Medizinische Kompressionsstrümpfe werden häufig viele Stunden am Tag getragen.
Sie kommen dabei mit:
in Kontakt.
Gleichzeitig müssen sie regelmäßig gewaschen und anschließend vollständig getrocknet werden.
Damit entsteht eine praktische Frage:
Eine mögliche Lösung ist eine:
also eine zweite geeignete Kompressionsversorgung.
Doch warum sie medizinisch sinnvoll sein kann, hängt entscheidend davon ab, welche Erkrankung vorliegt.
Die beiden Erkrankungen können äußerlich ähnlich wirken und beide können mit Kompression behandelt werden.
Die therapeutische Begründung ist jedoch unterschiedlich.
besteht eine Störung des Lymphtransports beziehungsweise eine chronische Ansammlung eiweißreicher Flüssigkeit im Gewebe.
Kompression wird eingesetzt, um unter anderem:
handelt es sich dagegen primär um eine chronische schmerzhafte Erkrankung des Unterhautfettgewebes.
Die aktuelle S2k-Leitlinie betont ausdrücklich:
Das Lipödem ist primär keine Ödemerkrankung und keine lymphatische Funktionsstörung.
Das Hauptziel der Kompression ist hier:
Kompression dient wesentlich der Ödemkontrolle.
Kompression dient wesentlich der Beschwerde- und Schmerzreduktion.
Diese Unterscheidung sollte sich durch die gesamte Versorgung ziehen.
Unter Wechselversorgung versteht man im Alltag eine zweite funktionsgleiche Hilfsmittelversorgung.
Bei Kompressionsstrümpfen kann das bedeuten:
Sie tragen:
während
gewaschen und getrocknet wird.
Danach wird gewechselt.
Waschen dient nicht nur der Hygiene.
Die Pflege nach Herstellerangaben hilft außerdem dabei, die Funktion des Materials zu erhalten.
Im Alltag lagern sich unter anderem an:
Deshalb gehört die regelmäßige Pflege zum bestimmungsgemäßen Gebrauch.
Stellen Sie sich vor:
Sie tragen Ihre Versorgung morgens bis abends.
Am Abend wird sie gewaschen.
Am nächsten Morgen ist sie noch nicht vollständig trocken.
Dann entsteht eine Versorgungslücke.
Gerade bei täglicher Kompression kann eine zweite Versorgung deshalb praktisch relevant sein.
Beim Lymphödem hat dieser Punkt eine besondere therapeutische Bedeutung.
Nach einer erfolgreichen Entstauung soll die Kompressionsversorgung helfen, das erreichte Ergebnis zu erhalten.
Wird eine medizinisch notwendige Kompression regelmäßig über längere Zeit nicht getragen, kann die Ödemkontrolle schlechter werden.
Deshalb kann eine Wechselversorgung helfen, Unterbrechungen durch:
zu vermeiden.
Das lässt sich nicht für jeden Menschen gleich vorhersagen.
Möglich sind je nach Erkrankung und Stadium:
Deshalb ist beim Lymphödem die kontinuierliche Ödemkontrolle ein wichtiger Teil der Argumentation für eine Wechselversorgung.
Beim Lipödem ist die Situation anders.
Kompression wird nicht deshalb getragen, weil bei jeder Betroffenen Lymphflüssigkeit zurückgehalten wird.
Die S2k-Leitlinie nennt als zentrale Zielrichtung:
Eine Wechselversorgung kann deshalb beispielsweise sinnvoll sein, damit eine gut wirksame Kompression regelmäßig getragen werden kann, ohne dass Waschen und Trocknen die Anwendung unterbrechen.
Auch hier gibt es keine allgemeingültige Antwort.
Möglicherweise nehmen individuell wieder zu:
Das bedeutet aber nicht:
„Ohne Strumpf sammelt sich automatisch Lymphflüssigkeit an.“
Genau diese Formulierung wäre beim reinen Lipödem medizinisch irreführend.
Dieser Punkt ist besonders wichtig.
Ein Mensch kann:
oder
haben.
Wenn zusätzlich zum Lipödem tatsächlich ein Lymphödem besteht, müssen natürlich beide Erkrankungen berücksichtigt werden.
Dann können sowohl:
als auch:
Therapieziele sein.
Fragen Sie:
Dann steht bei der Kompressionsversorgung die Kontrolle beziehungsweise Stabilisierung des Ödems wesentlich im Vordergrund.
Dann steht vor allem die Wirkung auf:
im Mittelpunkt.
Eine Verordnung sollte deshalb möglichst nicht pauschal lauten:
„Wechselversorgung wegen Lymph-/Lipödem.“
Hilfreicher ist eine medizinisch nachvollziehbare Begründung.
„Wechselversorgung zur kontinuierlichen Kompression und Vermeidung von Versorgungslücken während hygienisch notwendiger Reinigung und Trocknung.“
„Wechselversorgung zur regelmäßigen symptomorientierten Kompression bei täglicher Anwendung und hygienisch notwendiger Reinigung.“
Die konkrete Formulierung entscheidet selbstverständlich die verordnende Ärztin beziehungsweise der Arzt.
Die Hilfsmittel-Richtlinie sieht vor, dass eine Mehrfachausstattung mit einem funktionsgleichen Hilfsmittel beispielsweise aus:
notwendig sein kann.
Auch eine besondere Beanspruchung kann relevant sein.
Damit gibt es grundsätzlich eine Grundlage für eine zusätzliche Versorgung.
Das bedeutet jedoch nicht:
Die individuelle Notwendigkeit muss zur jeweiligen Situation passen.
Diese Begriffe sollten getrennt werden.
Eine zweite funktionsfähige Versorgung existiert parallel zur ersten.
Beispiel:
Ein Paar wird getragen, das andere gewaschen.
Eine vorhandene Versorgung ist beispielsweise:
Dann geht es um Ersatz und nicht um einen täglichen Wechsel.
Eine Folgeversorgung bedeutet, dass nach einer bestimmten Nutzungsphase erneut eine medizinisch notwendige Versorgung benötigt wird.
Auch das ist nicht automatisch dasselbe wie eine Wechselversorgung.
In der Praxis wird häufig von:
„alle sechs Monate neue Strümpfe“
gesprochen.
So pauschal sollte man es jedoch nicht formulieren.
Entscheidend sind:
Eine starre Kalenderregel allein ersetzt keine medizinische Beurteilung.
Viele Menschen bewahren ihre alte Kompressionsversorgung auf und nutzen sie weiter.
Das kann praktisch erscheinen.
Problematisch wird es, wenn die alte Versorgung:
ist.
Dann erfüllt sie möglicherweise nicht mehr dieselbe therapeutische Funktion wie die aktuelle Versorgung.
Beim Lymphödem kann eine ältere, nicht mehr ausreichend wirksame Versorgung unter Umständen die notwendige Ödemkontrolle nicht mehr gewährleisten.
Eine alte Kompressionsversorgung ist deshalb nicht automatisch ein medizinisch gleichwertiges Wechselpaar.
Beim Lipödem kann eine ausgelaugte oder schlecht sitzende Versorgung:
Auch hier geht es also um Funktion – jedoch nicht primär um die Kontrolle eines Lymphödems.
Nicht unbedingt in jeder optischen Einzelheit.
Therapeutisch wichtig ist, dass die Wechselversorgung die notwendige Funktion erfüllt.
Abhängig von der medizinischen Situation können beispielsweise relevant sein:
Ob zwei Versorgungen exakt gleich sein müssen, hängt vom konkreten Befund ab.
Das hängt unter anderem ab von:
Die Farbe beeinflusst grundsätzlich nicht automatisch den medizinischen Zweck.
Eine kostenpflichtige Sonderfarbe kann deshalb eine freiwillige Mehrleistung sein.
Das sollte nicht eigenständig entschieden werden.
Wenn zwei Versorgungen unterschiedliche Drücke beziehungsweise Eigenschaften besitzen, sind sie therapeutisch möglicherweise nicht funktionsgleich.
Solche Unterschiede sollten mit dem Behandlungsteam geklärt werden.
Auch diese Entscheidung richtet sich nicht allein nach dem Namen der Erkrankung.
Relevant sind beispielsweise:
Die aktuelle Kompressionsleitlinie empfiehlt bei großen Umfangsänderungen, konisch geformten Extremitäten oder ausgeprägten Gewebefalten eine flachgestrickte Qualität, weil Rundstrick dort ungeeignet sein kann.
Beim Lipödem wird häufig vorschnell gesagt:
„Lipödem bedeutet immer Flachstrick.“
So pauschal ist die Aussage nicht sinnvoll.
Die Versorgung sollte sich an:
orientieren.
Entscheidend ist nicht allein das Diagnoseetikett.
Auch beim Lymphödem muss die Versorgung individuell ausgewählt werden.
Bei stärker ausgeprägten Umfangsunterschieden, Hautfalten oder besonderen Körperformen können andere textile Eigenschaften erforderlich sein als bei einer relativ gleichmäßigen Extremität.
Eine theoretisch perfekte Versorgung hilft wenig, wenn sie im Alltag praktisch nicht getragen werden kann.
Relevant sind beispielsweise:
Eine Wechselversorgung kann deshalb auch Teil eines funktionierenden Selbstmanagements sein.
Beachten Sie grundsätzlich die Pflegehinweise des Herstellers.
Hilfreich können sein:
Konkrete Pflegevorgaben können je nach Produkt unterschiedlich sein.
Dann sollte zunächst geklärt werden:
Eine gute Begründung sollte nicht nur lauten:
„Ein zweites Paar wäre praktischer.“
Sondern beispielsweise:
Eine medizinische Argumentation kann sich insbesondere auf die notwendige:
beziehen.
Wenn die Versorgung täglich benötigt wird, kann eine regelmäßige mehrstündige Unterbrechung durch Reinigung und Trocknung problematisch sein.
Beim reinen Lipödem sollte dagegen nicht mit einem angeblich gestörten Lymphabfluss argumentiert werden, wenn dieser gar nicht diagnostiziert wurde.
Plausibler können sein:
Eine medizinische Begründung wirkt überzeugender, wenn sie die tatsächliche Erkrankung beschreibt.
Falsch wäre beispielsweise:
„Beim Lipödem muss das Ödem ständig entstaut werden.“
Die aktuelle Lipödem-Leitlinie macht gerade deutlich, dass ein Lipödem primär keine Ödemerkrankung ist.
Ebenso falsch wäre:
„Beim Lymphödem geht es eigentlich nur um Schmerzen.“
Beim Lymphödem ist die Kontrolle der pathologischen Flüssigkeitsansammlung ein zentrales Therapieziel.
Eine Patientin hat ein sekundäres Lymphödem des rechten Beins.
Nach einer Entstauungsphase trägt sie täglich eine medizinische Kompressionsversorgung.
Die Versorgung muss regelmäßig gewaschen werden.
Ohne zweites funktionsfähiges Paar entstehen wiederkehrende längere Tragepausen.
Hier kann die Argumentation lauten:
kontinuierliche Kompression zur Stabilisierung des Ödembefundes + hygienisch notwendige Wechselversorgung.
Eine Patientin hat ein Lipödem beider Beine ohne nachgewiesenes zusätzliches Lymphödem.
Unter ihrer medizinischen Kompression sind:
deutlich geringer.
Sie trägt die Versorgung täglich.
Hier lautet die Begründung nicht:
„Verhindert Lymphstau.“
Sondern eher:
regelmäßige symptomorientierte Kompression + hygienische Wechselmöglichkeit.
Eine Patientin hat ein Lipödem und zusätzlich ein diagnostiziertes sekundäres Lymphödem.
Dann können gleichzeitig relevant sein:
Schmerz- und Beschwerdereduktion.
Ödemkontrolle.
Die Versorgung sollte beide Aspekte berücksichtigen.
Ein neues Maß kann notwendig sein, wenn sich beispielsweise verändert haben:
Eine neue Versorgung sollte nicht automatisch anhand alter Maße produziert werden, wenn diese nicht mehr zur aktuellen Situation passen.
Hat sich das Volumen während einer Entstauungsphase deutlich verändert, können frühere Maße ungeeignet sein.
Das Anmessen sollte deshalb zum richtigen Zeitpunkt im Therapieverlauf erfolgen.
Beim Lipödem ist Umfangsreduktion nicht automatisch das zentrale Therapieziel konservativer Kompression.
Wichtiger können sein:
Damit unterscheidet sich auch die Erfolgskontrolle vom klassischen Lymphödem.
Nicht automatisch.
Die individuelle Situation entscheidet.
Relevant sind unter anderem:
Ebenfalls nicht automatisch.
Auch hier entscheidet der konkrete Bedarf.
Kompression wird beim Lipödem symptomorientiert eingesetzt.
Wenn jemand sie nur in bestimmten Situationen benötigt, kann die Versorgungssituation anders sein als bei täglichem Tragen.
Die konkrete Verordnung gehört in ärztliche Hände.
Bei einer gewünschten Wechselversorgung kann es jedoch sinnvoll sein, den Grund nachvollziehbar kenntlich zu machen.
Beispielsweise:
Wechselversorgung aus hygienischen und medizinischen Gründen
ergänzt um eine patientenbezogene Begründung.
Fragen Sie:
Dann prüfen Sie:
Danach kann gegebenenfalls ein Widerspruch geprüft werden.
Dazu passt:
➡ Hilfsmittel von der Krankenkasse abgelehnt – Widerspruch richtig vorbereiten
„Lipödem ist doch auch ein Lymphstau.“
Nein.
Ein reines Lipödem ist nicht gleichbedeutend mit einem Lymphödem.
„Kompression wirkt bei beiden Erkrankungen aus genau demselben Grund.“
Nein.
Die Therapieziele unterscheiden sich deutlich.
„Ein zweites Paar steht jedem automatisch zu.“
Auch das ist zu pauschal.
Eine Mehrfachausstattung kann begründet sein, muss aber zur individuellen Versorgungssituation passen.
„Meine sechs Jahre alte Versorgung ist doch mein Wechselpaar.“
Eine alte Versorgung ist nur dann sinnvoll, wenn sie noch:
ist.
Das sollte nicht allein nach dem Alter beurteilt werden.
| Lymphödem | Lipödem | |
|---|---|---|
| Grundproblem | gestörter Lymphtransport / Flüssigkeitsansammlung | schmerzhafte disproportionale Fettgewebserkrankung |
| Primäres Ziel der Kompression | Ödem kontrollieren und Ergebnis stabilisieren | Schmerz und subjektive Beschwerden reduzieren |
| Umfang wichtig? | häufig wesentlicher Verlaufsparameter | allein kein ausreichendes Therapieziel |
| Lymphstau grundsätzlich vorhanden? | ja, definitionsgemäß lymphatische Störung | nein, nicht beim reinen Lipödem |
| Wechselversorgung kann sinnvoll sein für | kontinuierliche Ödemkontrolle + Hygiene | regelmäßige symptomorientierte Anwendung + Hygiene |
| MLD automatisch notwendig? | abhängig von Befund und Therapiephase | beim reinen Lipödem nicht automatisch erforderlich |
Nein.
Es handelt sich um zwei unterschiedliche Erkrankungen.
Weil dieselbe therapeutische Technik unterschiedliche Behandlungsziele haben kann.
Beim Lymphödem geht es wesentlich um Ödemkontrolle.
Beim Lipödem insbesondere um Schmerz- und Beschwerdereduktion.
Nein.
Eine Mehrfachausstattung kann medizinisch oder hygienisch erforderlich sein, muss aber individuell begründet werden.
Nicht unbedingt.
Bei täglicher Nutzung kann eine Wechselversorgung notwendig sein, damit Reinigung und Trocknung nicht zu Versorgungslücken führen.
Nicht automatisch.
Die Therapie richtet sich nach Beschwerden, Wirkung, Verträglichkeit und individueller Situation.
Bei vielen chronischen Lymphödemen ist Kompression ein wesentlicher Bestandteil der langfristigen Erhaltungsbehandlung. Das konkrete Trageschema richtet sich jedoch nach dem individuellen Befund.
Ja, beide Erkrankungen können gleichzeitig vorkommen.
Dann müssen beide Diagnosen therapeutisch berücksichtigt werden.
Nur wenn es noch ausreichend passt und funktioniert.
Eine deutlich verschlissene Versorgung kann therapeutisch ungeeignet sein.
Bei einer echten Mehrfachausstattung können je Hilfsmittel Zuzahlungen entstehen. Die konkrete Abrechnung sollte vor der Versorgung mit Krankenkasse oder Leistungserbringer geklärt werden.
Bei Kompression wird im Alltag häufig gesagt:
„Das ist bei Lymphödem und Lipödem sowieso dasselbe.“
Gerade das möchten wir in der LymphNetzwerk-Wiki vermeiden.
Beide Erkrankungen können dieselbe Art von Hilfsmittel benötigen.
Aber:
Beim Lymphödem schützt die Kompression wesentlich die erreichte Ödemkontrolle.
Beim Lipödem soll sie insbesondere Schmerzen und andere Beschwerden reduzieren.
Diese Differenzierung hilft nicht nur beim Verständnis der Erkrankungen, sondern auch bei:
➡ Lipödem oder Lymphödem – Unterschiede
➡ Lipödem und Lymphödem gleichzeitig
➡ Flachstrick oder Rundstrick
➡ Kompressionsklassen
➡ Kompressionsversorgung richtig messen
➡ Zuzahlung und Aufzahlung bei Kompressionsstrümpfen
➡ Hilfsmittel von der Krankenkasse abgelehnt
Werden Lymphödem oder Lipödem vor der Periode stärker? Erfahren Sie, wie hormonelle Schwankungen Beschwerden beeinflussen können und warum Lymphödem und Lipödem klar unterschieden werden müssen.
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