Liposuktion bei Lipödem – und danach ist alles gut? Schön wär's, oder? Wenn du schon länger mit dem Gedanken an eine Lipödem-OP spielst, kennst du wahrscheinlich diese ganzen Fragen: Wie wird mein Körper danach aussehen? Was passiert mit meiner Haut? Zieht sie sich wieder zusammen oder brauche ich anschließend vielleicht sogar eine Hautstraffung? Wie lange muss ich Kompression tragen? Und kann ich nach einer Liposuktion wirklich komplett beschwerdefrei sein?
Und dann gibt es da noch ein Verfahren, das im Zusammenhang mit Renuvion® bei Lipödem immer häufiger genannt wird: eine zusätzliche Hautstraffung nach der Fettabsaugung – und zwar ohne die großen Schnitte einer klassischen chirurgischen Hautstraffung. Klingt natürlich erst einmal ziemlich interessant, oder?!
Aber was kann Renuvion® wirklich? Wo liegen die Grenzen? Und für wen kommt so etwas überhaupt infrage?
Genau darüber habe ich in meinem neuen Lipödem Talk mit Dr. med. Mario Holdenried, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie Chefarzt und Klinikleiter der Klinik am Schwarzwald, gesprochen. Und ich wollte von ihm nicht nur wissen, was heute operativ möglich ist. Mir war vor allem eine andere Frage wichtig: Was sollte eine Frau mit Lipödem wissen, BEVOR sie sich operieren lässt?
Denn wenn du mich schon länger kennst, weißt du: Für mich ist eine Liposuktion nicht einfach der einfachere Weg. Ganz im Gegenteil! Aber es kann ein Teil im Leben einer Lipödembetroffenen sein.
Renuvion® kann im Rahmen einer Fettabsaugung ergänzend eingesetzt werden, um die Hautstraffung zu unterstützen. Dr. Holdenried erzählt im Interview, dass er das Verfahren in seiner Klinik mittlerweile bei nahezu jeder Liposuktion einsetzt. Gerade bei einem moderaten Hautüberschuss kann es laut seiner Erfahrung dazu beitragen, dass eine zusätzliche operative Straffung mit größeren Schnitten vermieden werden kann.
Und genau an diesem Punkt wurde es für mich persönlich besonders interessant. Denn bei mir war nach meiner Gewichtsabnahme und meinen Operationen schlichtweg zu viel überschüssige Haut vorhanden.
Bei meiner Straffung war der Effekt natürlich sofort sichtbar. Zack, bumm... da fehlten bei mir ungefähr acht Zentimeter Haut. Dafür habe ich heute aber auch entsprechende Narben. Deshalb finde ich die Vorstellung, die Haut nach einer Liposuktion zusätzlich unterstützen zu können, ohne zwangsläufig einen großen Schnitt machen zu müssen, ziemlich spannend.
ABER! Und das ist mir wirklich wichtig: Renuvion® ist keine Wunderwaffe.
Auch Dr. Holdenried macht im Gespräch sehr deutlich, dass es Grenzen gibt. Bei sehr ausgeprägtem Hautüberschuss kann nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass sich dadurch eine klassische chirurgische Straffung vermeiden lässt.
Und ich finde, genau solche Aussagen müssen wir hören. Nicht nur: „Schau mal, was alles möglich ist!" Sondern eben auch: „Schau mal, was vielleicht auch NICHT möglich ist." Denn nur dann können wir realistische Entscheidungen treffen.
Auch das fand ich spannend. Während bei meiner chirurgischen Straffung natürlich direkt sichtbar war, dass Haut entfernt wurde, braucht das Ergebnis bei Renuvion® laut Dr. Holdenried deutlich mehr Geduld.
Er erklärt im Gespräch, dass sich der Effekt über Monate entwickeln kann und das Endergebnis häufig erst nach etwa sechs bis neun Monaten beurteilt werden kann. Teilweise kann sich das Gewebe sogar danach noch weiter verändern.
Das bedeutet aber eben auch: Nicht nach vier Wochen frustriert vor dem Spiegel stehen und denken: „Oh Gott, das war's jetzt?!"
Unser Körper braucht nach solchen Eingriffen Zeit. Und ich glaube, gerade das Thema Geduld ist nach einer Lipödem-OP sowieso etwas, worüber wir viel häufiger sprechen sollten.
Dieser Punkt liegt mir wirklich am Herzen, denn Social Media vermittelt uns teilweise ein Bild, das mit der Realität nicht unbedingt etwas zu tun haben muss. Wir sehen Vorher-Nachher-Bilder, wir sehen schlankere Beine und wir sehen Frauen, die erzählen, wie sehr sich ihr Leben durch eine Liposuktion verändert hat.
Und ja, eine Liposuktion kann für eine Frau mit Lipödem eine enorme Veränderung bedeuten. Aber bitte geh nicht mit der Erwartung in eine Operation, dass du danach einen Körper bekommst, als hättest du niemals Lipödem gehabt.
Dr. Holdenried sagt im Gespräch ganz klar, dass beispielsweise nach einer Liposuktion Unregelmäßigkeiten im Gewebe zurückbleiben können und die Rückbildungsfähigkeit der Haut begrenzt ist. Wenn jemand mit sehr kräftigen Beinen oder Oberarmen in eine Operation geht, muss deshalb vorher darüber gesprochen werden, was realistisch erreichbar ist, und was nicht.
Ich selbst hatte früher rund 110 Kilo. Natürlich kann ich heute nicht erwarten, dass meine Haut und mein Körper aussehen wie mit 14 oder 15 Jahren. Und weißt du was? Das müssen sie auch gar nicht!
Im Gespräch kamen wir irgendwann auf die Frage, ob es Situationen gibt, in denen Dr. Holdenried eine Patientin zunächst nicht operieren würde. Und genau dieser Teil ist für mich mindestens genauso wichtig wie die Frage, welche OP-Technik angewendet wird.
Vor einer Lipödem-Liposuktion muss zunächst geklärt werden, ob tatsächlich ein gesichertes Lipödem vorliegt oder ob beispielsweise Adipositas, ein Lymphödem, eine venöse Erkrankung oder andere gesundheitliche Faktoren eine Rolle spielen. Auch bestimmte Vorerkrankungen oder eine völlig unrealistische Erwartungshaltung können Gründe sein, einen Eingriff zunächst nicht durchzuführen beziehungsweise genauer hinzuschauen.
Und an dieser Stelle habe ich im Gespräch auch ganz offen gesagt: Ich persönlich hätte mich mit meinen damaligen 110 Kilo nicht operieren lassen.
Nicht, weil ich grundsätzlich gegen eine Liposuktion war, sondern weil ich wusste: Ich hatte nicht nur Lipödem, ich war auch schlichtweg übergewichtig. Ich wollte für mich zuerst eine Basis schaffen, abnehmen und einen gesunden und vor allem stabilen Lebensstil finden.
Jetzt kommt natürlich wieder die Ernährungsberaterin und Lipödem-Coach-Tina durch. Aber das Thema gehört für mich einfach dazu.
Ich möchte, dass Frauen möglichst vor einer Liposuktion eine stabile Basis haben. Das bedeutet für mich nicht, dass du perfekt essen musst. Es bedeutet auch nicht, dass du jeden Tag Sport machen oder irgendeine krasse Diät durchziehen sollst. Wer mich kennt und mir schon länger folgt, der weiß, was ich von solchen Extremen halte.
Ich bin kein Fan davon, uns aufgrund des Lipödems noch zehn weitere Verbote aufzuerlegen. Für mich bedeutet eine gute Basis vielmehr, dass du eine Ernährungsweise gefunden hast, die zu dir und deinem Alltag passt, Bewegung in dein Leben integrieren kannst, deine eigenen Baustellen kennst und nicht erwartest, dass eine Operation all das übernimmt, was vorher vielleicht jahrelang schwierig war.
Im Gespräch sind Dr. Holdenried und ich uns bei einem Punkt ziemlich einig: Eine mediterran ausgerichtete, ausgewogene und proteinreiche Ernährung kann eine sinnvolle Basis sein. Bei einer ketogenen Ernährung bin ich persönlich dagegen deutlich vorsichtiger.
Nicht, weil man sie grundsätzlich nicht gesund gestalten könnte. Aber ich arbeite seit vielen Jahren mit Frauen, die teilweise bereits eine lange Diätgeschichte, emotionales Essen oder ein sehr schwieriges Verhältnis zum Essen mitbringen. Und dann noch mehr Verbote? Nein, danke.
Ich möchte keinen Weg, den eine Frau drei Wochen durchhält. Ich möchte einen Weg, den sie auch in ein paar Jahren noch gehen kann.
Eine weitere Frage, die wahrscheinlich viele Frauen beschäftigt: Ist das Thema nach der Liposuktion endgültig erledigt?
Auch darüber sprechen wir ganz offen. Dr. Holdenried weist im Interview darauf hin, dass ein Lipödem wieder auftreten kann und dass auch Umverteilungen vorkommen können – insbesondere, wenn nach der Operation eine erneute Gewichtszunahme hinzukommt.
Auch deshalb ist mir dieses ganze Thema „Basis schaffen" so wichtig. Nicht aus schlechtem Gewissen und nicht, weil du schuld an deinem Lipödem bist, sondern weil wir uns anschauen sollten: Was können wir selbst beeinflussen?
Ernährung, Bewegung, Routinen und unser Umgang mit unserem Körper gehören für mich dazu.
Natürlich musste ich Dr. Holdenried auch eine Frage stellen, die wahrscheinlich fast jede Betroffene interessiert: Kann man nach einer Liposuktion irgendwann komplett auf die Kompression verzichten?
Seiner Erfahrung nach kann der Großteil seiner Patientinnen früher oder später darauf verzichten. Meine persönliche Erfahrung sieht etwas differenzierter aus.
An meinen Armen trage ich heute beispielsweise keine Kompression mehr. An meinen Beinen dagegen schon immer mal wieder. Nicht, weil mich jemand dazu zwingt, sondern weil sie mir guttut und ich mich damit einfach sicherer fühle.
Ich bin auch nach meinen Operationen nicht komplett beschwerdefrei. Und ich glaube, genau darüber dürfen wir viel offener sprechen. Denn wenn du auf Social Media unterwegs bist, kann schnell der Eindruck entstehen: Liposuktion gemacht = Lipödem erledigt = nie wieder Schmerzen = nie wieder Kompression.
So pauschal funktioniert es eben nicht. Jeder Körper ist anders und nach wie vor gibt es keine Heilung!
Auch die Frage, ob eine Liposuktion ambulant oder stationär durchgeführt werden sollte, lässt sich laut Dr. Holdenried nicht pauschal beantworten. Er erklärt im Interview, dass selbst bei kleineren Absaugvolumina Kreislaufprobleme auftreten können.
Deshalb findet er ein Klinik-Setup wichtig, bei dem Patientinnen bei Bedarf auch über Nacht bleiben und medizinisch betreut werden können. Bei größeren Absaugvolumina von fünf Litern und mehr spricht er sich im Gespräch klar für eine stationäre Behandlung aus.
Auch das zeigt wieder: Es geht nicht nur darum, wie viel Fett abgesaugt werden kann. Es geht um deine Sicherheit, deinen individuellen Befund und darum, was dein Körper verkraften kann.
Wenn ich aus unserem Gespräch einen Gedanken besonders mitnehmen würde, dann diesen: Mach aus einer Liposuktion kein Wettrennen.
Informiere dich, lass deine Diagnose vernünftig abklären, sprich mit qualifizierten Ärztinnen und Ärzten und hab bitte keine Angst davor, Fragen zu stellen.
Was passiert mit meiner Haut? Was kann Renuvion® bei meiner Ausgangslage leisten? Brauche ich möglicherweise trotzdem eine chirurgische Hautstraffung? Welche Ergebnisse sind bei MIR realistisch? Wie sieht meine Nachsorge aus? Und was sollte ich vielleicht vor der Operation noch verändern?
Ich wünsche mir so sehr, dass Frauen nicht erst nach ihrer Liposuktion bei mir sitzen und sagen: „Tina, hätte ich das alles mal vorher gewusst."
Eine Operation kann ein Teil deines Weges mit Lipödem sein. Aber sie muss nicht dein kompletter Weg sein.
Ernährung, Bewegung, dein Mindset, deine Routinen und ein liebevollerer Umgang mit deinem eigenen Körper verschwinden nicht plötzlich mit dem OP-Termin aus deinem Leben.
Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Botschaften aus diesem Gespräch.
Wenn du gerade über eine Liposuktion bei Lipödem nachdenkst, dich über Renuvion® und Hautstraffung informieren möchtest oder deine Lipödem-OP vielleicht sogar schon hinter dir hast, dann schau dir unbedingt meinen neuen Lipödem Talk mit Dr. med. Mario Holdenried an.
Wir sprechen offen über Liposuktion, Renuvion®, Hautstraffung, Voraussetzungen für eine Operation, Ernährung und Bewegung, Kompression, Nachsorge und, ganz wichtig, realistische Erwartungen an eine Lipödem-OP.
Hier kannst du dir das komplette Interview anschauen:
Und jetzt würde mich natürlich interessieren: Hattest du vor diesem Interview schon einmal von Renuvion® bei Lipödem gehört? Schreib es gerne in die Kommentare unter die Folge. Ich bin wirklich gespannt!
Deine Tina (zert. Ernährungsberaterin und Lipödemcoach)
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