Lipödem im Sommer – Was ich heute anders mache als vor 10 Jahren

Warum der Sommer für mich früher so schwer war

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber für mich war der Sommer viele Jahre alles andere als leicht. Während andere sich auf warme Tage, Freibad, Urlaub, Kleider und kurze Hosen gefreut haben, wollte ich mich am liebsten verstecken.

Was ziehe ich an? Sieht man meine Beine? Schauen die Leute? Halte ich die Kompression bei dieser Hitze überhaupt aus?
Und wie soll ich mich wohlfühlen mit über 100 Kilo, schweren Beinen und Armen, die ich am liebsten immer bedeckt hätte?

Wenn ich heute daran zurückdenke, wird mir bewusst, wie viel Kraft mich diese Zeit gekostet hat – körperlich, aber vor allem emotional. Der Sommer fühlte sich für mich oft wie ein ständiges Versteckspiel an. Ich wollte nicht gesehen werden und gleichzeitig war es unglaublich schwer, nicht aufzufallen.

Früher wollte ich einfach nur „normal“ sein

Dieses Gefühl, anders zu sein, begleitet mich schon sehr lange.

Nach meiner Diabetes-Diagnose mit elf Jahren begann ich zuzunehmen. Obwohl ich damals eigentlich ein ganz normales Mädchen war, machte ich bereits mit zwölf meine erste Diät. Heute macht mich dieser Gedanke traurig. Denn ich war kein dickes Kind. Ich war einfach ein Mädchen, das dazugehören wollte.

Ich wollte normal sein. So wie die anderen Mädchen. Aber genau dieses Gefühl hatte ich nie wirklich. Stattdessen war da immer dieser Gedanke: Mit mir stimmt etwas nicht. Und dieser Gedanke hat sich über viele Jahre tief in mir festgesetzt.

Als mein Körper sich plötzlich fremd anfühlte

Besonders schlimm war die Zeit, in der meine Essstörung – das Binge-Eating – sehr präsent war. Innerhalb von nur zwei Monaten nahm ich damals 22 Kilo zu.

Mein Körper kam überhaupt nicht hinterher. Meine Haut spannte, alles tat weh und plötzlich passte kaum noch Kleidung. Ich musste ständig neue Sachen kaufen und trotzdem fühlte sich nichts richtig an. Nichts saß gut, nichts fühlte sich nach mir an.

Damals wusste ich noch nicht, dass ich Lipödem habe. Die Diagnose Lip- und Lymphödem bekam ich erst Jahre später, im Januar 2015. Aber ich wusste schon lange vorher, dass irgendetwas nicht stimmt. Ich fühlte mich fremd in meinem eigenen Körper. Als wäre ich darin gefangen.

Warum ich mich im Sommer versteckt habe

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich viele Jahre versteckt.

Vor meiner Diagnose gab es für mich keine kurzen Hosen, keine Röcke, keine Kleider und keine ärmellosen Oberteile. Und selbst nach der Diagnose habe ich im Sommer teilweise lange Jeans über meiner Kompression getragen, weil ich mich so sehr geschämt habe.

Heute frage ich mich manchmal, wie ich das überhaupt ausgehalten habe. Aber damals war die Angst vor den Blicken anderer größer als jede Hitze.

Ich wollte nicht auffallen. Ich wollte nicht, dass jemand meine Beine sieht. Ich wollte nicht bewertet werden.

Schwimmen war für mich nur im Urlaub möglich – am besten dort, wo mich niemand kannte. Von manchen Jahren gibt es kaum Fotos, weil ich mich immer irgendwie versteckt habe.

Heute macht mich das traurig. Denn diese Jahre gehören genauso zu meinem Leben wie alle anderen. Aber damals konnte ich das nicht sehen. Damals wollte ich einfach nur unsichtbar sein.

Was mir damals am meisten gefehlt hat

Natürlich waren die Schmerzen, die Hitze und die Kompression anstrengend.

Aber rückblickend glaube ich, dass mir etwas anderes noch viel mehr gefehlt hat: Verständnis.

Ich hätte jemanden gebraucht, der mich wirklich sieht. Jemanden, der nicht sagt: „Stell dich nicht so an“ oder „Mach dir nicht so viele Gedanken“, sondern jemanden, der einfach sagt:

„Ich verstehe dich. Ich weiß, wie sich das anfühlt.“

Ich habe viele Sorgen, Ängste und Emotionen in mich hineingefressen. Oft habe ich versucht, stark zu sein und meine Tränen zu unterdrücken, weil ich nicht schwach wirken wollte.

Und gleichzeitig hatte ich so oft das Gefühl, dass niemand wirklich versteht, was in mir vorgeht.

Genau deshalb mache ich heute das, was ich mache. Weil ich anderen Frauen das geben möchte, was mir damals so sehr gefehlt hat:

Verständnis. Unterstützung. Und das Gefühl, nicht allein zu sein.

Was heute anders ist

Heute sieht mein Sommer anders aus.

Natürlich habe ich noch immer Lipödem – auch wenn ich inzwischen operiert bin. Lipödem bleibt eine chronische Erkrankung. Genau wie mein Diabetes Typ 1 braucht auch diese Erkrankung Aufmerksamkeit, Verständnis und einen bewussten Umgang.

Aber ich habe gelernt, anders mit mir und meinem Körper umzugehen.

Ich höre heute besser hin. Ich merke schneller, was mir guttut und was nicht.

Im Sommer achte ich besonders auf ausreichend Flüssigkeit, leichte Mahlzeiten, genügend Eiweiß, Ballaststoffe, wasserreiche Lebensmittel, Bewegung, Kompression und bewusste Pausen.

An heißen Tagen esse ich zum Beispiel sehr gerne Gurken oder Wassermelone. Ich wähle bewusst Mahlzeiten, die meinen Körper nicht zusätzlich belasten.

Und ich merke inzwischen deutlich, wie mein Körper mir Rückmeldung gibt – besonders dann, wenn ich abends größere Mengen Kohlenhydrate esse oder mir zu wenig Ruhe gönne.

Meine kleinen Sommer-Helfer im Alltag

Neben der Ernährung helfen mir im Sommer auch viele kleine Dinge, die inzwischen fest zu meinem Alltag gehören.

Wechselduschen tun meinen Beinen gut. Genauso wie moderate Bewegung, Beine hochlagern oder sanfte Einheiten auf meinem bellicon (Minitrampolin).

Mittags nehme ich mir oft bewusst 30 Minuten Zeit, lege die Beine hoch und nutze diese Pause für eine kleine Meditation auf meiner Akupressurmatte.

Das hilft nicht nur meinen Beinen, sondern auch meinem Kopf – und meinem gesamten Körper.

Denn Stress spielt bei Lipödem oft eine viel größere Rolle, als viele denken.

Früher habe ich einfach funktioniert. Heute nehme ich meine Bedürfnisse ernst. Ich höre auf meinen Körper und weiß besser, was ich brauche.

Und genau das ist wahrscheinlich der größte Unterschied.

Kompression im Sommer? Ja, auf jeden Fall.



Ein Thema, zu dem ich im Sommer besonders viele Nachrichten bekomme, ist die Kompression.

Viele fragen sich, wie man bei 30 Grad oder mehr überhaupt Kompressionsversorgung tragen kann.

Und ganz ehrlich? Ich springe auch nicht jeden Morgen begeistert aus dem Bett und rufe „Juhuuuu!“

Aber ich weiß inzwischen, wie sehr mir meine Kompression hilft.

Gerade bei Hitze ist sie für mich besonders wichtig, weil ich die Konsequenzen deutlich spüre, wenn ich sie weglasse: schwerere Beine, mehr Schmerzen und stärkere Schwellungen.

Natürlich gibt es Ausnahmen – im Urlaub, am Strand, im Wasser oder an Tagen, an denen ich mich bewusst dagegen entscheide.

Das ist okay. Denn ich kenne meinen Körper und kann die Konsequenzen einschätzen.

Das Entscheidende ist:

Ich sehe meine Kompression heute nicht mehr als Gefängnis.

Ich sehe sie als Unterstützung. Als Werkzeug. Als Begleiter.
Als guten Freund – nicht als Feind.

Die größte Veränderung hat in meinem Kopf stattgefunden

Wenn ich ehrlich bin, hat die größte Veränderung nicht an meinen Beinen stattgefunden, sondern in meinem Kopf.

Ich habe aufgehört, ständig nach links und rechts zu schauen.
Ich habe aufgehört, mein Leben von den Blicken anderer abhängig zu machen.

Denn die Wahrheit ist:

Menschen schauen sowieso.

Ob du schlank bist oder mehr wiegst.
Ob du Dellen hast oder nicht.
Ob du Kompression trägst oder nicht.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob andere schauen.

Die entscheidende Frage ist:

Willst du deswegen dein eigenes Leben verpassen?

Ich habe entschieden, dass ich das nicht mehr möchte.

Ich will mein Leben nicht mehr auf später verschieben. Nicht auf den Tag, an dem mein Körper angeblich perfekt ist. Nicht auf eine bestimmte Kleidergröße. Nicht auf irgendeinen Moment, der vielleicht nie kommt.

Was ich der Tina von damals sagen würde

Wenn ich heute mit der Tina von vor zehn Jahren sprechen könnte, würde ich sie wahrscheinlich erst einmal in den Arm nehmen.

Ich würde ihr sagen, dass sie nicht so hart zu sich sein soll. Dass sie niemandem etwas beweisen muss. Dass sie nicht perfekt sein muss, um wertvoll zu sein.

Ich würde ihr sagen:

Du darfst jetzt leben.
Jetzt lachen.
Jetzt Erinnerungen sammeln.
Jetzt rausgehen – auch wenn du dich unsicher fühlst.

Mach Fotos. Auch wenn du dich darauf nicht perfekt findest.

Denn diese Momente kommen nicht zurück.

Und man verpasst so viel, wenn man immer nur darauf wartet, sich endlich gut genug zu fühlen.

Ich würde ihr auch sagen:

Zweifel und Ängste sind okay.
Es wird schwere Tage geben.
Und es ist in Ordnung zu weinen.

Aber bleib nicht stehen.

Denn dein Leben ist zu wertvoll, um dauerhaft traurig, unglücklich oder im Rückzug zu bleiben.

Kennst du diesen Punkt?

Vielleicht erkennst du dich in meiner Geschichte wieder.

Vielleicht versteckst du dich im Sommer auch.
Vielleicht vermeidest du Fotos, Einladungen, Freibadbesuche oder bestimmte Kleidung.

Vielleicht kämpfst du mit deiner Kompression, deinen Schmerzen, deinem Körpergefühl oder dem Gedanken, dass dich niemand wirklich versteht.

Dann möchte ich dir sagen:

Du bist nicht allein.

Und du musst diesen Weg auch nicht alleine gehen.

Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich Unterstützung zu holen.
Im Gegenteil.

Es ist ein Zeichen dafür, dass du dich selbst wichtig nimmst.

Auch mit Lipödem darfst du ein schönes Leben führen.

Nicht irgendwann.
Nicht erst, wenn alles perfekt ist.

Sondern jetzt. Genau in diesem Moment.

Die „Wohlfühlreise“ startet bald

Wenn du den Sommer mit Lipödem nicht länger nur irgendwie überstehen möchtest, sondern dir mehr Leichtigkeit, Verständnis und Unterstützung wünschst, dann ist die „Wohlfühlreise“ vielleicht genau das Richtige für dich.

Am 01. Juli 2026 startet sie zum ersten Mal als Gruppen-Coaching von Frauen mit Lipödem für Frauen mit Lipödem.

Gemeinsam mit mir und meinem Team schauen wir auf Themen wie Ernährung, Bewegung, Mindset und den Alltag mit Lipödem.

Und das Wichtigste:

Du triffst auf Frauen, die wirklich wissen, wie du dich fühlst.
Frauen, die ähnliche Gedanken kennen.
Frauen, bei denen du dich nicht erklären musst.

Wenn du dabei sein möchtest, findest du hier alle Infos:

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