Der internationale Lymphödem-Konsensus nennt alltägliche Muskelpumpenaktivitäten ausdrücklich als sinnvoll und führt dabei unter anderem Gehen, Treppen statt Rolltreppen, Stehen und Bewegung am Arbeitsplatz auf.
Nicht jede körperliche Aktivität muss als Sporteinheit geplant werden.
Treppen begegnen uns:
Damit bieten sie eine Möglichkeit, Bewegung direkt in bereits vorhandene Tagesabläufe einzubauen.
Menschen mit Lymphödem sollen nach dem aktuellen ISL-Konsensus grundsätzlich zu alltäglicher Bewegung und einem schrittweisen Aufbau körperlicher Aktivität ermutigt werden. Die verfügbare Evidenz spricht insgesamt für körperliche Aktivität im Hinblick auf Funktion, Fitness und Lebensqualität.
Auch die aktuelle deutsche S2k-Leitlinie zum Lipödem sieht Bewegung beziehungsweise Trainingsprogramme als wichtigen Bestandteil des therapeutischen Gesamtkonzepts.
Sie müssen nicht zehn Stockwerke bewältigen. Schon eine einzelne Treppe, die gut zu Ihrer Tagesform passt, kann eine kleine zusätzliche Bewegungseinheit im Alltag sein.
Beim Treppensteigen müssen Sie Ihren Körper bei jeder Stufe anheben.
Dabei arbeiten insbesondere:
Gleichzeitig wird die Beinmuskulatur wiederholt angespannt und entspannt.
Gerade diese regelmäßige Muskelaktivität entspricht dem Prinzip der Muskelpumpenübungen, das der ISL-Konsensus als Bestandteil sinnvoller Alltagsaktivität bei Lymphödem beschreibt.
Treppensteigen ist jedoch keine eigenständige Lymphödem- oder Lipödemtherapie und ersetzt weder eine medizinisch notwendige Kompression noch andere verordnete Maßnahmen.
Wenn Sie wenig Treppenerfahrung haben, beginnen Sie bewusst niedrigschwellig.
Eine Etage beziehungsweise wenige Stufen.
Bei guter Verträglichkeit gelegentlich eine weitere Treppe ergänzen.
Treppen zunehmend selbstverständlich in den Alltag integrieren.
Erst danach Tempo oder Umfang erhöhen, wenn Sie das überhaupt möchten.
Der schrittweise Belastungsaufbau entspricht dem Grundprinzip, das der internationale Lymphödem-Konsensus für körperliche Aktivität empfiehlt.
Es muss keine Alles-oder-nichts-Entscheidung sein.
Eine praktische Kombination könnte beispielsweise sein:
1 Etage: Treppe
weitere Etagen: Aufzug
Oder:
morgens: Treppe
abends bei stärkerer Erschöpfung: Aufzug
Die Belastung darf sich an Ihrer aktuellen Tagesform orientieren.
Ein Handlauf ist kein Zeichen mangelnder Fitness.
Nutzen Sie ihn, wenn er:
Besonders beim Hinuntergehen kann ein sicherer Halt wichtig sein.
Sie müssen Treppen nicht schnell hochlaufen.
Versuchen Sie:
Ein kontrolliertes Tempo ist für den Einstieg wichtiger als Geschwindigkeit.
Die S2k-Leitlinie Lipödem empfiehlt Bewegung beziehungsweise Trainingsprogramme ausdrücklich als Teil des therapeutischen Gesamtkonzepts. Bewegung in Kompression wird dort insbesondere im Zusammenhang mit der Schmerzreduktion hervorgehoben.
Treppensteigen kann deshalb eine Möglichkeit sein, zusätzliche Bewegung in den Alltag einzubauen.
Allerdings können bei Lipödem auch:
eine Rolle spielen. Die Leitlinie weist darauf hin, dass bei Betroffenen unter anderem Veränderungen des Gangbildes sowie orthopädische Belastungen von Hüfte und Knie relevant sein können.
In solchen Situationen sollte die Belastung besonders sorgfältig angepasst werden.
Für Menschen mit Lymphödem nennt der ISL-Konsensus Treppensteigen ausdrücklich unter sinnvollen alltäglichen Muskelpumpenaktivitäten und empfiehlt generell die Teilnahme an normalen Alltagsaktivitäten.
Dabei gilt jedoch weiterhin:
Mehr ist nicht automatisch besser.
Achten Sie darauf, ob sich nach einer neuen oder deutlich größeren Belastung:
auffällig verändern.
Hier gilt keine pauschale Regel für alle Menschen.
Der ISL-Konsensus stellt fest, dass die Notwendigkeit einer Kompressionsversorgung während körperlicher Aktivität individuell bestimmt werden sollte; die bisher untersuchten Studien zeigten weder einen generellen Nutzen noch einen generellen Schaden durch das Tragen während des Trainings.
Beim Lipödem hat Bewegung in Kompression im aktuellen therapeutischen Konzept einen höheren Stellenwert; die Leitlinie berichtet unter anderem über Hinweise auf eine Reduktion von Beschwerden durch die Kombination aus Bewegung und Kompression.
Orientieren Sie sich deshalb an Ihrer individuell angepassten Versorgung und der Empfehlung Ihres Behandlungsteams.
Treppensteigen führt zu stärkeren Beugebewegungen in:
Achten Sie darauf, ob Ihre Versorgung dabei:
Bei wiederholten Problemen sollte die Passform überprüft werden.
Viele Menschen empfinden das Hinuntergehen als anspruchsvoller für Gleichgewicht und Knie.
Deshalb dürfen Sie beispielsweise:
⬆️ hoch die Treppe nehmen
und
⬇️ hinunter den Aufzug nutzen.
Oder umgekehrt.
Es gibt keinen Grund, beide Richtungen zwingend gleich zu behandeln.
Nicht unnötig stark nach vorne ziehen.
Wenn die Stufentiefe dies erlaubt.
Nicht die Luft anhalten.
Bei Bedarf jederzeit.
Andere Menschen dürfen vorbeigehen.
Probieren Sie eine dieser Varianten:
Nach einer Etage kurz stehen bleiben.
Nur einen Teil der Strecke über die Treppe.
Bei einer kleinen Außentreppe gezielt einige Stufen nutzen.
Eine einzelne sichere Stufe unter fachlicher Anleitung verwenden.
Entscheidend ist nicht die Zahl der bewältigten Stufen, sondern eine Belastung, die Sie zuverlässig vertragen.
Wenn Sie beim Treppensteigen noch ruhig sprechen können, kann das als einfache Orientierung für die Belastung dienen.
Wenn Sie dagegen:
brechen Sie die Belastung ab.
Bei Brustschmerzen, schwerer Atemnot oder Ohnmachtsgefühl ist eine dringende medizinische Abklärung erforderlich.
Sie müssen Treppen nicht als Training betrachten.
Eine kleine Portion Bewegung könnte sein:
🏠 morgens eine Etage,
💼 mittags die Bürotreppe,
🚉 am Bahnhof eine kurze Treppe,
🏡 abends einige Stufen zu Hause.
So entstehen über den Tag kleine Aktivitätsinseln.
Die WHO empfiehlt regelmäßige körperliche Aktivität auch für Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen und berücksichtigt in ihren Leitlinien ausdrücklich diese Bevölkerungsgruppen.
Nein.
Treppensteigen ist nur eine Möglichkeit der Bewegung.
Andere Tage können bestehen aus:
Eine abwechslungsreiche Kombination kann sinnvoller sein als der Versuch, täglich dieselbe Aktivität durchzuführen.
Wenn Treppen regelmäßig starke Gelenkschmerzen auslösen, sollten Sie die Beschwerden nicht einfach „wegtrainieren“.
Mögliche Alternativen sind:
Insbesondere bei ausgeprägten orthopädischen Beschwerden ist eine fachliche Beurteilung sinnvoll.
Nach einer Operation sollte Treppensteigen entsprechend der individuellen Freigabe erfolgen.
Das gilt besonders nach:
Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten können dabei zeigen, wie Treppen zunächst sicher bewältigt werden.
Nutzen Sie ohne schlechtes Gewissen den Aufzug, wenn:
Selbstmanagement bedeutet auch, Belastung sinnvoll zu reduzieren.
Einkaufstaschen verändern Gleichgewicht und Belastung.
Wenn möglich:
Treppensteigen muss nicht gleichzeitig Krafttraining mit Einkaufstaschen sein.
Wenn Sie Ihre eigene Treppe regelmäßig nutzen:
✔ gute Beleuchtung
✔ Handlauf frei zugänglich
✔ keine Gegenstände auf den Stufen
✔ keine losen Teppiche
✔ rutschfeste Schuhe
✔ ausreichend Zeit
Sicherheit hat Vorrang vor zusätzlichen Trainingsminuten.
Beobachten Sie bei einem neuen Belastungsniveau:
Eine leichte kurzfristige Anstrengung ist nicht dasselbe wie eine auffällige oder anhaltende Verschlechterung.
Bei wiederholt deutlichen Beschwerden sollte die Aktivität angepasst und gegebenenfalls fachlich besprochen werden.
Eine kurze Treppe gelegentlich bewusst nutzen.
Eine Etage regelmäßig einbauen.
Bei guter Verträglichkeit Häufigkeit leicht erhöhen.
Treppen selbstverständlich dort nutzen, wo es angenehm und praktikabel ist.
Nicht steigern, wenn Beschwerden deutlich zunehmen.
Dieses Schema ist lediglich eine Alltagshilfe und kein individueller Trainingsplan.
Beenden Sie die Aktivität und lassen Sie Beschwerden gegebenenfalls medizinisch beurteilen bei:
🚨 Brustschmerzen
🚨 ungewöhnlich starker Atemnot
🚨 Schwindel oder Ohnmacht
🚨 plötzlich starken Schmerzen
🚨 rasch zunehmender einseitiger Schwellung
🚨 ausgeprägter Rötung oder Überwärmung
🚨 Fieber oder deutlichem Krankheitsgefühl
Der aktuelle ISL-Konsensus nennt das Nutzen von Treppen statt Rolltreppen ausdrücklich als Beispiel einer sinnvollen alltäglichen Muskelpumpenaktivität für Menschen mit Lymphödem. Die Belastung sollte zur individuellen Situation passen.
Nein.
Körperliche Aktivität ist ein Bestandteil des Selbstmanagements, ersetzt aber keine notwendige Lymphödembehandlung. Der ISL-Konsensus beschreibt Bewegung als Bestandteil des Managements und nicht als alleinige kurative Therapie.
Bewegung und Trainingsprogramme gehören laut S2k-Leitlinie zum therapeutischen Gesamtkonzept des Lipödems. Ob Treppensteigen persönlich geeignet ist, hängt insbesondere von Schmerzen, Mobilität und möglichen orthopädischen Beschwerden ab.
Dafür gibt es keine spezielle Zahl für Menschen mit Lymphödem oder Lipödem.
Beginnen Sie mit einem Umfang, den Sie gut kontrollieren können, und steigern Sie nur bei guter Verträglichkeit.
Nein.
Der Aufzug bleibt ein sinnvolles Hilfsmittel. Bewegung soll Ihren Alltag unterstützen und nicht zu Überlastung führen.
Beim Lymphödem sollte die Nutzung der Kompression während körperlicher Aktivität individuell festgelegt werden. Beim Lipödem spielt Bewegung mit Kompression im konservativen Behandlungskonzept eine wichtige Rolle.
Eine einzelne Stufe kann für funktionelle Übungen verwendet werden, sofern Untergrund, Gleichgewicht und Belastbarkeit dies erlauben. Bei Sturzrisiko, starken Gelenkbeschwerden oder nach Operationen sollte ein solches Training fachlich angeleitet werden.
Viele Betroffene erleben es als motivierender, Bewegung nicht ausschließlich als Sportprogramm zu betrachten. Eine einzelne Treppe, ein kurzer Fußweg oder einige zusätzliche Schritte können leichter zur Gewohnheit werden als ein umfangreicher Trainingsplan.
Gerade dabei gilt:
Nicht jede Gelegenheit zur Bewegung muss genutzt werden. Die passende Gelegenheit zählt.
➡ Spazierengehen mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Training zu Hause mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Krafttraining mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Nordic Walking mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Homeoffice mit Lymphödem oder Lipödem
➡ Kompression bei Bewegung und Sport
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