Körperliche Aktivität wird für Menschen mit Lymphödem grundsätzlich unterstützt; der internationale Konsensus empfiehlt Alltagsbewegung und einen schrittweisen Trainingsaufbau. Auch die deutsche Lipödem-Leitlinie sieht Bewegung und Trainingsprogramme als Bestandteil des Behandlungskonzepts.
Für Bewegung benötigen Sie weder einen großen Trainingsraum noch teure Geräte.
Ein stabiler Stuhl, eine Wand, etwas freie Bodenfläche und eventuell ein Trainingsband reichen für viele Übungen bereits aus. Gerade zu Hause lässt sich das Training flexibel an Tagesform, Beschwerden und vorhandene Zeit anpassen.
Die WHO betont, dass jede körperliche Aktivität zählt und Menschen mit chronischen Erkrankungen entsprechend ihren individuellen Möglichkeiten aktiv sein sollten. Die allgemeinen Empfehlungen umfassen sowohl Ausdauer- als auch muskelkräftigende Aktivitäten, müssen bei bestehenden Erkrankungen jedoch an die persönliche Belastbarkeit angepasst werden.
Sie brauchen kein perfektes Trainingsprogramm. Zehn gut verträgliche Minuten, die regelmäßig stattfinden, können für den Einstieg wertvoller sein als ein anspruchsvolles Programm, das nach wenigen Tagen wieder aufgegeben wird.
Zu Hause können Sie:
Gerade bei chronischen Erkrankungen kann ein individuell angepasstes und schrittweise aufgebautes Bewegungsprogramm sinnvoll sein.
Ein vielseitiges Training kann verschiedene Bereiche miteinander verbinden.
Sanfte Bewegungen helfen dabei, Gelenke regelmäßig durch ihren angenehmen Bewegungsumfang zu führen.
Einfache Übungen mit dem eigenen Körpergewicht oder einem leichten Widerstandsband können die Muskulatur beanspruchen.
Gehen auf der Stelle oder kurze Bewegungseinheiten in der Wohnung bringen den Kreislauf in Gang.
Einfache Balanceübungen können Stabilität und Körperkontrolle trainieren.
Diese Kombination entspricht grundsätzlich dem Gedanken eines vielseitigen Bewegungsprogramms, wie er auch in allgemeinen Bewegungsempfehlungen für Erwachsene und Menschen mit chronischen Erkrankungen enthalten ist.
Schaffen Sie zunächst einen sicheren Trainingsplatz.
Achten Sie auf:
Entfernen Sie Stolperfallen wie lose Teppiche, Kabel oder herumliegende Gegenstände.
Setzen Sie sich aufrecht auf einen stabilen Stuhl.
Die rhythmische Arbeit der Beinmuskulatur entspricht dem Prinzip der Muskelaktivierung, das im konservativen Management des Lymphödems eine wichtige Rolle spielt.
Einstieg: beispielsweise 8–12 ruhige Wiederholungen.
Diese einfache Alltagsbewegung trainiert Beine und Rumpf.
Bei Bedarf können Sie sich zunächst mit den Händen abstützen.
Wichtig: Nicht fallen lassen – die Abwärtsbewegung bewusst kontrollieren.
Ideal für eine kurze Bewegungspause.
Beginnen Sie beispielsweise mit 30–60 Sekunden und machen Sie anschließend eine Pause.
Wenn Stehen schwierig ist, kann eine ähnliche Bewegung auch im Sitzen durchgeführt werden.
Halten Sie sich bei Bedarf an einem stabilen Stuhl fest.
Der Bewegungsumfang muss nicht groß sein.
Entscheidend ist eine kontrollierte und schmerzfreie Bewegung.
Eine einfache Möglichkeit, Oberkörper und Arme zu kräftigen.
Je weiter Sie von der Wand entfernt stehen, desto anspruchsvoller wird die Übung.
Wenn Sie ein leichtes Widerstandsband besitzen:
Beginnen Sie mit geringem Widerstand.
Beim Lymphödem unterstützt der aktuelle ISL-Konsensus einen progressiven Trainingsaufbau, also eine langsame und kontrollierte Steigerung statt eines abrupten Einstiegs mit hoher Belastung.
Diese Übung benötigt keine Geräte.
Sitzen oder stehen Sie aufrecht.
Bei einem Armlymphödem können Sie zunächst kleinere Bewegungen wählen und diese bei guter Verträglichkeit langsam erweitern.
Stellen Sie sich hinter einen stabilen Stuhl.
Mit zunehmender Sicherheit kann die Unterstützung reduziert werden.
Bei Unsicherheit oder erhöhtem Sturzrisiko sollte Balance-Training entsprechend angepasst beziehungsweise fachlich begleitet werden.
Setzen Sie sich bequem hin.
Eine bewusste Atmung lässt sich gut mit Mobilisations- und Entspannungsübungen verbinden.
Zum Abschluss können einfache Bewegungen genutzt werden:
Alle Bewegungen sollten in einem angenehmen Bereich stattfinden.
Keine Zeit für eine lange Trainingseinheit?
Dann könnte eine kurze Einheit beispielsweise so aussehen:
🚶 Gehen auf der Stelle
🦶 Fußpumpe
🪑 Aufstehen und Hinsetzen
🧱 Wandliegestütz
🦵 Seitliches Beinheben
💪 Armbewegungen oder leichtes Rudern
🧍 Balanceübung
🌬️ Ruhige Atmung und lockere Mobilisation
Wichtig: Das ist ein allgemeines Beispiel und kein individueller Therapie- oder Trainingsplan.
An manchen Tagen sind zehn oder zwanzig Minuten unrealistisch.
Dann können Sie beispielsweise:
Die WHO betont ausdrücklich, dass jede körperliche Aktivität zählt und weniger Bewegung immer noch besser ist als keine Bewegung.
Nein.
Es muss nicht jeden Tag dieselbe Trainingseinheit durchgeführt werden.
Sie können beispielsweise wechseln zwischen:
Montag: Spaziergang
Dienstag: kurze Kräftigung zu Hause
Mittwoch: Bewegungspause und Mobilisation
Donnerstag: Radfahren
Freitag: Heimtraining
Wochenende: Spaziergang, Schwimmen oder Erholung
Die WHO empfiehlt Erwachsenen grundsätzlich eine Mischung aus Ausdaueraktivität und muskelkräftigender Bewegung. Für Menschen mit chronischen Erkrankungen gelten diese Empfehlungen soweit es die individuellen Fähigkeiten zulassen.
Hier gilt weiterhin:
Keine pauschale Regel für alle Betroffenen.
Der internationale Lymphödem-Konsensus empfiehlt, die Nutzung medizinischer Kompression während körperlicher Aktivität individuell zu entscheiden. Beim Lipödem misst die aktuelle deutsche Leitlinie Bewegung in Verbindung mit Kompression eine wichtige Rolle im konservativen Behandlungskonzept bei.
Besprechen Sie Ihre persönliche Situation insbesondere dann mit Ihrem Behandlungsteam, wenn:
Eine typische Falle beim Heimtraining ist ein sehr motivierter Einstieg:
Tag 1: 45 Minuten Training.
Tag 2: Muskelkater.
Tag 3: Schmerzen.
Tag 4: Trainingspause.
Besser kann ein langsamer Aufbau funktionieren.
Woche 1: 5–10 Minuten
Woche 2: einige Übungen ergänzen
Woche 3: einzelne Wiederholungen erhöhen
Woche 4: gegebenenfalls Trainingsdauer leicht verlängern
Der schrittweise Aufbau entspricht auch den Empfehlungen des internationalen Lymphödem-Konsensus.
Nein.
Muskelkater ist kein Qualitätsmerkmal für ein gutes Training.
Das Ziel besteht darin, den Körper regelmäßig angemessen zu belasten und anschließend ausreichend Zeit zur Regeneration zu geben.
Bei neu auftretenden starken oder ungewöhnlichen Schmerzen sollte die Ursache nicht einfach als Muskelkater abgetan werden.
Heimtraining muss nicht immer eine abgeschlossene Trainingseinheit sein.
Gerade bei sitzender Arbeit können Sie mehrmals am Tag:
🚶 zwei Minuten gehen,
🦶 Füße bewegen,
🪑 mehrmals aufstehen,
🙆 Schultern lockern,
💧 ein Glas Wasser holen.
So wird Bewegung direkt Bestandteil des Arbeitstages.
Die WHO empfiehlt auch, längere Phasen sitzenden Verhaltens möglichst durch körperliche Aktivität zu reduzieren beziehungsweise zu unterbrechen.
Für den Einstieg:
Beginnen Sie lieber einfach, bevor Sie viel Trainingszubehör kaufen.
Chronische Beschwerden können schwanken.
An einem guten Tag können Sie vielleicht:
An einem schwierigeren Tag können:
bereits ausreichend sein.
Training darf angepasst werden.
Nehmen Sie sich kurz Zeit für einen Körpercheck.
Fragen Sie sich:
Gerade beim Einstieg kann es sinnvoll sein, Reaktionen nach dem Training kurz zu notieren.
Bei bestimmten Situationen ist eine Pause beziehungsweise medizinische Rücksprache sinnvoll.
Dazu gehören insbesondere:
Training abbrechen und bei Bedarf medizinische Hilfe suchen bei:
🚨 Brustschmerzen,
🚨 ungewöhnlich starker Atemnot,
🚨 Schwindel oder Ohnmacht,
🚨 plötzlich starken Schmerzen,
🚨 rasch zunehmender einseitiger Schwellung,
🚨 ausgeprägter Rötung oder Überwärmung mit Krankheitsgefühl.
Für viele Menschen ja. Der aktuelle internationale Lymphödem-Konsensus unterstützt regelmäßige körperliche Aktivität und einen schrittweisen Trainingsaufbau. Welches Training individuell geeignet ist, hängt unter anderem von Lymphödemform, Beschwerden und Begleiterkrankungen ab.
Nicht jede Bewegung muss eine spezielle „Lymphübung“ sein. Der ISL-Konsensus berücksichtigt unterschiedliche Formen körperlicher Aktivität – darunter Ausdauer-, Widerstands- und andere Bewegungsprogramme – und empfiehlt Menschen mit Lymphödem grundsätzlich, aktiv zu bleiben.
Nein. Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil des Selbstmanagements, beseitigt aber ein bestehendes Lymphödem nicht und ersetzt keine notwendige medizinische Behandlung.
Bewegung und Trainingsprogramme gehören laut aktueller deutscher S2k-Leitlinie zum konservativen Behandlungskonzept des Lipödems. Das Training sollte an Beschwerden und persönliche Belastbarkeit angepasst werden.
Nein.
Gerade für den Einstieg können Übungen mit:
ausreichen.
Es gibt keine spezielle Trainingsdauer, die für alle Menschen mit Lymphödem oder Lipödem gilt. Allgemeine WHO-Empfehlungen nennen für Erwachsene langfristig 150–300 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche beziehungsweise entsprechende Alternativen sowie Muskelkräftigung an mindestens zwei Tagen; Menschen mit chronischen Erkrankungen sollen diese Empfehlungen entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten umsetzen.
Für den Einstieg können deutlich kürzere Einheiten sinnvoll sein.
Ja. Die heutigen WHO-Empfehlungen verlangen nicht mehr, dass körperliche Aktivität zwingend in mindestens zehnminütigen Blöcken erfolgen muss. Jede körperliche Aktivität zählt.
Beim Lymphödem sollte die Nutzung während sportlicher Aktivität individuell entschieden werden. Beim Lipödem spielt Bewegung in Verbindung mit Kompression im aktuellen konservativen Therapiekonzept eine wichtige Rolle.
Viele Betroffene empfinden Heimtraining gerade deshalb als praktisch, weil kein Anfahrtsweg und keine feste Kurszeit notwendig sind. Besonders hilfreich kann eine kleine feste Routine sein – beispielsweise zehn Minuten Bewegung direkt nach dem Frühstück oder eine kurze Einheit nach Feierabend.
Entscheidend ist nicht, möglichst viele Übungen zu absolvieren.
Eine Routine, die langfristig zum eigenen Leben passt, ist oft die bessere Routine.
➡ Spazierengehen mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Krafttraining mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Fitnessstudio mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Pilates mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Yoga mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Aquafitness und Wassergymnastik
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