Was ist ein Lymphödem?

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Kurz erklärt

Ein Lymphödem ist eine chronische Erkrankung des Lymphsystems. Dabei kann die Lymphflüssigkeit nicht mehr ausreichend abtransportiert werden und sammelt sich im Gewebe an. Die Folge sind Schwellungen, die meist an Armen oder Beinen auftreten, aber grundsätzlich jede Körperregion betreffen können.

Ein Lymphödem entwickelt sich häufig langsam und bleibt anfangs unbemerkt. Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser lässt sich ihr Fortschreiten verlangsamen und die Lebensqualität erhalten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Lymphödem entsteht durch eine Störung des Lymphabflusses.
  • Es handelt sich meist um eine chronische Erkrankung.
  • Typisch sind Schwellungen, Spannungsgefühl und eine zunehmende Verhärtung des Gewebes.
  • Eine vollständige Heilung ist derzeit in den meisten Fällen nicht möglich.
  • Mit einer frühzeitigen und konsequenten Behandlung lassen sich Beschwerden oft deutlich lindern und Komplikationen vermeiden.

Was ist das Lymphsystem?

Das Lymphsystem ist neben dem Blutkreislauf ein wichtiges Transportsystem des Körpers. Es besteht aus Lymphgefäßen, Lymphknoten und lymphatischen Organen.

Seine Aufgaben sind unter anderem:

  • überschüssige Gewebsflüssigkeit abzutransportieren,
  • Eiweiße und andere Stoffe aus dem Gewebe zurückzuführen,
  • Krankheitserreger zu erkennen und zu bekämpfen,
  • das Immunsystem zu unterstützen.

Funktioniert dieses System nicht mehr ausreichend, bleibt Flüssigkeit im Gewebe zurück – ein Lymphödem entsteht.

Wie entsteht ein Lymphödem?

Normalerweise transportieren die Lymphgefäße täglich mehrere Liter Gewebsflüssigkeit zurück in den Blutkreislauf. Ist dieser Transport gestört oder überlastet, sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe an.

Die Ursachen können angeboren oder erworben sein.

Primäres Lymphödem

Beim primären Lymphödem ist das Lymphsystem von Geburt an nicht vollständig entwickelt. Die Beschwerden können bereits im Kindesalter auftreten, entwickeln sich aber häufig erst in der Pubertät oder im Erwachsenenalter.

Sekundäres Lymphödem

Ein sekundäres Lymphödem entsteht durch eine Schädigung eines zuvor gesunden Lymphsystems. Häufige Ursachen sind:

  • Operationen mit Entfernung von Lymphknoten
  • Krebsbehandlungen (z. B. Operation oder Strahlentherapie)
  • Verletzungen
  • Entzündungen
  • wiederholte Wundrosen (Erysipel)
  • selten auch Tumoren, die Lymphbahnen einengen

Welche Symptome sind typisch?

Die Beschwerden entwickeln sich oft schleichend.

Mögliche Anzeichen sind:

  • Schwellungen an Arm oder Bein
  • Spannungsgefühl
  • Schweregefühl
  • Schmuck oder Kleidung sitzen enger
  • Druckempfindlichkeit
  • eingeschränkte Beweglichkeit
  • Hautveränderungen im Verlauf

Im frühen Stadium kann die Schwellung über Nacht noch zurückgehen. Später bleibt sie meist dauerhaft bestehen.

Welche Stadien gibt es?

Stadium 0

Das Lymphsystem ist bereits geschädigt, aber äußerlich sind noch keine Schwellungen sichtbar.

Stadium I

Weiche Schwellung. Durch Hochlagern kann sie sich teilweise zurückbilden.

Stadium II

Das Gewebe wird fester. Die Schwellung bildet sich nicht mehr vollständig zurück.

Stadium III

Ausgeprägte Schwellungen mit deutlichen Gewebe- und Hautveränderungen. Dieses Stadium wird auch als Elephantiasis bezeichnet.

Wie wird ein Lymphödem diagnostiziert?

Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung.

Je nach Situation können weitere Untersuchungen sinnvoll sein, beispielsweise:

  • Ultraschall
  • Lymphszintigraphie
  • Indocyaningrün-(ICG)-Lymphografie
  • MRT oder CT bei besonderen Fragestellungen

Welche Untersuchung notwendig ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Wie wird ein Lymphödem behandelt?

Die wichtigste Behandlung ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE).

Sie umfasst:

  • Manuelle Lymphdrainage
  • Kompressionstherapie
  • Bewegungstherapie
  • Hautpflege
  • Schulung und Selbstmanagement

Je nach Ursache können weitere Maßnahmen notwendig sein. Welche Therapie geeignet ist, sollte individuell mit dem Behandlungsteam besprochen werden.

Was können Betroffene selbst tun?

Sie können den Behandlungserfolg unterstützen, indem Sie:

  • die verordnete Kompressionsversorgung regelmäßig tragen,
  • sich möglichst täglich bewegen,
  • auf eine sorgfältige Hautpflege achten,
  • Verletzungen und Infektionen möglichst vermeiden,
  • Veränderungen frühzeitig ärztlich abklären lassen.

Mögliche Komplikationen

Unbehandelt kann ein Lymphödem fortschreiten.

Mögliche Folgen sind:

  • zunehmende Gewebeverhärtung (Fibrose)
  • Bewegungseinschränkungen
  • wiederkehrende Wundrosen (Erysipel)
  • Einschränkungen im Alltag und der Lebensqualität

Häufige Fragen

Ist ein Lymphödem heilbar?

Eine vollständige Heilung ist derzeit meist nicht möglich. Mit einer konsequenten Behandlung lassen sich Beschwerden häufig gut kontrollieren und das Fortschreiten verlangsamen.

Ist ein Lymphödem gefährlich?

Ein Lymphödem selbst ist in der Regel nicht lebensbedrohlich. Unbehandelt kann es jedoch zu Komplikationen wie wiederkehrenden Infektionen oder einer zunehmenden Einschränkung der Beweglichkeit kommen.

Darf ich Sport treiben?

Ja. Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Welche Sportarten geeignet sind, sollte individuell besprochen werden.

Welche Ärztinnen und Ärzte behandeln ein Lymphödem?

Je nach Situation kommen Hausärztinnen und Hausärzte, Fachärzte für Gefäßmedizin, Dermatologie, Physikalische und Rehabilitative Medizin sowie weitere spezialisierte Fachrichtungen infrage.

Erfahrungen aus dem LymphNetzwerk

Viele Betroffene berichten, dass die Diagnose zunächst verunsichernd war. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung aus der Community, dass eine gute Aufklärung, konsequente Therapie und der Austausch mit anderen Betroffenen helfen können, den Alltag besser zu bewältigen. Ein Lymphödem verändert das Leben – es bedeutet aber nicht, dass ein aktives und erfülltes Leben nicht mehr möglich ist.

Weiterführende Themen

  • Was ist ein Lipödem?
  • Lymphödem oder Lipödem – die Unterschiede
  • Kompressionstherapie verständlich erklärt
  • Manuelle Lymphdrainage
  • Bewegung bei Lymphödem
  • Hautpflege bei Lymphödem
  • Wundrose erkennen und behandeln

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