzlich andere Erkrankungen haben.
Zum Beispiel:
Dann kann tatsächlich zusätzlich Flüssigkeit im Gewebe vorhanden sein.
Das ist ein wichtiger Sonderfall.
Eine Patientin kann haben:
und zusätzlich:
Dann müssen beide Diagnosen separat beurteilt werden.
Die bestehende LymphNetzwerk-Wiki weist ebenfalls darauf hin, dass beide Erkrankungen gleichzeitig vorkommen können. Lymphnetzwerk
Hinweise können beispielsweise sein:
Aber:
Keines dieser Zeichen sollte allein zur Selbstdiagnose verwendet werden.
Beim klassischen Lipödem bleiben Füße normalerweise ausgespart.
Dadurch kann ein auffälliger Übergang im Bereich des Knöchels entstehen.
Wenn dagegen:
deutlich neu anschwellen, sollte geprüft werden, ob möglicherweise eine andere oder zusätzliche Ursache besteht. Lymphnetzwerk
Bei einem reinen Lipödem der Arme bleiben Hände typischerweise ausgespart.
Eine deutliche Handschwellung gehört deshalb nicht einfach selbstverständlich zum Lipödem.
Sie sollte medizinisch eingeordnet werden.
Bei einem Flüssigkeitsödem kann Druck mit dem Finger manchmal eine vorübergehende Delle hinterlassen.
Das nennt man:
Beim Lipödem selbst ist ein klassisches Pitting-Ödem kein notwendiges Diagnosemerkmal.
Wenn ein deutliches neues Pitting auftritt, sollte deshalb nach anderen beziehungsweise zusätzlichen Ursachen gesucht werden.
Man kann eine auffällige Veränderung beobachten.
Aber:
Die medizinische Beurteilung sollte nicht allein auf einem selbst durchgeführten Fingerdrucktest beruhen.
Gewebe:
kann unterschiedlich reagieren.
Das Stemmer-Zeichen wird vor allem bei der Beurteilung eines Lymphödems verwendet.
Dabei wird versucht, eine Hautfalte an Zehe beziehungsweise Finger anzuheben.
Ein positives Stemmer-Zeichen kann für ein Lymphödem sprechen.
Ein negatives Zeichen schließt ein Lymphödem aber nicht sicher aus. Lymphnetzwerk
Viele Lipödem-Betroffene berichten an warmen Tagen über:
Wärme kann Gefäße erweitern und allgemeine Flüssigkeitsverschiebungen beeinflussen.
Das bedeutet aber nicht:
„Hitze verwandelt Lipödem in Lymphödem.“
Auch hormonelle Schwankungen können den allgemeinen Flüssigkeitshaushalt beeinflussen.
Deshalb kann sich das Gewebe vor der Menstruation zeitweise voller anfühlen.
Auch hier gilt:
Dieses Thema behandeln wir bereits ausführlicher im Zyklusartikel. Lymphnetzwerk
Nach langem Stehen kann das Schwere- oder Spannungsgefühl stärker werden.
Das kann unter anderem mit:
zusammenhängen.
Eine solche Verschlechterung beweist nicht automatisch eine lymphatische Funktionsstörung.
Auch langes Sitzen kann Beschwerden verstärken.
Regelmäßige:
können angenehm sein.
Bewegung ist ohnehin ein wichtiger Teil des Lipödemmanagements.
Die Lipödem-Leitlinie empfiehlt Bewegung beziehungsweise Training als Bestandteil des therapeutischen Gesamtkonzeptes. Wiley Online Library
Mögliche Vorteile:
Das Ziel lautet jedoch nicht:
„Lymphe herauspumpen, weil Lipödem immer ein Lymphstau ist.“
Viele Betroffene berichten unter medizinischer Kompression über:
Das ist ein sinnvoller Therapieeffekt.
Aber auch hier sollte die Begründung korrekt bleiben.
Die aktuelle Leitlinie formuliert ausdrücklich als primäre Zielrichtung:
Dazu kann auch gehören, dass sich die Beine weniger:
anfühlen.
Ein häufiger Denkfehler:
„Wenn Kompression hilft, muss ich ein Lymphödem haben.“
Nein.
Kompression kann aus unterschiedlichen Gründen hilfreich sein.
Dass eine Maßnahme wirkt, beweist nicht automatisch eine bestimmte Diagnose.
Auch hier sollte nicht automatisch geschlossen werden:
„MLD hilft = Lymphödem vorhanden.“
Beim Lipödem kann MLD beziehungsweise physiotherapeutische Behandlung in bestimmten Situationen ergänzend zur Schmerzmodulation eingesetzt werden.
Das ist etwas anderes als eine Behandlung eines bestätigten Lymphödems.
Auch eine kurzfristige Umfangsveränderung beweist noch keine zusätzliche chronische lymphatische Erkrankung.
Messwerte können beeinflusst werden durch:
Eine Diagnose sollte nie aus einer einzigen Behandlungssitzung abgeleitet werden.
Meist nicht.
Wenn ein medizinischer Grund für Verlaufsmessungen besteht, sollte möglichst standardisiert gemessen werden.
Zum Beispiel:
Beim Lipödem sollte aber besonders berücksichtigt werden:
Zum Beispiel:
0–10.
besser oder schlechter?
Wie weit kann ich gehen?
Wie gut vertrage ich sie?
Welche Aktivitäten sind möglich?
Diese Punkte passen besser zum symptomorientierten Behandlungskonzept der aktuellen Leitlinie. Wiley Online Library
Eine Patientin mit diagnostiziertem Lipödem berichtet:
„Abends fühlen sich meine Beine doppelt so dick an.“
Untersuchung:
Dann kann das Schwellungsgefühl ein Teil ihres Lipödem-Beschwerdebildes sein.
Eine Patientin mit bekanntem Lipödem bemerkt plötzlich:
Das passt nicht einfach zum typischen symmetrischen Lipödembild.
Eine zusätzliche Ursache sollte untersucht werden.
Eine Patientin hat langjährig Lipödem und zusätzlich ein diagnostiziertes Lymphödem.
Dann bestehen zwei unterschiedliche Probleme:
Schmerz und Beschwerden.
gestörter Flüssigkeitstransport und Ödem.
Die Therapie muss beide berücksichtigen.
Schwere Beine und abendliche Schwellung können auch durch eine venöse Erkrankung beeinflusst werden.
Deshalb sollte gerade bei:
nicht automatisch alles als Lipödem eingeordnet werden.
Menschen mit einer bekannten Diagnose neigen verständlicherweise dazu, neue Symptome damit zu erklären.
Doch auch mit Lipödem können auftreten:
Deshalb gilt:
Bestimmte Medikamente können bei manchen Menschen Flüssigkeitseinlagerungen begünstigen.
Wenn nach Beginn einer neuen Medikation:
deutlich anschwellen, sollte dies mit der behandelnden Praxis besprochen werden.
Medikamente nicht eigenständig absetzen.
Beidseitige Beinschwellungen können auch internistische Ursachen haben.
Besonders wenn zusätzlich auftreten:
ist eine ärztliche Abklärung wichtig.
Aus der Form eines Beins allein lässt sich nicht zuverlässig unterscheiden zwischen:
Die bestehende Wiki betont deshalb zu Recht, dass keine einzelne Fotografie oder Einzelmessung die Diagnose sicher bestätigt. Lymphnetzwerk
Dazu gehören unter anderem:
Ultraschall kann bei bestimmten Fragestellungen hilfreich sein.
Zum Beispiel zur Beurteilung:
Es gibt jedoch keinen einzelnen Ultraschallbefund, der jedes Lipödem sicher beweist. Lymphnetzwerk
So pauschal sollte man es nicht formulieren.
Lipödem und Lymphödem sind verschiedene Erkrankungen.
Eine Person mit Lipödem kann im Laufe ihres Lebens zusätzlich ein Lymphödem entwickeln.
Das bedeutet aber:
Nicht:
Formulierungen wie:
„Lipödem Stadium III wird irgendwann automatisch Lipolymphödem“
sind zu pauschal.
Eine starke morphologische Ausprägung beweist nicht automatisch eine lymphatische Funktionsstörung. Die bestehende Wiki betont ebenfalls, dass eine starke Lipödemausprägung nicht automatisch ein Lymphödem bedeutet. Lymphnetzwerk
Der Begriff wird im klinischen Alltag für ein gemeinsames Auftreten von Lipödem und Lymphödem verwendet.
Wichtig ist aber:
Die zusätzliche lymphatische Störung sollte tatsächlich medizinisch begründet sein.
Der Begriff sollte nicht allein deshalb verwendet werden, weil Beine sehr umfangreich sind.
Wenn sich etwas verändert hat.
Zum Beispiel für zwei bis vier Wochen:
Dadurch können Muster erkennbar werden.
Dokumentation soll Orientierung geben.
Sie sollte nicht zu:
führen.
Wenn Selbstkontrolle mehr Angst als Klarheit erzeugt, sollte sie reduziert werden.
Regelmäßige Aktivität.
Wenn sie medizinisch empfohlen wurde und Beschwerden reduziert.
Langes unbewegtes Sitzen vermeiden.
Kühlere Tageszeiten nutzen.
Nicht jede einzelne Schwankung bewerten.
Keine:
mit dem Ziel, ein vermeintliches Lipödem-Ödem auszuspülen.
Für das reine Lipödem ist eine solche Vorstellung medizinisch nicht passend.
Diuretika sollten nicht eigenständig gegen ein subjektives Schwellungsgefühl eingenommen werden.
Wenn tatsächlich ein behandlungsbedürftiges Ödem aus anderer Ursache besteht, entscheidet die medizinische Diagnose über die Therapie.
Auch das ist keine sinnvolle allgemeine Strategie.
Normale Flüssigkeitszufuhr verursacht kein Lipödem.
Eine unnötige Trinkmengenreduktion kann gesundheitliche Probleme verursachen.
Wenn:
Lipödem ist typischerweise symmetrisch.
Eine plötzlich:
Beinschwellung passt deshalb nicht einfach zum normalen Lipödemverlauf.
🚨 plötzlich starke einseitige Beinschwellung
🚨 starke neue Schmerzen
🚨 Rötung oder Überwärmung
🚨 Fieber oder Schüttelfrost
🚨 Atemnot
🚨 Brustschmerzen
Diese Beschwerden können auf akut behandlungsbedürftige Erkrankungen hinweisen.
| Merkmal | Lipödem | |
|---|---|---|
| Grundproblem | schmerzhafte Fettgewebserkrankung |
gestörter Lymphtransport
|
| Schwellungsgefühl | möglich |
möglich
|
| nachweisbares Ödem erforderlich? | nein |
ja, Teil der Erkrankung
|
| Symmetrie | meist symmetrisch |
ein- oder beidseitig
|
| Füße/Hände | meist ausgespart |
können beteiligt sein
|
| Schmerz | zentrales Symptom |
nicht zwingend
|
| Pitting | kein typisches notwendiges Merkmal |
je nach Stadium möglich
|
| Kompressionsziel | Schmerz/Beschwerden reduzieren |
Ödem kontrollieren
|
| Umfang = Flüssigkeit? | nein |
teilweise, aber Gewebeumbau möglich
|
Nach der aktuellen deutschen S2k-Leitlinie steht beim Lipödem primär keine Ödemerkrankung und keine lymphatische Funktionsstörung im Vordergrund. Lymphologen.de
Der Begriff ist historisch etabliert. Die moderne medizinische Einordnung betont stärker die schmerzhafte Fettgewebserkrankung und die subjektiven Beschwerden.
Ja. Schwellungs-, Spannungs- und Schweregefühl werden von Betroffenen beschrieben. Lymphnetzwerk
Nein.
Kompression wird beim Lipödem primär eingesetzt, um Schmerzen und andere subjektive Beschwerden zu reduzieren. Lymphologen.de
Ja. Beide Erkrankungen können nebeneinander bestehen. Lymphnetzwerk
Beim klassischen Lipödem bleiben Füße normalerweise ausgespart. Eine neu auftretende deutliche Fußschwellung sollte deshalb medizinisch eingeordnet werden. Lymphnetzwerk
Nein. Beim reinen Lipödem ist MLD keine automatische Entstauungstherapie.
Nicht eigenständig. Zunächst muss geklärt werden, ob überhaupt ein relevantes Ödem besteht und welche Ursache es hat.
Nein, nicht automatisch. Ein zusätzliches Lymphödem ist eine eigene Diagnose.
Ein besonders häufiger Satz lautet:
„Meine Beine fühlen sich voller an – also muss mehr Lymphe drin sein.“
Genau diesen Automatismus sollten wir vermeiden.
Beim Lipödem lautet die bessere Frage:
Beim Lymphödem dagegen zusätzlich:
Damit wird aus einem scheinbar gleichen Symptom eine medizinisch wesentlich sauberere Einordnung.
➡ Was ist ein Lipödem?
➡ Schmerzen beim Lipödem
➡ Blaue Flecken beim Lipödem
➡ Lipödem oder Lymphödem – Unterschiede
➡ Lipödem und Lymphödem gleichzeitig
➡ Schweregefühl und Spannungsgefühl beim Lymphödem
➡ Therapieerfolg messen
➡ Kompression beim Lipödem
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