Nicht jede Bewegung muss Sport sein.
Spazierengehen lässt sich nahezu überall in den Alltag integrieren, benötigt wenig Ausrüstung und kann in Geschwindigkeit und Dauer sehr individuell angepasst werden. Die Weltgesundheitsorganisation zählt Gehen ausdrücklich zu den alltäglichen Möglichkeiten körperlicher Aktivität und betont, dass auch Menschen mit chronischen Erkrankungen entsprechend ihren Fähigkeiten regelmäßig aktiv sein sollten.
Auch der aktuelle Konsensus der International Society of Lymphology (ISL) unterstützt körperliche Aktivität bei Lymphödem und berücksichtigt Gehen ausdrücklich unter den untersuchten Bewegungsformen. Die verfügbare Evidenz zeigt insgesamt positive Trends hinsichtlich körperlicher Funktion, Fitness und Lebensqualität.
Für Menschen mit Lipödem empfiehlt die aktuelle deutsche S2k-Leitlinie ebenfalls Bewegung beziehungsweise Trainingsprogramme als Bestandteil des Behandlungskonzepts.
Sie müssen keine sportlichen Höchstleistungen erreichen. Ein kurzer Spaziergang, den Sie regelmäßig und ohne Überforderung durchführen können, ist oft wertvoller als ein Trainingsplan, der sich dauerhaft nicht in Ihren Alltag integrieren lässt.
Spazierengehen lässt sich sehr flexibel gestalten:
Dadurch kann Bewegung Teil des normalen Tagesablaufs werden, anstatt eine zusätzliche Aufgabe zu sein.
Beim Gehen ziehen sich die Muskeln in Füßen und Beinen immer wieder zusammen und entspannen anschließend.
Diese rhythmische Muskelarbeit unterstützt die sogenannte Muskelpumpe. Bewegung und Muskelaktivität gehören deshalb zu den wichtigen Bestandteilen des konservativen Managements bei Lymphödem.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Spaziergänge ein bestehendes Lymphödem „wegpumpen“ oder eine verordnete Therapie ersetzen.
Die WHO betont inzwischen ausdrücklich, dass jede körperliche Aktivität besser ist als keine und dass Menschen mit chronischen Erkrankungen entsprechend ihren persönlichen Möglichkeiten aktiv sein sollten.
Gerade für Einsteiger bedeutet das:
Sie müssen nicht sofort lange Strecken zurücklegen.
Beginnen Sie beispielsweise mit:
5–10 Minuten entspanntes Gehen.
Dauer oder Strecke langsam erhöhen.
Mehrere kurze Bewegungsphasen über den Tag verteilen.
Eine Bewegungsroutine entwickeln, die Sie gerne beibehalten.
Das richtige Tempo ist individuell.
Für einen entspannten Spaziergang sollte es Ihnen möglich sein,
Sie müssen nicht möglichst schnell gehen.
Wenn Sie Ihre Kondition verbessern möchten, können später auch etwas zügigere Abschnitte eingebaut werden – sofern dies gut vertragen wird.
Eine einfache Orientierung kann der sogenannte Gesprächstest sein:
Wenn Sie während des Gehens noch in ganzen Sätzen sprechen können, bewegen Sie sich meist in einem moderaten Belastungsbereich.
Bei erheblicher Atemnot, Schwindel oder Unwohlsein sollten Sie das Tempo reduzieren oder eine Pause einlegen.
Eine pauschale Empfehlung für alle Betroffenen gibt es nicht.
Der ISL-Konsensus weist darauf hin, dass die Frage, ob eine medizinische Kompressionsversorgung während körperlicher Aktivität getragen werden soll, individuell entschieden werden sollte. Die bisherige Studienlage zeigt keinen eindeutigen generellen Vorteil oder Nachteil des Tragens während jeder Form körperlicher Aktivität.
Beim Lipödem spielt Bewegung in Verbindung mit Kompression im leitliniengerechten Gesamtkonzept eine wichtige Rolle.
Orientieren Sie sich deshalb an der Empfehlung Ihres Behandlungsteams und Ihrer individuell angepassten Versorgung.
Gute Schuhe können den Spaziergang deutlich angenehmer machen.
Achten Sie auf:
✔ ausreichend Platz für die Füße
✔ stabile, aber bequeme Passform
✔ keine drückenden Nähte
✔ sicheren Halt
✔ passende Socken
✔ geeignetes Profil auf unebenem Untergrund
Wenn Füße oder Knöchel im Tagesverlauf stärker anschwellen, sollte ausreichend Platz im Schuh vorhanden sein.
Ein häufiges Problem bei neuen Bewegungsplänen:
Der Einstieg ist zu ehrgeizig.
Statt sofort jeden Tag eine Stunde gehen zu wollen, kann es sinnvoller sein:
Woche 1: täglich oder mehrmals pro Woche 10 Minuten
Woche 2: einzelne Spaziergänge etwas verlängern
Woche 3: einen zusätzlichen Spaziergang integrieren
Danach: Dauer und Tempo nach Wohlbefinden weiter anpassen
Dies ist nur ein Orientierungsbeispiel – kein medizinischer Trainingsplan.
Nicht jeder Spaziergang muss als Training geplant werden.
Probieren Sie beispielsweise:
So sammeln sich über den Tag viele kleine Bewegungsmomente.
Auch beim Lipödem wird Bewegung als Teil des konservativen Behandlungskonzepts empfohlen. Die deutsche S2k-Leitlinie beschreibt Trainingsprogramme und Bewegung, insbesondere in Kombination mit Kompression, als wichtige Bestandteile der Therapie.
Spazierengehen kann dabei eine besonders niedrige Einstiegshürde bieten, weil:
Es ersetzt jedoch keine medizinisch notwendigen Behandlungsmaßnahmen.
Der ISL-Konsensus betont, dass Menschen mit Lymphödem zu körperlicher Aktivität ermutigt werden sollten und nennt Gehen ausdrücklich unter den untersuchten Bewegungsformen.
Entscheidend bleibt der individuelle Trainingsaufbau.
Besonders nach:
sollte die Belastung vorsichtig gesteigert und gegebenenfalls mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden.
Wenn kurze Strecken gut funktionieren, können Sie allmählich verlängern.
Steigern Sie möglichst nicht gleichzeitig:
sehr stark.
Eine Veränderung nach der anderen macht es leichter zu erkennen, wie Ihr Körper reagiert.
Eine Pause bedeutet nicht, dass das Training gescheitert ist.
Nutzen Sie beispielsweise:
🪑 eine Parkbank,
🌳 einen schattigen Platz,
💧 eine Trinkpause,
🌿 einen schönen Aussichtspunkt.
Gerade an warmen Tagen kann eine bewusste Pausenplanung wichtig sein.
An heißen Tagen können viele Betroffene erhöhte Temperaturen als unangenehm empfinden.
Dann kann es helfen:
Auch in der kalten Jahreszeit lässt sich Bewegung fortsetzen.
Achten Sie auf:
Bei Eis oder Schnee kann eine kurze Runde auf sicherem Untergrund sinnvoller sein als eine lange Tour mit Sturzrisiko.
Motivation kann steigen, wenn Sie sich verabreden:
Ein regelmäßiger gemeinsamer Termin kann aus einem guten Vorsatz eine feste Routine machen.
Nein.
Schrittzähler oder Smartwatches können motivieren, sind aber keine Voraussetzung für wirksame Bewegung.
Wichtiger als eine bestimmte Zahl ist:
Bewegen Sie sich regelmäßig und passend zu Ihren persönlichen Möglichkeiten.
Allgemeine WHO-Empfehlungen beziehen sich auf die Dauer und Intensität körperlicher Aktivität und geben kein universelles tägliches Schrittziel vor.
Nehmen Sie sich kurz Zeit und prüfen Sie:
Gerade zu Beginn kann ein kurzes Bewegungstagebuch hilfreich sein.
Eine Trainingspause oder medizinische Rücksprache ist sinnvoll bei:
Beenden Sie die Aktivität und suchen Sie bei Bedarf medizinische Hilfe bei:
🚨 Atemnot, die ungewöhnlich stark ist,
🚨 Brustschmerzen,
🚨 Schwindel oder Ohnmachtsgefühl,
🚨 plötzlich starken Schmerzen,
🚨 plötzlich einseitig deutlich zunehmender Schwellung,
🚨 ausgeprägter Rötung oder Überwärmung.
Ja, körperliche Aktivität einschließlich Gehen wird im aktuellen internationalen Lymphödem-Konsensus unterstützt. Wichtig sind eine angemessene Belastung und ein schrittweiser Aufbau.
Nein. Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil des Selbstmanagements, ersetzt aber keine notwendige medizinische Behandlung oder Kompressionstherapie.
Es gibt keine spezielle Minutenanzahl, die für alle Menschen mit Lymphödem oder Lipödem gilt. Beginnen Sie entsprechend Ihrer Belastbarkeit und steigern Sie langsam. Allgemeine Bewegungsempfehlungen der WHO können langfristig Orientierung geben, sollten bei chronischen Erkrankungen jedoch an die individuellen Fähigkeiten angepasst werden.
Auch kurze Bewegungseinheiten zählen zur täglichen körperlichen Aktivität. Für Menschen, denen längere Strecken schwerfallen, können mehrere kurze Einheiten eine praktikable Möglichkeit sein, mehr Bewegung in den Alltag zu bringen.
Das sollte individuell entschieden werden. Beim Lymphödem gibt der ISL-Konsensus keine pauschale Pflicht zum Tragen der Kompression bei jeder sportlichen Aktivität vor; beim Lipödem spielt Bewegung mit Kompression im Behandlungskonzept eine wichtige Rolle.
Nicht grundsätzlich. Ein Tempo, das regelmäßig und ohne Überforderung möglich ist, kann für den Einstieg sinnvoller sein als eine Intensität, die Sie nur selten durchhalten.
Nein. Für normales Spazierengehen benötigen Sie keine Stöcke. Wenn Sie zusätzlich den Oberkörper stärker einbeziehen möchten, kann Nordic Walking eine Alternative sein.
Viele Betroffene empfinden Spaziergänge als einen guten Einstieg, weil keine Mitgliedschaft, Sportausrüstung oder feste Kurszeit notwendig ist. Besonders hilfreich kann es sein, eine kurze Runde zu wählen, die direkt vor der Haustür beginnt und sich je nach Tagesform verlängern oder verkürzen lässt.
Erfahrungsberichte anderer Betroffener können motivieren, ersetzen aber keine individuelle medizinische oder therapeutische Einschätzung.
➡ Nordic Walking mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Wandern mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Radfahren mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Aquafitness und Wassergymnastik
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