Eine häufige Untersuchung beim Verdacht auf Lymphödem ist erstaunlich einfach:
Die Ärztin, der Arzt oder die Therapeutin versucht, eine kleine Hautfalte an einer Zehe oder einem Finger anzuheben.
Wenn das kaum oder gar nicht gelingt, spricht man von einem:
Wenn sich die Hautfalte anheben lässt, ist das Zeichen:
Klingt einfach.
Aber die Interpretation ist wichtiger als der Test selbst.
Ein positives Stemmer-Zeichen kann ein starker Hinweis auf Lymphödem sein. Ein negatives Zeichen bedeutet aber nicht automatisch, dass kein Lymphödem vorliegt.
Genau dieser zweite Satz wird im Alltag besonders häufig vergessen.
Beim Stemmer-Zeichen wird geprüft, ob sich die Haut über einem Finger- oder Zehengrundgelenk als Falte vom darunterliegenden Gewebe abheben lässt.
Typisch ist die Untersuchung:
Die klassische Beschreibung stammt aus der klinischen Lymphologie. Auch LymphNetzwerk beschreibt den Test als Teil der Basisdiagnostik. Lymphnetzwerk
Positiv bedeutet:
Die Haut ist so verdickt beziehungsweise verändert, dass sie sich:
anheben lässt.
Das kann bei einem distalen Lymphödem auftreten, wenn Haut und Unterhautgewebe durch die chronische Erkrankung verändert sind.
Negativ bedeutet:
Eine Hautfalte lässt sich noch abheben.
Wichtig:
Ein Lymphödem kann trotzdem vorliegen.
Das ist besonders möglich bei:
Eine klinische Studie mit 110 Patientinnen und Patienten verglich das Stemmer-Zeichen mit der Lymphszintigraphie.
Dabei zeigte sich:
Vereinfacht bedeutet das:
spricht relativ deutlich für ein Lymphödem.
kann ein Lymphödem trotzdem übersehen.
Sensitivität beschreibt:
Eine Sensitivität von 92 % bedeutet in dieser Studie:
Von 100 Menschen mit Lymphödem hatten ungefähr 92 ein positives Stemmer-Zeichen.
Aber eben nicht alle.
Spezifität beschreibt:
Die Spezifität war in der Studie wesentlich geringer.
Es gab also auch falsch-positive Ergebnisse. PubMed
In der Studie traten falsch-positive Stemmer-Zeichen unter anderem bei Personen mit:
auf. PubMed
Das zeigt:
Auch ein positives Ergebnis sollte im klinischen Gesamtbild betrachtet werden.
Bei chronischem Lymphödem kann sich das Gewebe verändern.
Dazu gehören:
Dadurch wird die Haut weniger beweglich und lässt sich schlechter als Falte anheben.
Hier schließt der Artikel direkt an Artikel 100 an.
Je stärker das Gewebe chronisch umgebaut ist, desto wahrscheinlicher kann ein positives Stemmer-Zeichen sein.
Aber:
Ein frühes Lymphödem kann trotzdem schon vorhanden sein, obwohl die Haut noch gut beweglich ist.
Auch zum Artikel 102 gibt es eine klare Verbindung.
prüft die Abhebbarkeit einer Hautfalte.
prüft die Eindrückbarkeit des Gewebes.
Beides sind:
Eine Patientin hat:
Dann kann das Stemmer-Zeichen negativ sein, obwohl ein Lymphödem vorhanden ist.
Das passt besonders zu frühen Stadien. PubMed
Eine andere Patientin hat:
Hier ist ein positives Stemmer-Zeichen plausibler.
Nein.
Bei einem Armlymphödem kann das Zeichen entsprechend an den Fingern geprüft werden.
Die zugrunde liegende Idee bleibt gleich:
Kann die Hautfalte angehoben werden?
Lymphödeme betreffen häufig auch:
besonders bei distaler Ausprägung.
Das unterscheidet sie oft von Erkrankungen wie dem klassischen Lipödem, bei dem Füße und Hände typischerweise ausgespart bleiben. Lymphnetzwerk
Beim reinen klassischen Lipödem wäre ein positives Stemmer-Zeichen nicht typisch.
Wenn es positiv ist, sollte geprüft werden, ob zusätzlich:
vorliegt.
Lipödem und Lymphödem können gleichzeitig vorkommen.
Auch dieser Satz ist wichtig.
Der Test gehört zur Beurteilung von Lymphödem, nicht zur Diagnose eines Lipödems.
Ein Foto kann zeigen:
aber nicht sicher:
Deshalb bleibt die körperliche Untersuchung wichtig.
Man kann versuchen, eine Hautfalte anzuheben.
Aber:
Selbsttests sind fehleranfällig.
Zum Beispiel durch:
Ein Selbsttest kann deshalb keine Diagnose ersetzen.
Das klassische Stemmer-Zeichen wird an einer typischen distalen Stelle geprüft.
Wenn einfach irgendwo am Oberschenkel Haut angehoben wird, ist das nicht dasselbe.
Die Untersuchung sollte standardisiert und anatomisch passend durchgeführt werden.
„Ich kann die Haut an meinem Fuß anheben, also habe ich kein Lymphödem.“
Das ist falsch.
Ein negatives Zeichen schließt Lymphödem nicht aus. Lymphnetzwerk
„Ich kann die Haut nicht anheben, also ist die Diagnose zu 100 % sicher.“
Auch das ist zu absolut.
Die Studie zeigt, dass falsch-positive Ergebnisse vorkommen können. PubMed
Ein positives Zeichen bedeutet nicht automatisch:
Stadium III
und ein negatives nicht:
Stadium I
Es liefert lediglich eine bestimmte Information über Haut- und Gewebeveränderungen.
Die Stadieneinteilung beruht auf mehreren Kriterien.
Zum Beispiel:
Diese Kombination ist deutlich aussagekräftiger.
Eine Schwellung nach:
hat eine andere diagnostische Ausgangslage als eine Schwellung ohne bekannte Ursache.
Das Stemmer-Zeichen beantwortet diese Ursachenfrage nicht.
Bei primärem Lymphödem kann die lymphatische Fehlentwicklung angeboren beziehungsweise genetisch bedingt sein.
Die Erkrankung kann sich:
zeigen.
Ein negatives Stemmer-Zeichen schließt diese Form nicht aus.
Bei sekundärem Lymphödem besteht eine erworbene Schädigung beziehungsweise Beeinträchtigung des Lymphsystems.
Zum Beispiel nach:
Auch hier ist das Stemmer-Zeichen nur ein Untersuchungsbaustein.
In frühen Stadien kann:
sein.
Genau deshalb können klinische Zeichen noch negativ oder unauffällig sein.
Die Studie zum Stemmer-Zeichen fand falsch-negative Ergebnisse häufiger bei Stadium-I-Lymphödemen. PubMed
Wenn klinisch weiterhin ein deutlicher Verdacht besteht, kann weitere Diagnostik sinnvoll sein.
Je nach Situation beispielsweise:
Nicht jede Person benötigt automatisch alle Verfahren.
Die Lymphszintigraphie kann die Funktion des lymphatischen Transports beurteilen.
In der genannten Studie wurde sie als Vergleichsuntersuchung verwendet, um die diagnostische Genauigkeit des Stemmer-Zeichens zu untersuchen. PubMed
Nein.
Viele Lymphödeme können anhand von:
gut eingeordnet werden.
Zusatzdiagnostik ist besonders hilfreich, wenn der Befund unklar ist.
Proximal bedeutet:
näher am Körperstamm.
Zum Beispiel:
Bei solchen Formen kann das klassische distale Stemmer-Zeichen negativ bleiben. Das erwähnt auch LymphNetzwerk ausdrücklich. Lymphnetzwerk
Wenn die Haut an der Zehe normal erscheint, heißt das nicht automatisch, dass weiter oben im Bein kein Lymphödem vorhanden sein kann.
Das ist einer der wichtigsten Gründe, den Test nicht isoliert zu verwenden.
Starke Gewebevermehrung kann die Untersuchung erschweren.
In der klinischen Studie waren mehrere falsch-positive Stemmer-Zeichen mit Adipositas verbunden. PubMed
Das bedeutet nicht, dass Adipositas immer ein positives Zeichen verursacht.
Es zeigt nur:
Der Befund ist nicht vollkommen spezifisch.
Typischerweise lässt sich die Hautfalte:
zwischen den Fingern anheben.
Zusätzlich können auffallen:
bei fortgeschrittener distaler Erkrankung. Lymphnetzwerk
Der Begriff beschreibt eine Veränderung, bei der Zehen durch Schwellung und Gewebeumbau eher:
wirken können.
Das ist kein Frühzeichen bei jeder Person, sondern eher Teil ausgeprägterer distaler Veränderungen.
Chronische Schwellung kann natürliche Hautfalten verstärken.
Auch das kann zusammen mit:
zur klinischen Beurteilung beitragen. Lymphnetzwerk
Nur begrenzt etwas.
Ein positives Zeichen kann auch nach erfolgreicher Volumenreduktion bestehen bleiben, wenn die Haut- und Gewebeveränderungen chronisch sind.
Deshalb ist es kein guter alleiniger Verlaufsparameter.
Sinnvoller sind:
Das lässt sich nicht pauschal vorhersagen.
Wenn Haut und Gewebe sich verändern, kann sich auch das Untersuchungszeichen verändern.
Bei ausgeprägtem chronischem Gewebeumbau kann es jedoch bestehen bleiben.
Weil er:
durchgeführt werden kann.
Als Teil einer fachkundigen körperlichen Untersuchung liefert er nützliche Informationen.
Nur sollte man ihn nicht mit einem perfekten Labortest verwechseln.
Für Betroffene selbst ist meist wichtiger:
Hat sich mein Arm oder Bein verändert?
Zum Beispiel:
Diese Beobachtungen sind für den Verlauf oft hilfreicher als tägliches Hautfalten-Testen.
Ständiges:
bringt meist keinen therapeutischen Vorteil.
Es kann stattdessen:
fördern.
Kontrollieren Sie lieber den Gesamtverlauf.
Wenn:
Schnell medizinisch abklären:
🚨 plötzlich starke einseitige Schwellung
🚨 neue starke Schmerzen
🚨 Rötung und Überwärmung
🚨 Fieber oder Schüttelfrost
🚨 Brustschmerzen
🚨 Atemnot
Ein Stemmer-Test ist in solchen Situationen nicht die entscheidende Untersuchung.
| Merkmal | Stemmer-Zeichen | Pitting |
|---|---|---|
| Was wird geprüft? | Hautfalte anheben | Gewebe eindrücken |
| Positiver Befund | Haut kaum/nicht abhebbar | Delle bleibt vorübergehend |
| Typisch bei | chronisch veränderter distaler Lymphödemhaut | eher weicherem Ödem |
| Frühes Lymphödem sicher erkennbar? | nein | ebenfalls nicht immer |
| Allein diagnostisch ausreichend? | nein | nein |
| Verlaufsmessung geeignet? | nur begrenzt | nur begrenzt |
Die Hautfalte an Zehe oder Finger lässt sich kaum oder gar nicht anheben. Das kann stark für ein Lymphödem sprechen. Lymphnetzwerk
Nein. Besonders frühe oder proximal betonte Lymphödeme können trotz negativem Zeichen bestehen. Lymphnetzwerk
In einer Studie lag die Sensitivität bei etwa 92 %, die Spezifität jedoch nur bei etwa 57 %. Der Test ist also hilfreich, aber nicht perfekt. PubMed
Nein. Beim Stemmer-Zeichen wird eine Hautfalte angehoben; beim Pitting wird das Gewebe eingedrückt.
Beim reinen klassischen Lipödem ist das nicht typisch. Ein positives Zeichen sollte Anlass sein, nach einem zusätzlichen Lymphödem oder anderen Ursachen zu suchen.
Nein. Für den Verlauf sind standardisierte Messungen und die klinische Gesamtbeurteilung sinnvoller.
Ja. Genau frühe Stadien waren in der genannten Studie häufiger mit falsch-negativen Ergebnissen verbunden. PubMed
Nicht automatisch. Ob weitere Diagnostik notwendig ist, hängt vom gesamten klinischen Verdacht ab.
Es ist kein Notfallzeichen an sich. Es weist auf mögliche chronische Gewebeveränderungen hin. Akute Warnzeichen wie Rötung, Fieber oder Atemnot sind davon zu unterscheiden.
Eine der häufigsten Aussagen lautet:
„Der Hautfaltentest war negativ, also habe ich definitiv kein Lymphödem.“
Genau das ist medizinisch zu kurz gedacht.
Die bessere Aussage lautet:
Ein positives Zeichen kann sehr hilfreich sein.
Ein negatives Zeichen darf aber einen guten klinischen Verdacht nicht einfach beenden.
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➡ Fibrose beim Lymphödem
➡ Schweregefühl und Spannungsgefühl beim Lymphödem
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➡ Lymphödem oder Lipödem – Unterschiede
➡ Arztberichte und Befunde verstehen
➡ Therapieerfolg messen
➡ Kompressionsversorgung richtig messen
Kräftige symmetrische Beine ohne Schmerzen: Ist das trotzdem ein Lipödem? Erfahren Sie den Unterschied zwischen Lipohypertrophie und Lipödem und warum das Aussehen allein keine Diagnose erlaubt.
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